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05.03.25 09:30
Die Stagflation feiert ein Comeback... scheinbar

Genf (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft hat jüngst für einige unangenehme Überraschungen gesorgt, so Eric Vanraes, Head of Fixed Income bei Eric Sturdza Investments.

Der Blick auf Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und den privaten Konsumausgaben offenbare eine offensichtliche Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern. Normalerweise könnten in solchen Situationen die Stimmungsindikatoren helfen, die Laune zu verbessern. Oft werde dann ersichtlich, dass es sich nur um eine vorübergehende Delle handle. Leider erzähle der jüngste Conference Board Consumer Confidence Index jedoch eine andere Geschichte: Er sei von revidierten 105,3 auf 98,3 gesunken und läge damit weit unter den Markterwartungen von 102,5. Dies sei nicht nur ein leichter, sondern ein deutlicher Rückgang. Noch besorgniserregender sei die Prognose der Atlanta Fed für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal 2025. Diese sei in den negativen Bereich gerutscht.

Noch mehr beunruhigte der Grund für das Schrumpfen der Verbraucherausgaben. Sorgen mache diesmal nicht die Beschäftigung. Vielmehr seien es die wachsenden Ängste vor einer Rückkehr der Inflation, die größtenteils den "Trumponomics" zugeschrieben werden könnten. Dies gälte besonders für seine Vorzeigepolitik der Zölle. Auch die Prognose weiter sinkender Verbraucherausgaben drücke auf die Stimmung.

Lassen Sie uns über die Inflation sprechen: Der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindikator, der PCE-Kernpreisindex, sei am Freitag wie erwartet von revidiert 2,9 % auf 2,6 % gesunken. Auch der PCE-Hauptpreisindex habe mit 2,5 % den Prognosen entsprochen. Während sich die Inflation allmählich der Zielvorgabe der Fed von 2 % anzunähern schien, bliebe die letzte "Meile" ungewiss. Ermutigend sei, dass sich die Kluft zwischen dem Kern- und dem Hauptindex verringert habe.

Gestern Nachmittag seien jedoch weitere Bedenken laut geworden, als die ISM-Indizes für das verarbeitende Gewerbe die Befürchtungen einer Stagflation verstärken würden. Die Auftragseingänge seien von 55,1 auf 48,6 gefallen, was auf eine Verlangsamung der Aktivität hindeute. Auch die Beschäftigung sei von 50,3 auf 47,6 gefallen, was darauf hindeute, dass die Ära der Vollbeschäftigung ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Zu allem Überfluss sei der Index der gezahlten Preise von 54,9 auf 62,4 angestiegen. Damit könnte festgehalten werden, dass es für die US-Anleihemärkte ein harter Start in die Woche gewesen sei!

Wenn sich diese Trends fortsetzen würden, sei die Antwort klar: Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen könnte sich bald in Richtung 4 % bewegen. Dies sei eine unangenehme Aussicht für diejenigen, die eine Phase der Stabilität im Bereich von 4,4 % bis 4,6 % erwartet hätten. Gegenwärtig befände man sich in demselben Dilemma wie die Federal Reserve, die zwischen ihrem doppelten Mandat gefangen sei. Auf der einen Seite gäbe die Inflation nach wie vor Anlass zur Besorgnis, sodass uns die jüngste Erholung nicht ganz geheuer erscheine. Auf der anderen Seite zeige die Wirtschaftstätigkeit erste Anzeichen von Schwäche. Das sei etwas, das bisher weitgehend übersehen worden sei. Die Situation sei vertrackt: Wenn sich die Märkte wieder auf die Inflationssorgen konzentrieren würden, könnten die Renditen nochmal auf 4,6 % oder mehr steigen. Sollte sich die Stagflation jedoch wirklich durchsetzen, sei eine 10-jährige Rendite von 4 % in naher Zukunft nicht ausgeschlossen.

Wie sähe es mit der Beschäftigung aus? Der Bericht zum Arbeitsmarkt vom Freitag schaffe weitere Klarheit. Die Arbeitslosenquote sei im Vergleich zu den monatlichen Zahlen zur Schaffung von Arbeitsplätzen von geringerer Bedeutung. Die Märkte würden 160.000 neue Arbeitsplätze im Februar erwarten, wobei die Angaben vom Januar mit nur 143.000 neuen Arbeitsplätzen möglicherweise korrigiert werden könnten. Auch das Lohnwachstum werde genau beobachtet, da der durchschnittliche Stundenlohn im Jahresvergleich um 4,1 % steige. Obwohl Jerome Powell behaupte, dass die Lohninflation nicht unbedingt die Verbraucherpreisinflation antreibe, würden die Daten diese Theorie auf den Prüfstand stellen.

Letztendlich müsse Powell erklären, wie die US-Notenbank in diesem Geflecht widersprüchlicher Wirtschaftsindikatoren zu navigieren gedenke. In zwei Wochen würden die Märkte auf Klarheit in drei zentralen Fragen pochen: den aktuellen geldpolitischen Kurs, die Zukunft der quantitativen Straffung und die aktualisierten Dot Plot-Projektionen, die künftige Zinsentscheidungen umreißen würden. (Ausgabe vom 04.03.2025) (05.03.2025/alc/a/a)


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