Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen und startet in seine zweite Amtszeit, so Evan Brown, Head of Multi-Asset Strategy bei UBS Asset Management (UBS-AM).
Die Republikanische Partei habe sich zudem die Mehrheit im Senat gesichert. Das Rennen um das Repräsentantenhaus sei noch offen, jedoch wachse die Wahrscheinlichkeit eines 'Red Sweeps', bei dem die Republikaner beide Kammern des Kongresses kontrollieren würden. Sollte der nach aktuellem Stand der Auszählungen eher unwahrscheinliche Fall eintreten und das Repräsentantenhaus an die Demokraten gehen, könnte dies Trumps Handlungsspielraum für eine expansive Fiskalpolitik einschränken.
Der 'Red Sweep' würde eine ausgeprägte fiskalpolitische Expansion ermöglichen, was kurzfristig Druck auf US-Staatsanleihen ausüben dürfte. US-Aktien könnten hingegen von Steuererleichterungen und weniger Regulierung profitieren und sich besser entwickeln als internationale Märkte, die stärker von Zollrisiken betroffen seien. Ein starker US-Dollar wäre eine weitere Folge dieses Szenarios.
Die Märkte hätten am gestrigen Tag wie erwartet reagiert: US-Aktien seien um über 2 Prozent gestiegen und hätten damit internationale Aktienmärkte übertroffen. Während global eine positive Stimmung herrsche, habe der chinesische Hang Seng einen Rückgang von 2,2 Prozent verzeichnet - die Bedrohung durch mögliche US-Zölle laste hier besonders stark. US-Small Caps hätten mit +6 Prozent am stärksten zugelegt, was auf die inländische Ausrichtung von Trumps Deregulierungsmaßnahmen insbesondere bei regionalen Banken zurückzuführen sei.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sei um 20 Basispunkte auf 4,5 Prozent gestiegen, während der US-Dollar ein neues Zwölfmonatshoch erreicht habe. Währungen der Handelspartner hätten Verluste hinnehmen müssen: Der Euro sei um 2 Prozent gefallen, der Mexikanische Peso um 2,5 Prozent und der Chinesische Renminbi um knapp 1,5 Prozent.
Im Anleihenmarkt böte die aktuelle Renditesteigerung nach dem jüngsten Anstieg der Renditen seit September zunehmend attraktive Werte. Die geplante fiskalische Expansion sei ein Gegenwind für US-Staatsanleihen, aber die genauen Auswirkungen auf das US-Haushaltsdefizit würden abzuwarten sein. Die makroökonomischen Aussichten zeichneten sich durch eine fortschreitende Disinflation aus, die weitere Zinssenkungen der Fed ermöglichen könnte.
Der US-Dollar werde voraussichtlich stark bleiben, besonders gegenüber Währungen, die durch eine aggressivere US-Handelspolitik verwundbar seien, wie der Mexikanische Peso und der Chinesische Renminbi.
Obwohl man risikoreiche Anlagen bis Ende des Jahres und 2025 positiv sehe, dürfte das Niveau der Nachwahlrallye von 2016 schwer zu erreichen sein. Die Bewertungen seien höher, die fiskalische Lage der USA sei angespannter und der positive Effekt potenzieller Steuersenkungen wäre geringer als in Trumps erster Amtszeit. Trumps Drohungen, Zölle zu erhöhen und die Einwanderung zu beschränken, könnten negative Angebotsschocks auslösen, die das Wachstum dämpfen und die Inflation anheizen würden.
Der aktuell noch offene Ausgang der Kongresswahlen werde entscheidend für Trumps politische Durchsetzungskraft sein. Ein geteilter Kongress könnte den Spielraum für Steuersenkungen und erhöhte Staatsausgaben begrenzen, was dem Anleihenmarkt zugutekäme. Weitere Details zu Trumps Politik würden voraussichtlich 2025 publik, was Investoren dabei helfen dürfte, die Risikobilanz neu zu bewerten.
Es werde allgemein erwartet, dass der Offenmarktausschuss der Fed auf seiner heutigen Sitzung eine weitere Zinssenkung beschließe, was einen disinflationären Trend bestätigen würde. Der Nationale Volkskongress Chinas, der am 8. November ende, werde zudem wichtige fiskalpolitische Maßnahmen vorstellen, die die Entwicklung chinesischer Vermögenswerte und Schwellenländeraktien beeinflussen könnten. (07.11.2024/alc/a/a)
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