München (www.anleihencheck.de) - Für Vontobel ist die Aktie von thyssenkrupp (ISIN DE0007500001 / WKN 750000) eine Investmentidee und die Bank Vontobel Europe AG liefert Vorschläge, wie Anleger mit Anleihen von dieser Einschätzung profitieren können.
Der Konzern thyssenkrupp AG sei 1999 nach einem Zusammenschluss der Fried. Krupp AG mit der Thyssen AG entstanden. Beide Unternehmen seien seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts und somit seit den Anfangszeiten der Industrialisierung im Stahlsektor tätig gewesen und hätten Deutschlands Entwicklung zu einem führenden Industriestaat entscheidend geprägt.
Nach größtenteils positiven Geschäftsjahren unmittelbar nach der Fusion zur Jahrtausendwende hätten fehlgeschlagene Ambitionen zum Bau von Einrichtungen in Brasilien und den USA dem Konzern einen herben finanziellen Schlag versetzt. Die geplanten Werke hätten im Jahr 2012 abgeschrieben und mit Verlusten im Milliardenbereich verkauft werden müssen, eine Fehlinvestition, mit deren Nachwirkungen der Konzern bis heute noch zu kämpfen habe.
Der thyssenkrupp-Konzern decke nach wie vor eine stattliche Anzahl Geschäftsfelder ab. Seine Tochtergesellschaften würden die Automobilindustrie beliefern, der Konzern besitze mit "Marine Systems" einen führenden Hersteller von nicht-atomaren U-Booten, er baue Industrieanlagen und sei mit "Steel Europe" nach wie vor im Stahlsektor tätig. Die umsatzstärksten Teilbereiche seien im Jahr 2023 das Rohstoffhandelsgeschäft "Materials Services", knapp vor Steel Europe, wobei das Stahlgeschäft den höchsten Profit generiert habe.
Zuvor seien im Verlauf des letzten Jahrzehnts im Rahmen von Restrukturierungen unter anderem Teilbereiche wie das Edelstahlgeschäft (ehem. thyssenkrupp Stainless) oder das Aufzugsgeschäft veräußert worden. Das Aufzugsgeschäft sei im Jahr 2020 für über 17 Millionen Euro verkauft worden, obwohl es gewinnbringend gewesen sei und in einem Markt mit guten Wachstumschancen operiert habe. thyssenkrupp sei jedoch dringend auf die aus dem Verkauf gewonnenen Mittel angewiesen gewesen - unter anderem zur Bekämpfung der anwachsenden Schuldenlast.
Der thyssenkrupp-Konzern kämpfe bereits seit einigen Jahren gegen diverse ungünstige Umstände. Der Konzern habe in der Vergangenheit immer wieder mit Restrukturierungs- und Verkaufsplänen von Teilsparten auf sich aufmerksam gemacht. Da mit solchen Maßnahmen oft auch Personalentlassungen einhergingen, stünden der Konzern und sein Vorsteher Miguel Ángel López Borrego mittlerweile auch vermehrt im politischen Rampenlicht.
thyssenkrupp leide dabei nicht nur unter den konjunkturellen Problemen der deutschen Industrie und der Stahlbranche, sondern habe auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Der geplante Verkauf der Stahlabteilung Steel Europe erhitze die Gemüter. In einer Vorstandssitzung des Konzerns sei es laut Medienberichten zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstandsmitgliedern von "thyssenkrupp Steel Europe" und dem Konzernchef Miguel Lopez gekommen. Infolgedessen hätten mehrere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von Steel Europe ihren Rücktritt bekannt gegeben. Die Quelle der Uneinigkeiten: die Herauslösung des Stahlherstellers erfordere Sparmaßnahmen, worunter auch Streichungen von Arbeitsstellen fallen könnten. Die Rede sei von mehreren Tausend Arbeitsstellen - Steel Europe beschäftige über 25.000 Mitarbeitende. Außerdem erfordere die Veräußerung eine Mitgift des Mutterkonzerns. Ein Finanzpaket, mit welchem unter anderem Einrichtungen modernisiert werden sollten, damit sich das Unternehmen eigenständig am umkämpften Stahlmarkt behaupten könne.
Die Stahlindustrie Deutschlands sei hart von der Energiekrise getroffen worden. Zudem werde von der Branche erwartet, Bestrebungen zu einer umwelterträglicheren Produktion vorzunehmen und sich schnellstmöglich von der Braunkohle als Hauptenergieträger zu verabschieden. Damit der Kraftakt mit der Umstellung zu umweltfreundlicherem Stahl mithilfe von Wasserstoffenergie gelingen könne, habe thyssenkrupp vom deutschen Staat bereits ein Unterstützungspaket in Höhe von bis zu 2 Milliarden Euro erhalten.
Nun solle Daniel Kretinsky einspringen. Der tschechische Investor und Eigentümer des Energieversorgungsunternehmens EPH mit Sitz in Prag halte eine Position von 20 Prozent an thyssenkrupp Steel Europe und habe bereits Interesse bekundet, diesen Anteil auf insgesamt 50 Prozent zu erhöhen, womit ein 50 / 50 Joint-Venture entstehen würde.
Während die Konzernleitung und die größte Aktionärin des thyssenkrupp-Konzerns, die Krupp-Stiftung, dieses Engagement begrüßen würden, seien Interessensgruppen wie Mitarbeitende und die Gewerkschaft IG Metall weniger enthusiastisch. Dem Investor würden mangelnde Transparenz und ein fehlendes Konzept zur strategischen Ausrichtung von Steel Europe vorgeworfen.
Wie schmerzhaft es auch klingen mag, der Grundtenor der Stimmen aus Wirtschaft und Politik sehe die Verselbständigung des traditionsreichen Stahlgeschäfts als einen Schritt in die richtige Richtung. Auch würden vermehrt Rufe nach einem Einstieg des deutschen Staates laut, die jedoch nicht auf viel Anklang stoßen würden. Vieles werde davon abhängen, ob sich die Interessensgruppen der Gewerkschaften, Vorstände und Investoren auf einen Grundkonsens einigen könnten. Auch könne die Positionierung der Krupp-Stiftung, der größten Einzelaktionärin des Mutterkonzerns, eine Rolle spielen. Bisher habe sich die Stiftung, die sich mit 21 Prozent am Grundkapital beteilige, eine eher passive Rolle gespielt. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen und der zunehmenden Kritik an der Stiftung bleibe es offen, ob sich die Hauptaktionärin des Konzerns zu einer aktiveren Teilnahme entschließen lassen werde.
Eine Investmentidee sei zum Beispiel die Aktienanleihe (ISIN DE000VC5UM28 / WKN VC5UM2) auf die thyssenkrupp AG. Diese sei mit einem Basispreis von 3,316 EUR und einem Kupon von 16,3333% (Kupon p.a.: 14,00%) ausgestattet. Der Bewertungstag sei der 19.12.2025. Die Barriere liege bei 2,653 EUR (80,00%). Die Anleihe laufe bis zum 19.12.2025.
Anleger seien dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen könnten. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde könne im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei möglich. Das Produkt unterliege als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.
Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen sei von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen habe. Der Aktienkurs könne sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen könnten.
Der Wert des Zertifikats könne während der Laufzeit durch die marktpreisbestimmenden Faktoren auch deutlich unter den Erwerbspreis fallen, wenn der Wert des Basiswerts falle. (Ausgabe vom 22.10.2024) (23.10.2024/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
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