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19.09.24 10:15
FED hat die aggressivere Option gewählt

München (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung der Federal Reserve (FED), den Leitzins um 50 Basispunkte zu senken, war die aggressivere der beiden Optionen, so Eric Winograd, Director - Developed Market Economic Research bei AllianceBernstein.

Immerhin habe der Markt vor der Sitzung zwischen einer Senkung um 25 und 50 Basispunkten geschwankt. Notenback-Chef Jerome Powell habe jedoch betont, dass der Schritt nicht bedeutet, dass die Zentralbanker davon ausgehen würden, dass sie mit ihrer Währungspolitik hinter der Kurve zurückbleiben würden. Vielmehr würde die FED damit anstreben, in Zukunft nicht hinter die Kurve zu geraten. Das Schlüsselzitat von Powell sei folgender gewesen: "Die Wirtschaft ist in einer guten Verfassung. Wir beabsichtigen, die wirtschaftliche Stärke, die wir derzeit sehen, aufrechtzuerhalten. Das tun wir, indem wir die Zinssätze nach und nach von dem hohen Niveau auf ein normaleres Niveau zurückführen." Das heiße, die Zentralbanker würden den aktuellen Zyklus als eine "Neukalibrierung" oder eine "Normalisierung" - und eben nicht als eine Maßnahme zur Stützung der Wirtschaft betrachten.

Während für den Markt insbesondere die Höhe der heutigen Senkung im Fokus stehe, hätten für mich persönlich die mittelfristigen Aussichten eine höhere Bedeutung. Sowohl der Dot-Plot der FED als auch die Äußerungen des Vorsitzenden Powell würden darauf hindeuten, dass der Ausschuss trotz der heutigen Senkung um 50 Basispunkte keine besondere Dringlichkeit für eine aggressivere Zinssenkung sehe. Der Medianpunkt deute darauf hin, dass bei den kommenden beiden Sitzungen der FED wahrscheinlich jeweils eine Senkung um 25 Basispunkte anstehe, gefolgt von vierteljährlichen Senkungen um 25 Basispunkte. Dabei gehe die FED davon aus, dass der Leitzins erst Anfang 2026 wieder einen neutralen Wert erreiche. Dazu drei Überlegungen:

- Die Prognosen der FED würden optimistisch bleiben und von einem BIP-Wachstum von zwei Prozent für jedes der kommenden vier Jahre ausgehen, während sich die Arbeitslosenquote bei 4,4 Prozent stabilisiere. Der Vorsitzende Powell habe betont, dass das Komitee davon ausgehe, seine Währungspolitik bei starkem Arbeitsmarkt und stabile BIP-Wachstumsraten neu kalibrieren zu können. Sollte sich dies bewahrheiten, sei es durchaus angebracht, die Zinssätze nur langsam anzupassen.

- Bei der Wachstumsprognose seien die Experten pessimistischer als die FED. Sie würden davon ausgehen, dass das BIP im kommenden Jahr eher um ein als um zwei Prozent wachse. Daher würden sie auch erwarten, dass die FED ihre Zinsen stärker senken werde, als es der aktuelle Dot-Plot nahe lege - ein Niveau von 2,75 bis 3,0 Prozent bis Ende 2025 sei damit realistisch. Das seien 50 Basispunkte weniger als die FED-Punkte würden vermuten lassen.

- Das bedeute auch, dass die Experten eben nicht davon ausgehen würden, dass die FED aktuell hinter der Kurve liege. Gleichzeitig seien sie auch nicht übermäßig beunruhigt, dass sie hinter die Kurve zurückfallen werde. Vorsitzender Powell habe in seiner Pressekonferenz deutlich gemacht, dass die FED in einer guten Position sei, um auf neue Informationen zu reagieren. Damit habe er Recht: Bei dem hohen Ausgangspunkt beim Zinsniveau könne die US-Notenbank bei Bedarf aggressiver vorgehen. Wenn die Experten von AllianceBernstein mit ihrer pessimistischeren Prognose für das Wirtschaftswachstum recht haben, wird die FED die Zinsen stärker senken und damit das Risiko einer harten Landung verringern.

In der Pressekonferenz habe Jerome nochmal darauf hin, dass die FED für ihre Geduld während dieses Zyklus belohnt worden sei. Dies würde auch das weitere Vorgehen bestimmen. Er habe wiederholt betont, dass "es für das Komitee keinen Grund zur Eile gibt", um Neutralität zu erreichen. Auf lange Sicht würden die Notenbanker wohl datenabhängig, aber nicht datenpunktabhängig bleiben. Das heiße, sie würden nicht auf jede einzelne Veröffentlichung reagieren, sondern auf die Entwicklung der Daten - so, wie sie es auch bereits in den vergangenen Quartalen erfolgreich getan hätten.

Die wichtigste Variable bleibe der Arbeitsmarkt. Die analytische Herausforderung sei der Unterschied zwischen dem (starken) Niveau des Arbeitsmarktes und dem Trend (Abschwächung). Die FED betrachte den Arbeitsmarkt zum jetzigen Zeitpunkt als annähernd ausgeglichen - sie fokussiere mehr auf das aktuelle Niveau als aus der Entwicklung. Das heiße, wenn sich der Abschwung so fortsetzt, dass das Niveau nicht mehr solide sei, steige die Bereitschaft der FED, schneller zu handeln.

Die FED scheine nicht kurz davor zu stehen, die quantitative Lockerung zu beenden - die Bilanzsumme werde vorerst weiter schrumpfen. Vorsitzender Powell habe zudem angemerkt, dass die Schrumpfung der Bilanzsumme bisher durch eine Reduzierung der Reverse-Repo-Fazilität der FED und nicht durch eine Verringerung der Reserven erreicht worden sei, die für die Wirtschaft viel wichtiger seien. Bis die Reverse-Repo-Fazilität im Gleichgewicht sei und die Reserven zu sinken beginnen würden, werde die FED die quantitative Lockerung wahrscheinlich fortsetzen. (19.09.2024/alc/a/a)


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