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11.06.24 15:00
Frankreich: Drei Szenarien der Neuwahlen - Spreads der OATs gegenüber Bundesanleihen um 6 Bp ausgeweitet

Paris (www.anleihencheck.de) - Der französische Präsident, Emmanuel Macron, bittet die BürgerInnen nach den Wahlergebnissen der Europawahl an die Wahlurnen - laut Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management, wird es ohne parlamentarische Mehrheit schwierig, wie angestrebt 20 Milliarden Euro bis 2025 zu kürzen.

Für ihn seien drei Szenarien nach den Neuwahlen in Frankreich am 30. Juni und 7. Juli möglich:

1. Die Renaissance-Partei von Emmanuel Macron behalte mehr oder weniger ihre relative Mehrheit und die Regierung mache irgendwie weiter. Die Partei könnte versuchen, eine breitere Regierungskoalition mit anderen Parteien zu bilden, aber eine solche Koalition habe es unter dieser Regierung noch nie gegeben.

2. Der Rassemblement National (RN) habe eine relative Mehrheit. Das Land wäre dann noch schwieriger zu regieren, da es für die Oppositionsparteien einfacher wäre, sich gegen eine als extremistisch geltende Partei zusammenzuschließen. Unter diesen Umständen könnte jemand von außerhalb der politischen Arena oder von einer anderen Partei, aber mit Unterstützung des RN, zum Premierminister ernannt werden, um den Konsens zu erweitern.

3. Die RN gewinne die absolute Mehrheit der Sitze. Das Wirtschaftsprogramm der Partei wird in den nächsten drei Wochen vorgestellt, sodass wir noch im Dunkeln tappen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Das letzte umfassende Programm der RN sei für die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2022 vorgesehen gewesen und die Berechnungen externer Beobachter hätten damals auf eine erhebliche Verschlechterung der Staatsfinanzen hingedeutet - eine beunruhigende Aussicht angesichts der aktuellen Lage Frankreichs. Man könnte einwenden, dass das sehr proaktive Programm von Georgia Meloni für 2022 ebenfalls ernsthafte Befürchtungen einer Schuldenkrise ausgelöst habe, die sich als unbegründet erwiesen hätten.

Andererseits habe die ehemalige britische Premierministerin Liz Truss unter ähnlichen Umständen die Folgen zu spüren bekommen. Und Italiens Staatsdefizit habe 2023 bei stolzen 7,2 Prozent des BIP gelegen, weshalb das Land weiterhin von Ratingagenturen und Investoren genau beobachtet werde. Und man könne sich sehr gut vorstellen, dass das, was internationale Investoren heute für Italien zu akzeptieren bereit seien, nicht mehr für Italien und Frankreich gelten werde, wenn Letzteres wieder eine Politik der Ausweitung der Defizite betreiben sollte.

Es sei schwierig, über die Dynamik in Frankreich und Europa in den kommenden Wochen zu spekulieren. Bisher seien die Marktreaktionen moderat gewesen. Die Spreads französischer OATs gegenüber deutschen Bundesanleihen hätten sich um 6 Basispunkte ausgeweitet und der US-Dollar und der Schweizer Franken hätten gegenüber dem Euro um 0,5 Prozent zugelegt. In Erwartung einer besseren Visibilität wären die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management nicht überrascht, wenn eine europäische Risikoprämie zurückkehren würde. Die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management würden derzeit ihre Asset-Allokation überprüfen. (11.06.2024/alc/a/a)


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