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18.03.24 09:45
Anleihen: "Harter Test" für Zinssenkungsoptimisten

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kommt die erste Zinssenkung in den USA doch nicht so schnell wie erhofft, fragt die Deutsche Börse AG.

Die am Donnerstag veröffentlichten US-Erzeugerpreise würden jedenfalls einen anhaltenden Inflationsdruck zeigen. "Die deutlich über den Erwartungen liegenden Daten rissen die Märkte aus ihrer Lethargie", erkläre die Deutsche Bank. "Die Marktakteure, die sich auf zeitnahe Zinssenkungen der FED gefreut haben, wurden einem harten Test unterzogen."

Die Renditen seien spürbar angestiegen. Am Freitagmorgen hätten zehnjährige Bundesanleihen mit 2,44 Prozent rentiert, vor einer Woche seien es nur 2,27 Prozent gewesen. Zehnjährige US-Treasuries würden aktuell 4,28 Prozent abwerfen nach 4,07 Prozent vergangenen Freitag.

Jetzt heiße es: Warten auf die US-Notenbanksitzung am kommenden Mittwoch. "Von der FED wird zwar allgemein keine Zinssenkung erwartet, sodass hier auch kein Enttäuschungspotenzial besteht", stelle Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank fest. Allerdings könnten die Notenbanker ihre Zinserwartungen in den neuen Zinsprognosen - den "Dot-Plots" - nach oben korrigieren. Für die US-Notenbank und die EZB werde derzeit zwar immer noch mit einer ersten Zinssenkung im Juni gerechnet, allerdings mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als zuvor.

Kein großes Thema mehr seien die Zinsaufschläge für Europas Peripheriestaaten. Ulrich Wortberg von der Helaba verweise auf die fortgesetzte Einengung der Peripherie-Spreads, Folge der allgemein erhöhten Risikobereitschaft. Während die Renditen von Bundesanleihen zuletzt gestiegen seien, seien die italienischen Renditen eher gesunken. "Der Renditeabstand hat sich im zehnjährigen Bereich auf zeitweise unter 120 Basispunkte reduziert, was zuletzt im November 2021 der Fall gewesen ist." Auch Anleihen anderer EWU-Staaten hätten derzeit deutlich besser abgeschnitten als Bundesanleihen.

In Zeiten höherer Zinsen seien neben klassischen Staatsanleihen auch Anleihen von Bundesländern beliebt. Immer wieder Käufe sehe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank für den vergangene Woche begebenen Floater (ISIN DE000RLP1460 / WKN RLP146) von Rheinland-Pfalz. Der laufe bis 2026 und biete einen Kupon von 3,928 Prozent.

Dass die Rating-Agentur Standard & Poor's den Energiekonzern E.ON auf BBB+ hochgestuft habe, führe Daniel zufolge zu weiteren Käufen der ohnehin beliebten, bis 2028 laufenden E.ON-Anleihe (ISIN XS2574873266 / WKN A30V8A) mit 3,5 Prozent-Kupon. Gut an komme der Bond (ISIN XS2643320109 / WKN A351SX) der Porsche Automobil Holding aus dem vergangenen Jahr mit 4,25 Prozent bis 2030, wie Agon Alihajdari von der Steubing AG berichte. Auch der US-Dollar-Bond (ISIN US24422EWZ86 / WKN A3LJP1) von John Deere mit 4,7 Prozent bis 2039 sei weiter gesucht.

Für die relativ neue Anleihe (ISIN NO0013149658 / WKN A3513A) des westfälischen Anbieters von Gesundheits- und Schönheitsprodukten LR Health & Beauty mit 11,432 Prozent und Laufzeit bis 2028 melde Daniel unterdessen Käufe und Verkäufe. "Offenbar ist so mancher enttäuscht und steigt aus, andere nutzen die niedrigen Kurse für einen Einstieg."

Schlechte Nachrichten gebe es aber auch: Anleihen des schwedischen Inkassounternehmens Intrum seien am Donnerstag abgestürzt, wie Daniel feststelle. "Es gibt Spekulationen um eine Überschuldung." Intrum selbst habe gemeldet, sich zur Prüfung unterschiedlicher Optionen an ein Beratungsunternehmen gewendet zu haben. Auch eine Restrukturierung der Anleihen sei Thema. Betroffen vom Kursrückgang sei etwa der bis 2027 laufende Bond mit 3 Prozent-Kupon (ISIN XS2052216111 / WKN A2R7TT), der von 64 Prozent auf rund 52 Prozent gefallen sei. Die drei weiteren Anleihen mit Fälligkeiten 2025, 2026 und 2028 (ISIN XS2211136168 / WKN A280L3; ISIN XS2034925375 / WKN A2R501; ISIN XS2566291865 / WKN A3LB1Y) hätten ebenfalls verloren.

Weiter erholt hätten sich unterdessen Papiere der Deutsche Pfandbriefbank (Depfa), wie Rainer Petz von Oddo BHF berichte. Die Depfa habe vergangene Woche mitgeteilt, zwar keine Dividende zu zahlen, die Hybridanleihe (ISIN XS1808862657 / WKN A2GSLH) aber bedienen zu wollen. Auch die bei Oddo gehandelten Depfa-Anleihen (ISIN XS1637926137 / WKN A2E4Y4; ISIN DE000A2DASM5 / WKN A2DASM) würden profitieren. (Ausgabe vom 15.03.2024) (18.03.2024/alc/a/a)


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