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09.12.22 14:00
Anleihen: Renditetalfahrt gestoppt

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Tagen ist der Anleihenmarkt von gestiegenen Rezessionsängsten getrieben worden, so die Deutsche Börse AG.

Trotz dieser Rezessionsängste hätten sich die US-Arbeitsmarktzahlen robust gezeigt und somit die Zinserwartungen an den Anleihenmärkten wieder angezogen. Die Renditen insbesondere langlaufender Anleihen hätten indes jedoch nachgegeben. Nun richte sich der Fokus auf die US-Erzeugerpreise und auf die Inflationsdaten der USA.

Am Freitag stehe der Bund Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) bei 141,74 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 1,82 Prozent rentieren. "Der flach verlaufende Aufwärtstrend beim Bund-Future ist intakt", würden Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg von der Helaba erklären. Nach einer kleinen Korrektur vom Vortag bleibe das technische Bild konstruktiv.

"Den Marktteilnehmern ist nun bewusst, dass die Zinsen weiter steigen werden, wenn auch womöglich in kleineren Schritten", berichte Tim Oechsner vom Steubing vom Frankfurter Parkett mit Blick auf die Woche.

Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank verweise außerdem auf die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA: "Die Zahlen für Erstanträge blieben auf niedrigem Niveau, die fortlaufenden Anträge haben jedoch den höchsten Stand seit Februar erreicht." Diese Nachricht habe genügt, um die 10-jährigen US-Renditen nach oben zu heben.

"Aktuell rechnet der Markt damit, dass die FED den Leitzins bis Mitte nächsten Jahres auf 5 Prozent erhöht, dann aber bereits zum Jahresende wegen eines deutlichen Wirtschaftsabschwunges wieder um 50 Basispunkte reduziert", fasse Lübbing zusammen. Demgegenüber stünden FED-Kommentare, dass der Zins nach Erreichen des Gipfels erst einmal auf diesem Niveau gehalten werden könnte. "Wenn die nächsten Inflationsdaten am oberen Ende überraschen sollten, könnte sich hier ein Potenzial für eine Revision der Marktsicht ergeben und zu einem Renditeanstieg führen", prognostiziere Lübbing.

Die FED werde am 14. Dezember während ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung die Zinsen erneut festlegen. Die EZB treffe diese Entscheidung für den Euroraum am 15. Dezember. "Mehrheitlich wird mit einer Reduzierung des Zinserhöhungstempos von 75 auf 50 Basispunkte gerechnet", würden Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg von der Helaba zusammenfassen. "Konjunkturelle Sorgen und die Erwartung, dass die Inflation den Hochpunkt überwunden hat, bilden die Basis für diese Einschätzung." Im Vorfeld werde die November-Inflationsrate in den USA viel Beachtung finden.

Einen letzten wichtigen Hinweis zur Inflation würden die Erzeugerpreise aus den USA vorabgeben:

"Sollten die Erzeugerpreise in den USA einen rückläufigen Preisdruck anzeigen, könnten die Kurse wieder steigen", prognostiziere die Helaba. Der US-Erzeugerpreisindex werde am heutigen Nachmittag veröffentlicht.

Die Vorgaben für die monatliche Veränderung der Erzeugerpreise seien nach Angaben der Helaba uneinheitlich. Die wieder höheren Erdgaspreise deuteten auf Anstiegspotenzial hin, während rückläufige einen dämpfenden Einfluss hätten. "Klar dürfte hingegen sein, dass die Jahresraten sowohl beim Gesamtindex als auch bei den Kernpreisen sinken. Die Basiseffekte wegen des steilen Preisanstiegs im Herbst und Winter 2021 beginnen nun durchzuschlagen." Darüber hinaus gäbe es auch umfragebasierte Hinweise auf einen nachlassenden Preisdruck.

Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank zeichne ein gemischtes Bild der Woche im Anleihenhandel: "Käufe und Verkäufe halten sich die Waage." Grundsätzlich würden viele Anleger*innen sich vor den Zinsentscheidungen in Zurückhaltung üben. Ohnehin lasse aber gegen Jahresende die Aktivität nach.

"Die Liquidität bei den Anleihen ist zuletzt, mit zunehmender Nähe zu den Weihnachtstagen, weiter gesunken", beschreibe auch Oechsner das Geschehen. Die Spannen zwischen Kauf- und Verkaufkursen seien entsprechend breiter und das Handeln entsprechend schwieriger. "Insgesamt erhöhen die rückläufige Volatilität und ausbleibende Erholungstendenzen die Risiken, während echte Impulse fehlen." Auch der Markt für Neuemissionen speziell in Europa habe sich dieser Entwicklung nicht entziehen können.

Weiterhin gesucht seien bei Steubing die Anleihen des Automobilzulieferers ZWL Zahnradwerk Leipzig mit 6,5 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2025. Sie würden um 1,55 Prozent auf 98 Prozent steigen. Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sei eine Hybridanleihe des Onlinehändlers Otto mit 4 Prozent Kupon ohne Laufzeitbegrenzung (ISIN XS1853998182 / WKN A2LQ0B) gesucht. "Hier haben wir gute Umsätze", erkläre Mägerle. (09.12.2022/alc/a/a)



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