Brüssel (www.anleihencheck.de) - Nach dem Kurswechsel im Februar und dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurde die Sitzung der Europäischen Zentralbank mit Spannung erwartet, so Nicolas Forest, Global Head of Fixed Income bei Candriam.
Während die Investoren auf eine Aufweichung des geldpolitischen Kurses gehofft hätten, habe die Zentralbank das allmähliche Ende ihres Programms zur quantitativen Lockerung bestätigt. So werde das europäische QE-Programm ab Juni schrittweise auf 20 Milliarden Euro pro Monat reduziert und könnte im dritten Quartal auslaufen. In ihrer Erklärung habe die EZB auch eine mögliche Zinserhöhung als Option offen gelassen.
Die EZB-Präsidentin habe auch auf die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität hingewiesen, die durch den Krieg und die aktuelle Energiekrise verursacht würden. Wenig überraschend habe Christine Lagarde auch bemerkt, dass es am Tisch unterschiedliche Meinungen gebe - eine diplomatische Formulierung, die auf Differenzen über die künftige Politik hindeute. Der Druck zur geldpolitischen Normalisierung werde also groß sein, wenn die Inflationszahlen weiter nach oben korrigiert würden, insbesondere für 2023 und 2024.
Vor diesem Hintergrund seien nun die Zinssätze weiter auf das Vorkriegsniveau gestiegen. Die EZB scheine mehr denn je im Kreuzfeuer zu stehen; die Inflation laufe aus dem Ruder und es herrsche Krieg vor den Toren Europas. (Ausgabe vom 10.03.2022) (11.03.2022/alc/a/a)
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