Paris (www.anleihencheck.de) - Die Präsidentschaftswahlen in Italien am 24. Januar sind für die Märkte von besonderem Interesse, so François Raynaud, Fund Manager Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild Asset Manageme.
Der Präsident spiele eine Schlüsselrolle bei den Gesprächen zur Regierungsbildung, insbesondere in Krisenzeiten. Er könne ein Veto gegen jede Ministerernennung einlegen, die den verfassungsrechtlichen Verpflichtungen des Landes zuwiderlaufen könnte. Dies sei 2018 geschehen, als der derzeitige Präsident Sergio Mattarella die Ernennung eines Finanzministers blockiert habe, der gegen den Euro gewesen sei. Die beiden euroskeptischen Parteien, die Lega Nord und die Fratelli d'Italia, seien nach wie vor die Favoriten für die Regierungsbildung bei den nächsten Parlamentswahlen, die spätestens 2023 stattfinden würden.
Im Moment gebe es viele Forderungen, dass Draghi Premierminister bleibe. Und es sei immer noch nicht sicher, ob er die offizielle Unterstützung einer oder mehrerer Parteien für eine Präsidentschaftskandidatur erhalten würde.
Silvio Berlusconis Versuch dürfte nicht erfolgreich sein. Denn das Wahlsystem begünstige Kandidaten, die nach mehreren Wahlgängen eine gewisse Unterstützung erhalten würden, und nicht solche, die Schlagzeilen machen würden.
Die von der EZB geplante Verringerung ihrer Anleihekäufe im Jahr 2022 werde sich naturgemäß auf die Rendite-Spreads italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen auswirken. Unserer Überzeugung nach sei das einzige Szenario, das die Renditen stabilisieren könnte, die Beibehaltung von Mario Draghi als Premierminister und die Wahl eines pro-europäischen Präsidenten. Sollte Mario Draghi Präsident werden, würden die Spekulationen über ein Scheitern der Regierung wieder aufleben und die italienischen Rendite-Spreads könnten auf bis zu 160 Basispunkte ansteigen. Da die Wahl geheim sei, könnte es natürlich einige Überraschungen geben. Man könne nicht ausschließen, dass Draghi bei seiner Kandidatur für das Präsidentenamt nicht gewinne, wodurch er geschwächt würde. (21.01.2022/alc/a/a)
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