Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
02.12.21 10:00
Makroökonomie im Dezember 2021 - Die weltweite Erholung setzt sich fort, die Inflationslage bleibt angespannt

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Die Wirtschaftsdaten belegen, dass sich die konjunkturelle Erholung fortsetzt, wenn auch langsamer als in der ersten Jahreshälfte, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Die Inflationslage bleibe angespannt.

Die FED habe damit begonnen, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, um die quantitative Lockerung Mitte 2022 zu beenden und die Zinsen 2023 anzuheben. Damit bestätige sich, dass die Agenda der FED mit den Erwartungen der Anleger übereinstimme, was eine niedrige Volatilität begünstige.

Die Inflation in den USA und der Eurozone habe im Oktober die Erwartungen übertroffen. Die Auswirkungen auf die Märkte seien dennoch bescheiden gewesen, was ein Anzeichen dafür sei, dass die Anleger auf die Interpretation der Zentralbanken vertrauen würden, denen zufolge die Inflation nur von kurzer Dauer sei. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Erdöl- und Erdgaspreise seit Oktober nicht mehr gestiegen seien.

In der Eurozone richte sich die Aufmerksamkeit auf den erneuten Anstieg des Infektionsgeschehens. Die Auswirkungen auf die Märkte seien bisher bescheiden, da die Eindämmungsmaßnahmen selektiv seien und nicht überall gelten würden. Die Aufmerksamkeit werde sich auch darauf richten, wie die EZB die geldpolitischen Anreize über den März 2022 umgestalten werde. Die Beschlüsse hierzu würden für die Sitzung am 16. Dezember erwartet.

Trotz der makroökonomischen Verlangsamung seien die Kreditbedingungen in China noch nicht gelockert worden. Andererseits habe es keine neuen "marktfeindlichen" Regulierungsmaßnahmen gegeben, die die Anleger in den letzten Monaten hätten beunruhigen können.

Der Inflationsschub erweise sich als länger anhaltend und ausgeprägter als erwartet. Dennoch würden sich die Anleger unbesorgt zeigen. Dies beweise die geringe Volatilität an den Märkten.

Dies sei zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Zentralbanken darauf bestünden, dass der Preisdruck vorübergehend sei. Und die Märkte würden diese Ansicht voll und ganz teilen. Man schaue sich nur die Messungen der Breakeven-Inflation bei inflationsgebundenen Anleihen an.

In den USA sei die Breakeven-Inflation bei Anleihen mit kurzer Laufzeit höher als bei Anleihen mit langer Laufzeit, was darauf hindeute, dass sie voraussichtlich zurückgehen werde.

Es sei jedoch festzuhalten, dass die implizite Inflationsrate über alle Zeithorizonte hinweg über dem durchschnittlichen Niveau von 2,2% der letzten 20 Jahre liege. Dies könne auf zweierlei hindeuten: Entweder würden die Anleger davon ausgehen, dass die Inflation nach dem Ende des derzeitigen Schubs auf einem etwas höheren Niveau verharren werde als in den vergangenen Zyklen. Oder aber, und dieses Szenario erscheine wahrscheinlicher, die Anleger möchten sich auf breiter Front gegen Inflationsüberraschungen absichern, auch über die historische Entwicklung der letzten 20 Jahre hinaus.

In jedem Fall scheine der Inflationsschock gut eingepreist zu sein, zumindest bei den inflationsgebundenen US-Anleihen.

Der sprunghafte Anstieg der Inflation scheine den Euro-Anlegern noch wenig Sorgen zu bereiten. Die Breakeven-Inflation habe sich von ihren Tiefstständen im März 2020 erholt und liege nun über alle Laufzeiten hinweg genau auf dem durchschnittlichen Niveau der tatsächlichen Inflation der letzten 20 Jahre, nämlich unter 2%.

Die Botschaft sei eindeutig: Für die Eurozone werde der Inflationsschub zwar nicht als vorübergehend angesehen. Aber er ändere nichts an dem Bild der "niedrigen Inflation", wie es seit Jahren kennzeichnend sei. Dies sei mittelfristig gesehen beruhigend. Für die nahe Zukunft sei jedoch zu bedenken, dass das Risiko länger anhaltender Spannungen in der Eurozone weniger stark eingepreist sei als in den USA.

In den kommenden Monaten werde man auch die Lohnentwicklung in den USA beobachten. Das mögliche Vorantreiben einer Lohn-Preis-Spirale könnte auf einen dauerhafteren Inflationsschock hindeuten. Sicher sei das aber nicht. Die Löhne würden steigen, um den Preisanstieg zumindest teilweise zu kompensieren. Sollte sich das globale Wachstum nach der außergewöhnlichen Beschleunigung in der ersten Jahreshälfte 2021 verlangsamen, so werde dies im Wesentlichen durch einen Rückgang der Margen finanziert, die jetzt über dem Vor-Corona-Niveau liegen würden. Es werde sich also um eine vorübergehende Umverteilung handeln und nicht um einen Impuls, der eine nicht nachhaltige Entwicklung auslösen würde.

Im Referenzszenario gehen die Experten von Eurizon Asset Management trotz der allmählichen Einstellung der geldpolitischen Anreize von einer Fortsetzung des weltweiten Aufschwungs aus. Der bereits eingeschlagene prozyklische Kurs werde daher bestätigt. (02.12.2021/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de