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21.06.21 13:00
FED: Die "Wort-Akrobatik" lässt den Realzins steigen und die Inflationserwartungen sinken

München (www.anleihencheck.de) - Am 16. Juni 2021 signalisierte die US-Zentralbank (FED), sie werde ihre ersten Leitzinsanhebungen schon in 2023 vollziehen, so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel.

Auf den Finanzmärkten habe die Nachricht heftige Bewegungen ausgelöst - schließlich sollte es doch erst in 2024 zum Anziehen der Zinszügel kommen! Am vergangenen Freitag habe dann auch noch FED-Ratsmitglied Jim Bullard eine erste Zinserhöhung in 2022 ins Spiel gebracht.

Die Reaktion habe nicht auf sich warten lassen: Der S&P 500 habe seit der FED-Ankündigung um etwa 2 Prozent nachgegeben, der US-Dollar merklich aufgewertet; der Goldpreis sei um fast 5 Prozent, der Silberpreis um 6,4 Prozent gerutscht.

Im Zinsmarkt sei die 2-Jahresrendite für US-Staatsanleihen um 0,1 Prozentpunkte auf nunmehr 0,26 Prozent gestiegen, die 10-jährige Rendite habe allerdings nachgegeben von 1,57 auf 1,43 Prozent - die Zinskurve sei folglich "flacher" geworden.

Eine flachere Zinskurve könne bekanntlich problematisch werden: Die Banken würden weniger durch die "Fristentransformation" verdienen und das wiederum bremse ihr Kreditangebot; und versiege der Kreditstrom, könne die Konjunktur ins Wanken geraten.

Hinter der Zinsmarktreaktion verberge sich allerdings eine sehr bedeutsame "Verschiebung" in der Zusammensetzung des Zinses. Die FED-Ankündigung habe den "Realzins" "weniger negativ" werden lassen und gleichzeitig die Inflationserwartungen etwas absenke.

Durch ihre "Wortakrobatik" habe es die FED also tatsächlich geschafft, einen für sie unangenehmen Trend zu bremsen beziehungsweise umzukehren: Dass nämlich die erwarteten Realzinsen immer weiter fallen würden und die Inflationserwartungen immer weiter steigen würden - was natürlich früher oder später zu einem "wahren Desaster" im Bondmarkt führen würde.

Dieser "Erfolg" der FED - das heiße allein mit Worten den Schwund der Realzinsen gestoppt und die Inflationssorgen entkräftet zu haben (zumindest bis auf weiteres) - werde auf den Finanzmärkten vermutlich Erleichterung auslösen: Die Marktakteure würden denken, die FED habe die "Sache im Griff", sie brauche dazu nicht einmal sofort die Zinsen anzuheben (sondern brauche es erst in weiter Zukunft zu tun).

Anders gesprochen: Die Zinsen würden vermutlich bis auf weiteres sehr niedrig bleiben, der Realzins bleibe negativ, rutsche aber nicht (immer) weiter ab und die Preisinflation gehe weiter, vor allem in den Märkten für Aktien, Häuser, aber vermutlich natürlich auch auf den Konsumgütermärkten.

Die unmissverständlich erkennbare Zögerlichkeit der FED, die Zinsen tatsächlich anzuheben, dürfte letztlich vor allem auch den Gold- und Silberpreisen helfen. Die Preise für Gold und Silber sind, aus unserer Sicht, derzeit alles andere als überteuert und sie befinden sich nach wie vor auf einem langfristigen Aufwärtstrend - weil die FED weiter macht mit der Politik der Geldentwertung, so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel. (21.06.2021/alc/a/a)



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