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02.03.21 11:30
Staatsanleihen: Negative Beurteilung für die Duration von US-amerikanischen und deutschen Wertpapieren

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - In den ersten Monaten des Jahres 2021 wird es noch ein Nebeneinander von Lockdown-Maßnahmen und geld- beziehungsweise fiskalpolitischen Maßnahmen zur Stimulierung geben, während gleichzeitig die Impfkampagne durchgeführt wird, so die Experten von Eurizon Asset Management.

In der zweiten Jahreshälfte werde man mit der Bewertung der Wirksamkeit der Impfungen beginnen, damit die Volkswirtschaften sowohl intern als auch untereinander wieder geöffnet werden könnten.

Im vergangenen Jahr hätten Aktien angesichts des wirtschaftlichen Umfelds eine überraschend gute Performance erzielt. Der S&P 500 sei um 18% gestiegen, obwohl die Gewinne um 15% gefallen seien. Der EURO STOXX sei nicht gestiegen, während die Gewinne -35% zurückgegangen seien.

Diese Ergebnisse würden sich durch den phänomenalen Anstieg der Multiplikatoren (KGV) erklären lassen, die auf das Niveau des Jahres 2000 angestiegen seien. Es erscheine jedoch nicht angebracht, hier von einer Blase zu sprechen. Die Anleger hätten rational gehandelt, indem sie sich mit niedrigen, aber attraktiven Gewinnen im Vergleich zu Anleihezinsen im Bereich von Null oder darunter gewissermaßen zufriedengegeben hätten.

In diesem Jahr sei das anders, die Gewinne würden wieder steigen: +25% für den S&P 500, +40% für den EURO STOXX, so die übereinstimmenden Schätzungen.

Könnten die Aktienindices parallel zu den Gewinnen steigen? Die Antwort hänge von den Multiplikatoren ab. Diese würden wiederum hauptsächlich von den Langfristzinsen abhängen. Bei einer geordneten Normalisierung der Zinssätze gebe es keinen Grund, eine signifikante Kontraktion der Multiplikatoren zu befürchten. Ganz im Gegenteil: Stark steigende Zinsen würden die Aktien bremsen, entweder weil sie eine Alternative zu den Unternehmensgewinnen darstellen würden oder weil sie von der Wirtschaft als nicht tragfähig eingestuft würden.

Am wahrscheinlichsten erscheine die Hypothese einer geordneten Normalisierung und stabiler Multiplikatoren. Dies schließe nicht aus, dass es im Laufe des Jahres zu Zinserhöhungen komme, die von gesunden - aber schmerzhaften - Volatilitätsspitzen bei Aktien unterbrochen würden.

Eine Steigerung von +40% beim EURO STOXX Europa hinke hinterher, erscheine im Vergleich zu +25% für den S&P als realistisch, denn der EURO STOXX sei von einem deutlich niedrigeren Niveau aus gestartet. Eine derartige Entwicklung sei jedoch kein Selbstläufer. Voraussetzung hierfür sei eine erfolgreiche Impfkampagne, die es der Eurozone erlaube, schneller zu wachsen, als sie es derzeit tue. Es sollte nicht vergessen werden, dass die Eurozone schon vor Corona strukturell weit zurückgelegen habe. Die Gewinne der Eurozone hätten sich bis in die Nullerjahre parallel zu den US-Gewinnen entwickelt, dann hätten sich die Kurven getrennt.

Aber hier gehe es nicht einfach um einen Sieg der USA über die EU. Wir haben es nicht nur mit einer geografischen Spezialisierung der Rentabilität zu tun, sondern mit einer sektoralen Spezialisierung, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Auch in den USA gebe es Verlierer, und zwar in fast allen Sektoren, aber auch Gewinner. Es würden lediglich zwei Sektoren profitieren: Technologie und Healthcare.

Die Botschaft laute: In der globalisierten und wettbewerbsorientierten Welt sei es sehr schwierig, Gewinne zu erwirtschaften, wenn man nicht an der Spitze stehe, sei es im technologischen oder medizinischen Bereich.

Alle anderen Aktivitäten, ganz gleich, ob sie dem Primär- oder Sekundärsektor angehören würden, seien vollkommen dem Wettbewerb ausgesetzt, wo die Rentabilität per Definition niedrig sei. Der Verbraucher profitiere letztendlich.

Sollte dies die Diagnose sein und die Sektoren mit dem höchsten Innovationsgrad vor allem in den USA liegen, könnten Gebiete wie Europa oder Japan Phasen teilweiser zyklischer Erholung erleben, vielleicht schon in diesem Jahr. Den strukturellen Trend würden sie indes nicht umkehren.

Das mäßig prozyklische Profil der Anlageentscheidungen werde bestätigt. Es spiegele die Erwartung auf eine Fortsetzung der makroökonomischen Erholung wider, berücksichtige aber auch eine eher zähe kurzfristige Bewegung der Aktienmärkte. Die Bildung der Draghi-Regierung biete eine Gelegenheit, Positionen auf dem BTP-Bundesanleihen-Spread zu erhöhen und den italienischen Aktienmarkt gegenüber dem EURO STOXX überzugewichten.

Beurteilung der Anlageklassen:

Staatsanleihen: Negative Beurteilung für die Duration von US-amerikanischen, deutschen und den Wertpapieren der Quasi-Core-Länder; neutrale Beurteilung für die Staatspapiere der Euro-Peripherieländer.

Anleihen-Spreads: Die Übergewichtung der Spread-Märkte werde bestätigt. Es gelte fortan die folgende Präferenz: 1. High Yield, 2. Schwellenländer, 3. Investment Grade.

Aktien: Die neutrale Beurteilung für Aktien werde angesichts einer kurzfristigen, eher schleppenden Bewegung bestätigt. In Bezug auf die geografische Allokation erhöhen wir unsere Positionierung auf Japan, reduzieren die USA und Übergewichten den italienischen Aktienmarkt gegenüber dem EURO STOXX, so die Experten von Eurizon Asset Management. Es gelte fortan die folgende Präferenz: 1. Schwellenländer mit Japan, 2. USA, 3. Europa und der Pazifik ohne Japan.

Währungen: Positive Beurteilung für die Währungen der Schwellenländer. (02.03.2021/alc/a/a)



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