Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In ihrem aktuellen KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer zu der Anleihe (ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS) mit variabler Verzinsung der Ferratum Capital Germany GmbH mit Laufzeit bis 2023 kommt die KFM Deutsche Mittelstand AG zu dem Ergebnis, die Anleihe weiterhin als "attraktiv" (4 von 5 möglichen Sternen) einzuschätzen.
Die Ferratum Capital Germany GmbH sei Anleihe-Emittentin und Teil der Ferratum Group. Als 100%ige Tochter der finnischen Ferratum Oyj übernehme sie Finanzierungs- und interne Dienstleistungs-Funktionen für die Gruppen-Gesellschaften.
Die Ferratum Group sei 2005 als Pionier für mobile, kurzlaufende Mikrokredite an Privatpersonen in Europa gestartet und biete seit 2016 auch Produkte mit längerer Laufzeit für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Privatpersonen an. Das Unternehmen habe seine Aktivitäten bis heute auf 23 Länder in Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum ausweiten können (Stand: 31.12.2019). Als einer der Wegbereiter der digitalen und mobilen Finanzdienstleistungs-Technologie sei Ferratum führend in ihrem Gebiet. Um diese Position auch in der Zukunft zu wahren, seien im Jahr 2019 11,5 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung investiert worden; dies entspreche 4,5% des Umsatzes.
Der Kreditprozess von Ferratum beruhe auf einem eigenentwickelten software-basierten Scoring-Modell, das die Kreditwürdigkeit des potenziellen Kunden bewerte; nach Unternehmensangaben sollten vom Kreditantrag bis zur Auszahlung lediglich 15 Minuten vergehen. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2005 sei Ferratum kontinuierlich, profitabel und schnell gewachsen: Das von Gründer Jorma Jokela geführte Unternehmen habe im Jahr 2019 etwa 740.000 Kunden mit einem mobilen Bankkonto oder einem aktiven Darlehen gehabt.
Das Geschäft sei in drei Segmente eingeteilt: Konsumentenkredite, Geschäftskredite und Mobiles Banking (Mobil App Wallet). Im größten Segment der Konsumentenkredite (89,3% des Umsatzes) werde differenziert zwischen "MicroLoans" (12,6% des Umsatzes), "PlusLoans" (22,4% des Umsatzes) und "Credit Limits" (54,3% des Umsatzes). Die einzelne Kreditgröße bewege sich hier zwischen 25 Euro (MicroLoans) und 5.000 Euro (PlusLoans). Der noch junge Bereich der Geschäftskredite ("SME Business") verzeichne 2019 einen Umsatzanteil von 9,5%. Hier würden Volumina bis zu 250.000 Euro an kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) mit Laufzeiten zwischen sechs und 24 Monaten ausgegeben. Das ebenfalls noch junge, aber aktuell defizitäre Mobil-Banking steuere zurzeit nur 1,2% des Umsatzes bei, habe dabei aber den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln können. Das Kreditangebot betrage hier zwischen 3.000 bis 20.000 Euro.
Der Gesamtumsatz der Gesellschaft habe sich für das Jahr 2019 auf 293,1 Mio. Euro belaufen (Vj: 262,1 Mio. Euro) und somit nach einem Plus von 18,3% im Vorjahr mit 11,8% erneut zweistellig gesteigert werden können. Das Wachstum resultiere im Wesentlichen aus den Produkten "Credit Limit" (+20%) und "SME Business" (+32%); der Geschäftsbereich "MicroLoan" sei zugunsten der zuvor genannten Segmente mit den nunmehr strategisch verfolgten längeren Laufzeiten planmäßig (-11%) zurückgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) habe um 21% auf 45,5 Mio. Euro (Vj: 37,8 Mio. Euro) gesteigert werden können. Die EBIT-Marge habe damit bei 15,5% nach 14,4% im Vorjahr gelegen. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) sei folglich ebenfalls angestiegen und habe mit 27,5 Mio. Euro ca. 23% über dem Vorjahreswert von 22,3 Mio. Euro gelegen.
Nachdem die Ferratum Group bei ihrem Börsengang 2015 ihr Eigenkapital um nahezu 50 Mio. Euro habe erhöhen können, sei das Eigenkapital durch die erfolgreichen vergangenen Geschäftsjahre auf nun 129,1 Mio. Euro zum 31.12.2019 gesteigert worden (Vj: 107,4 Mio. Euro). Die Ferratum Group weise damit Ende 2019 eine Eigenkapitalquote von 20,9% (Vj: 21,4%) aus. Die Eigenkapitalquote liegt unserer Meinung nach - trotz der wachstumsbedingt erhöhten Kapitalbindung und des Anstiegs der Bilanzsumme - weiterhin auf einem sehr soliden Niveau, so die KFM Deutsche Mittelstand AG. Die liquiden Mittel würden sich Ende 2019 auf 155,5 Mio. Euro nach 115,6 Mio. zum 01.01.2019 belaufen.
Im Zuge der Covid-19-Pandemie würden die computergesteuerten Kreditvergaben derzeit nach noch strengeren Vorgaben geführt. Umgekehrt möchte man auch Kunden davor bewahren, unverschuldet in eine Vorfälligkeits- oder Ausfallsituation zu geraten. Dies werde nach Meinung der KFM Deutsche Mittelstand AG unweigerlich die Umsatz- und Ergebniserwartung für 2020 dämpfen. Im ersten Quartal sei bereits ein Umsatzrückgang zu erkennen gewesen, welcher sich nach Einschätzung der KFM Deutsche Mittelstand AG noch einige Monate hinziehen könnte. Zudem sei im ersten Quartal als Risikovorsorge eine ergebniswirksame Rückstellung in Höhe von 7,8 Mio. Euro gebildet worden, die die erwartete Verschlechterung des Zahlungsverhaltens widerspiegele.
Dennoch sehe man die Ferratum Group für die Zukunft gut aufgestellt. Finanziell sei die Gruppe mit hohen Cashreserven (213 Mio. Euro zum 31.03.2020), dank weiterer Einlagensteigerung (318 Mio. Euro zum 31.03.2020) und nach Einschätzung der KFM Deutsche Mittelstand AG sehr solidem Eigenkapital ausgestattet. Bis Mai 2022 stünden zudem keine hohen Fälligkeiten an, eine 2020 fällige Anleihe mit einem Volumen in Höhe von 40 Mio. Euro sei im 1. Quartal fristgerecht zurückgezahlt worden. Strategisch trifft Ferratum den Zahn der Zeit, da sich unserer Meinung nach durch die Pandemie die Finanzdienstleistung schneller in das digitale Zeitalter bewegt, so die KFM Deutsche Mittelstand AG.
Im Zentrum dieser Unternehmensstrategie stehe die Erweiterung der "mobile Wallet" App, die nach der Testphase in Finnland und Lettland in diesem Jahr europaweit ausgerollt werden solle. Sie solle durch die Zusammenführung mit dem Kreditgeschäft allen Kunden die Möglichkeit bieten, ganzheitlich Bankgeschäfte digital zu tätigen.
Die im April 2019 emittierte Mittelstandsanleihe der Ferratum Capital Germany GmbH sei variabel mit dem 3-Monats-Euribor plus 5,50% p.a. verzinst. Notiere der 3-Monats-Euribor wie aktuell negativ, so werde dieser mit 0,00% angesetzt. Das bedeute auf aktueller Basis einen Zinskupon von 5,50% p.a. Die Zinszahlungs- und Zinsanpassungstermine seien vierteljährlich am 24.01., 24.04., 24.07. und 24.10. Die Anleihe sei endfällig am 24.04.2023. Im Rahmen der Emission seien 80 Mio. Euro mit einer Stückelung von 1.000 Euro zu einem Emissionspreis von 97% des Nennwerts platziert worden. Die Emittentin habe die Möglichkeit, die Anleihe bis auf 150 Mio. Euro aufzustocken. Vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten der Anleihe nach Wahl der Emittentin seien in den Anleihebedingungen ab dem 24.04.2022 zu 101% und ab dem 24.10.2022 zu 100,50% des Nennwerts vorgesehen. Die Anleihegläubiger seien durch eine unwiderrufliche Garantie der Muttergesellschaft Ferratum Oyj abgesichert. Darüber hinaus sei die Anleihe unter anderem mit einer Ausschüttungsbeschränkung und einer Transparenzverpflichtung ausgestattet.
Zusammenfassend lautet unsere Einschätzung wie folgt: Aufgrund der bisherigen unverändert hohen Ertragskraft der letzten Jahre und der ungeminderten Attraktivität des Geschäftsmodells der Ferratum-Gruppe sowie der zusätzlichen Zins- und Rückzahlungsgarantie der Muttergesellschaft in Verbindung mit der Rendite von 12,88% p.a. (auf Basis des Kurses von 80,00% an der Börse Frankfurt am 21.08.2020 bei Berechnung bis zum Ende der Laufzeit am 24.04.2023) bewerten wir die Anleihe der Ferratum Capital Germany GmbH mit Laufzeit bis 2023 (ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS) weiterhin als "attraktiv" (4 von 5 möglichen Sternen); dabei berücksichtigen wir den Covid-19-Pandemie-Effekt als Ereignis vorübergehender Natur, mit einem vermuteten Rückgang der Umsätze und des Ergebnisses für das Jahr 2020, so die KFM Deutsche Mittelstand AG. (12.08.2020/alc/n/a)
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