Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die dramatische Marktentwicklung im März hatte viele Marktteilnehmer zu einer Flucht in Liquidität veranlasst, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management.
Vorübergehend sei es zu einem gleichzeitigen Kursrückgang sowohl bei Risikoanlagen, als auch bei den vermeintlich "sicheren Häfen" der Staatsanleihen gekommen. Für viele Anlegerportfolios habe das zur Folge gehabt, dass in der Phase der größten Unsicherheit die klassische Diversifikation zwischen qualitativ hochwertigen Anleihen und Aktien nicht mehr funktioniert habe. Die expansiven Maßnahmen der Zentralbanken hätten geholfen, die Liquiditätssorgen der Marktteilnehmer zu reduzieren, und zu fallenden Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen geführt, sodass eine breite Diversifikation der Anlagen wieder besser funktionieren sollte.
Doch eine gravierende Folge der Zentralbankintervention sei der dramatische Rückgang der Renditen für US-Treasuries gewesen. Wie ein Großteil der Staatsanleihen aus Industrieländern würden auch diese nun mit negativen realen Renditen notieren. Das bedeute aber auch, dass Anleger nach Abzug der Inflation damit quasi für den Portfolioschutz bezahlen müssten, den diese Anleihen bieten würden.
Im Rahmen des langfristigen Kapitalmarktausblicks (Long-Term Capital Market Assumptions - kurz LTCMA), für den J.P. Morgan Asset Management einen Blick über einen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren in die Zukunft werfe, hätten die Experten analysiert, wie Portfolios konzipiert sein könnten, um dem Anlegerbedürfnis nach "sicheren Anlagehäfen" zu entsprechen.
"Die effiziente Optimierung der Risikoabsicherung sollte die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie die Optimierung der Erträge - das haben die Ereignisse in den letzten Wochen rund um COVID-19 einmal mehr gezeigt", betone Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. So sollten Anleger bei der Absicherung und Stärkung ihrer Portfolios mehr Anlageklassen in die Auswahl einbeziehen, als sie bisher vielleicht für relevant erachtet hätten. "Die Allokation wird sich je nach Anlegerbedürfnis unterscheiden, aber ein Blick über den Tellerrand ist dringlicher den je", erkläre Galler.
So könnten nach Ansicht der Experten von J.P. Morgan Asset Management Anleihen weiterhin zur Diversifikation beitragen, da langfristig ein bescheidenes Wachstum und eine geringe Inflation vorerst niedrige Zinsen erwarten lassen würden. Anleger müssten sich aber dessen bewusst sein, dass viele Anleihen mittlerweile nur noch einen Diversifizierungseffekt zur Absicherung und keine realen Erträge mehr bieten würden.
Auch der US-Dollar zähle weiterhin zu den "sicheren Häfen": "Der US-Dollar ist äußerst liquide und korreliert in schwierigen Marktphasen in der Regel negativ mit Risikoanlagen", sage Tilmann Galler. In Zukunft könnte er jedoch weniger gewinnbringend sein: "Nach Jahren der Aufwertung ist der Greenback nach dem Konzept der Kaufkraftparitäten eine der teuersten Währungen der Welt. Die Unterstützung durch das hohe Zinsdifferential ist aufgrund der Zinssenkungen der FED auch weniger geworden. In unseren langfristigen Schätzungen rechnen wir deshalb mit einer deutlichen Abwertung des US-Dollar", erläutere Galler.
Gold habe in verschiedenen Konjunktur- und Marktszenarien für Stabilität gesorgt. "Die Attraktivität von Gold als "sicherer Hafen" könnte wie in der Corona-Krise weiter zunehmen, da die niedrigen Renditen die Opportunitätskosten des Goldinvestments senken. Sollte sich eine anhaltenden Geldfinanzierung der Staatsausgaben durchsetzen, wäre der Status des US-Dollar als Wertspeicher geschwächt", sage der Stratege.
Immobilien aus dem Core-Segment könnten nach Darstellung der Experten stabile, hochwertige Ertragsströme bieten, die ihre mangelnde Liquidität deutlich wettmachen würden. Darüber hinaus würden sie eine relativ geringe, wenn auch positive Korrelation mit Aktien sowie eine schwächere Volatilität aufweisen.
Infrastruktur habe ähnliche Merkmale eines "sicheren Hafens" wie Immobilien und darüber hinaus einen vielversprechenden Ausblick angesichts der Nachfrage nach grünen Projekten. (29.05.2020/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de