Hannover (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft kämpft mit den Belastungen durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und ist damit nun eindeutig in der Krise angekommen, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.
Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich bereits deutlich eingetrübt. Auch die Zahlen zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im März würden sich sehr schwach präsentieren. Dabei hätten am aktuellen Rand erwartungsgemäß vor allem unerfreuliche Automobilabsatzzahlen und der gesunkene Benzinpreis belastet. Die Angaben zur Entwicklung der Kontrollgruppe der Einzelhandelsumsätze hätten dagegen mit einem Anstieg überraschen können. Das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal sollte sich dennoch nicht im positiven Terrain halten können. Eine noch deutlichere Schwäche werde sich dann im 2. Quartal zeigen. Vor allem der April dürfte zu einem regelrechten Krisenmonat werden. Ab Mai sollten immer mehr Bundesstaaten den Lockdown aber lockern, was sich dann auch langsam in den makroökonomischen Daten zeigen dürfte.
Der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) notiere nun wieder unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 1,10 USD pro EUR. Die zwischenzeitlich schon relevanten Sorgen um eine internationale Knappheit der Währung der USA seien zuletzt zwar eindeutig in den Hintergrund getreten und der Devisenmarkt habe zudem ohne jeden Zweifel zur Kenntnis genommen, dass die US-Wirtschaft von der Krise hart getroffen worden sei. Auch die Bereitschaft des FOMC, mit aller Kraft gegen die ökonomischen Belastungen zu kämpfen, die sich aus dem Herunterfahren der Aktivität in den Vereinigten Staaten ergeben würden, sei zunächst per se sicherlich ein belastender Faktor für die Währung der USA gewesen. Die nun in immer mehr Bundesstaaten beschlossenen Maßnahmen zur Öffnung der Ökonomie des Landes sprächen nach Auffassung einer steigenden Zahl von Marktteilnehmer mittlerweile klar für den US-Dollar.
Dieses Szenario habe zuletzt klar an Bedeutung für das Sentiment im FX-Segment gewonnen und die Währung der USA gestützt. Nun müsse allerdings zunehmend auch der niedrige Ölpreis im Auge behalten werden. Die USA seien bekanntlich ein Exportland des schwarzen Goldes geworden und die Fracking-Industrie leide unter dem stark gesunkenen Preis für Öl, was auch Implikationen für die US-Banken haben könne. In diesem Umfeld sollte man vielleicht auch nicht zu optimistisch auf die US-Wirtschaft und den Dollar blicken. Die Währung der USA bleibe zwar eher eine "Low-Beta-Currency" - und sei sicherlich keine klassische "Commodity-Currency" - vor allem die Risikomanager unter den Devisenhändlern müssten die Rohstoffmärkte aber in den kommenden Monaten noch genauer im Fokus behalten. (Ausgabe Mai 2020) (27.04.2020/alc/a/a)
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