Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Kapitalmarktrenditen im Euroraum fielen in den vergangenen Wochen auf neue historische Tiefstände, so die Experten der Alte Leipziger Trust in ihrem aktuellen "INVEST-REPORT".
Neben eingetrübten Konjunkturaussichten, einer niedrigen Inflation und Belastungen durch die immer wieder genannten politischen Themen - etwa Handelsstreit, Brexit oder Irankonflikt - habe hierfür insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich gezeichnet, die durch eine Anpassung ihrer Forward Guidance und dovishe Äußerungen Erwartungen bezüglich einer wieder expansiveren Geldpolitik im Euroraum befeuert habe. 10-jährige Bundesanleihen hätten zuletzt mit nahezu -0,40% und damit so niedrig wie nie zuvor rentiert. Ihr historisches Tief aus dem Juli 2016, das bis vor kurzem über mehrere Jahre Bestand gehabt habe, würden sie damit aktuell um fast 20 Basispunkte unterbieten.
Auch die Anleihen der meisten anderen EU-Länder hätten zuletzt neue Renditetiefs erreicht. 10-jährige französische Staatsanleihen hätten erstmals eine negative Rendite aufgewiesen. Wie schon vor einem halben Jahr entgehe Italien einem EU-Defizitverfahren. Die EU-Kommission habe beschlossen, das vor einem Monat angedrohte Verfahren vorerst doch nicht einzuleiten.
EU-Währungskommissar Pierre Moscovici habe darauf verwiesen, dass die Regierung in Rom, wie von seiner Behörde gefordert, zusätzliche Sparmaßnahmen zugesagt habe. Hierdurch und aufgrund der Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, der die Möglichkeit einer Wiederbelebung des Nettoanleiheankaufprogamms ins Spiel gebracht habe, seien die Renditen auch für italienische Anleihen massiv zurückgegangen.
Selbst Griechenland, das nach wie vor viel zu hoch verschuldet sei, zahle inzwischen auf neu emittierte Staatsanleihen so wenig Zinsen wie noch nie. Auch die USA hätten sich angesichts massiv rückläufiger Leitzinserwartungen dem Trend zu sinkenden Renditen nicht entziehen können. Allerdings würden 10-jährige Staatspapiere dort mit aktuell 2,02% immer noch deutlich oberhalb des Mitte 2016 erreichten historischen Tiefs von 1,32% rentieren. Der geldpolitische Kurswechsel und die makroökonomischen Rahmenbedingungen würden kaum Potenzial für höhere Renditen im Euroraum in diesem Jahr bieten. Vielmehr dürfte die anhaltend expansive Geldpolitik der EZB die Kurse von Anleihen weiter stützen. (Ausgabe Juli 2019) (09.07.2019/alc/a/a)
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