Wie weit steigen die Leitzinsen in den USA?


08.12.22 11:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - James ("Jim") Bullard, Präsident der Federal Reserve Bank of Saint Louis, ist der Meinung, bei den vorliegenden Daten zum Konjunkturverlauf könnten die Leitzinsen in den USA noch in den Bereich 5% bis eventuell 7% steigen, um genügend Druck auszuüben, dass die hartnäckige Inflation wieder fällt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Diese Geldpolitik müssten sich in 2023 fortsetzen. Die Leitzinsen könnte durchaus bis 2024 noch im Bereich 5 bis 7% bleiben.

Der Arbeitsmarkt hänge ab von dem niedrigen zu erwartenden BIP-Wachstum. Die Geldpolitik müsse sich in quantitativen Restriktionen auswirken mit einer Einschränkung der FED-Bilanz, mit einer Inversion der Renditenstruktur und einer Beruhigung des Immobilienmarktes. Eine besondere Beeinträchtigung der Liquiditätskonditionen sehe die Zentralbank nicht.

Dies werde abgeleitet aus dem sogenannten Stress Index. Er sei in 2010 und 2020 besonders gefährlich gestiegen. Zwar gebe es keine besonderen Definitionen für Financial Market Stress, aber historisch hätten solche Perioden eine hohe Volatilität von Vermögenspreisen, reduzierte Konditionen von Marktliquidität oder stärkere Veränderungen der Zinsspreads gezeigt. Der Index werde berechnet aus 18 wichtigen Indikatoren der Finanzmärkte - sieben Zinssätze, sechs Zinsspreads und fünf andere Indikatoren.

In die Berechnungen würden eingehen: die Konsumentenpreise (+7,8% im Oktober gegenüber Vorjahr), die Arbeitslosenquote (2,7% im November), die Zehn-Jahres Renditen (3,53% am 1. Dezember 2022), das reale BIP Quartalswachstum (anualisiert +2,9% in Q3/22), im Index der Industrieproduktion (-0,1% im Oktober), der Zahl der Beschäftigten (+263.000 Personen im November 2022) sowie weiteren Raten. Solch konzentrierte Betrachtungen von Statistiken mögen in der Eurozone unüblich sein, sie würden aber den für die USA zu erwartenden Trend der Geldmärkte zeigen. Dieser wiederum beeinflusse den Kurs des US-Dollar an den Devisenmärkten und habe damit Auswirkungen auf die europäischen Importpreise FED Funds Rate von 5% in den USA sehr wahrscheinlich. Und in der Eurozone?

In den achtziger und neunziger Jahren hätten Marktanalysten in Europa häufig eine "Faustformel" benutzt. Danach erzeuge ein Anstieg der Rohstoff- und Importpreise um 10% ein Jahr später eine Erhöhung der Verbraucherpreise um ein Prozent. Da sämtliche Preise, die der Ebene der Konsumenten zeitlich vorauseilen würden, gegenwärtig erheblich höher steigen würden als die Verbraucherpreise, müssten die Inflationsgefahren von der Zentralbank weiter ernst genommen werden. Ein noch im Dezember zu erwartender weiterer Schritt der FED werde mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Erhöhung der Leitzinsen in der Eurozone begleitet.

Mit weiteren Erhöhungen der Leitzinsen muss auf beiden Seiten des Atlantiks bald gerechnet werden, so Dr. Eberhardt Unger. (Ausgabe vom 07.12.2022) (08.12.2022/alc/a/a)