Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: Warten auf EZB und FED


27.01.23 09:49
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei den Staatsanleiherenditen hat sich in den vergangenen Tagen nicht allzu viel getan, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Die zehnjährigen Bundrenditen seien tendenziell gestiegen und lägen jetzt bei 2,16%, die entsprechenden T-Notes seien renditeseitig per Saldo ebenfalls leicht nach oben auf 3,45% gegangen. Die Anleger scheinen sich in Wartestellung zu befinden, da in der kommenden Woche die US-Notenbank FED und die EZB tagen werden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Dabei sei den meisten Marktteilnehmern bereits klar, was am 01.02. (FED) und am 02.02. (EZB) beschlossen werde: Die Amerikanische Zentralbank werde ihren Leitzins voraussichtlich um 25 BP auf 4,75% (oberes Band) anheben, die EZB um 50 BP auf 3,0% (Hauptrefinanzierungssatz).

Entscheidend werde der Ausblick sein. Von der FED sei zu erwarten, dass sie ein baldiges Ende der Leitzinserhöhungen in Aussicht stelle, was mit der Erwartung der Terminmärkte übereinstimme, die auf eine weitere Zinserhöhung um 25 BP am 22. März hindeute und damit bereits die "Terminal Rate" antizipiere.

Die EZB hingegen habe durch mehrere Wortmeldungen in den vergangenen Wochen signalisiert, dass sie noch ein ganzes Stück auf dem geldpolitischen Straffungsweg gehen werde. Zwei Zinserhöhungen um jeweils 50 BP scheinen bereits ausgemachte Sache zu sein, wenn man die Äußerungen der Notenbankpräsidentin Christine Lagarde, des Bundesbankchefs Joachim Nagels und des Chefs der niederländischen Zentralbank Klaas Knot richtig interpretiert, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Für die Zeit danach schließe keine dieser Personen weitere Zinserhöhungen aus. Ratsmitglied Fabio Panetta habe hingegen davor gewarnt, sich jetzt schon festzulegen, wie die nächsten Schritte aussehen sollten.

Viel werde natürlich davon abhängen, wie sich die Inflation entwickele. Laut Jahreswirtschaftsbericht des deutschen Wirtschaftsministeriums werde diese in Deutschland nicht ganz so hoch ausfallen wie bislang erwartet, bleibe aber mit durchschnittlich 6,0% immer noch deutlich über dem Inflationsziel der EZB. Die wichtigste Botschaft sei aber gewesen, dass sich der Konjunkturausblick verbessert habe. Wirtschaftsminister Robert Habeck erwarte nunmehr ein Wirtschaftswachstum von 0,2%, zuvor sei das Ministerium noch von -0,4% ausgegangen. Dazu passe auch der Anstieg des ifo-Index, der den vierten Monat in Folge einen höheren Wert gezeigt habe.

Nächste Woche werde der IWF sein Update zum Global Economic Outlook vorstellen (31.01.) und voraussichtlich seine Prognosen anheben. In Frankreich werde nächste Woche gegen die geplante Pensionsreform gestreikt, die eine Anhebung des generellen Renteneintrittalters von 62 auf 64 vorsehe. Außerdem trete Ende nächster Woche (05.02.) das EU-Embargo für russische Ölprodukte in Kraft. Das könnte an den Tankstellen zu spüren sein, vor allem beim Diesel, und sich letztlich in der Inflationsrate bemerkbar machen. Präsident Putin habe außerdem angekündigt, dass Russland ab Anfang Februar alle Länder von Ölexporten abschneide, die sich an der G7-Vereinbarung einer Ölpreisobergrenze beteiligen würden. An den Ölmärkten könnte es vor diesem Hintergrund etwas volatiler zugehen.

Datenseitig gehe es nächste Woche vor allem um die Inflationsdaten aus der Eurozone (01.02.) sowie die Arbeitsmarktdaten aus den USA (03.02.). Es erscheinen außerdem noch die PMI-Indikatoren unter anderem für Italien und Spanien, nachdem die Schnellschätzungen für Deutschland und Frankreich und die Eurozone bereits veröffentlicht wurden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Für die USA seien außerdem die ISM-Indices zu beachten (Verarbeitendes Gewerbe am 01.02. und Dienstleistungen am 03.02.). Heute Nachmittag werde das BIP für die USA (Q4) veröffentlicht. Unser GDPNow-Modell geht von 3,6% Wachstum aus (QoQ, annualisiert), wobei insbesondere der Wohnimmobiliensektor weiter zurückgehen (-16,5%) und die Exporte von Dienstleistungen steigen sollen (16%), so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. (Ausgabe vom 26.01.2023) (27.01.2023/alc/a/a)