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Europa mischt den Anleihemarkt auf


16.06.21 15:09
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der Ausgabe von Social Bonds zur Finanzierung von europäischen Arbeitslosenhilfen (SURE) legt die EU-Kommission - stellvertretend für die Europäische Union - nach, so Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Mitglied des Union Investment Committee, Union Investment.

Am Dienstag nehme sie erstmals Geld zur Finanzierung des Krisenhilfepakets "Next Generation EU" (NGEU) am Markt auf. Die NGEU-Bonds würden sich an institutionelle Investoren, aber auch an Privatanleger richten - Europa rücke am Kapitalmarkt näher an seine Bürgerinnen und Bürger heran. Bald sollten auch kurzlaufende Anleihen (T-Bills) und grüne Anleihen folgen.

Die Gemeinschaft mische damit den europäischen Anleihenmarkt kräftig auf und werde zum fünftgrößten Emittenten hinter Spanien. Bis 2026 wolle die Kommission für NGEU rund 800 Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln, um Krisenhilfen für einzelne EU-Länder zu finanzieren und die europäische Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Nebenbei werde die EU damit auch zur größten Green-Bond-Emittentin der Welt und untermauere ihren Anspruch der nachhaltigen Transformation der Finanzmärkte. Voraussichtlich ab September sollten rund 250 Milliarden Euro des geplanten Finanzierungsvolumens über grüne Anleihen aufgenommen werden und zweckgebunden in Klimaschutzprojekte fließen.

Bisher habe die EU allein zur Finanzierung des Arbeitslosenhilfe-Programms SURE 89 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen, bis Ende 2021 dürften sich die ausstehenden SURE-Bonds auf rund 94 Milliarden Euro summieren. Wegen ihrer nachhaltigen Eigenschaft als Social Bonds seien die SURE-Anleihen unter Investoren auf sehr starkes Interesse gestoßen. Die ersten NGEU-Anleihen würden als herkömmliche Anleihen begeben und nicht als grüne Anleihen, da die Erstellung des Rahmenwerks noch nicht abgeschlossen sei. Da bei den heute neu aufgelegten Anleihen die nachhaltige Komponente noch fehle, könnte von einigen Anlegern eine leicht höhere Neuemissionsprämie verlangt werden. Die Nachfrage sei dennoch beachtlich. Die Konsortialführer hätten für die neue zehnjährige Anleihe im Volumen von maximal 20 Milliarden Euro kurz vor Schließung des Orderbuchs eine Nachfrage von über 107 Milliarden Euro gemeldet. Das unterstreiche die Attraktivität der EU als sicherer Hafen am Kapitalmarkt.

Die Experten würden künftig von einer hohen Liquidität der NGEU-Anleihen ausgehen, da die Emissionsvolumina deutlich größer sein würden als die bisherigen SURE-Anleihen der EU. Auch wenn es sich um eine zeitlich begrenzte Schuldenaufnahme handle: Die EU-Kommission mausere sich damit langsam zum europäischen Schuldenmanager. Die Experten würden die Transparenz bezüglich der Emissionsdaten und Emissionsvolumen sowie der Laufzeiten begrüßen, denn dies helfe Investoren, sich vorzubereiten. Insbesondere die Tatsache, dass künftig Anleihen auch im Rahmen von Auktionen an den Markt kämen und nicht nur über Bankensyndikate, zeige, dass Europa in Kapitalmarktfragen enger zusammenrücke.

Für Investoren seien die mit der höchsten Kreditwürdigkeit eingestuften NGEU-Anleihen eine Alternative zu Bundesanleihen, da sie bei gleicher Laufzeit einen Renditeaufschlag böten. (Ausgabe vom 15.06.2021) (16.06.2021/alc/a/a)