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Drohende Inflation: Setzen Sie jetzt auf Unternehmen mit Preismacht


20.10.21 11:51
AB

München (www.anleihencheck.de) - Wie die jüngste Berichtssaison gezeigt hat, macht sich derzeit ein steigender Inflationsdruck bemerkbar, so die Experten von AllianceBernstein (AB).

Für Anleger stelle sich deshalb die Frage, welche Unternehmen in der Lage seien, die hieraus entstehenden Kosten weiterzugeben und so ihre Gewinnspannen zu schützen.

Die Inflation sei aktuell eines der wichtigsten Themen für Anleger. Handele es sich um einen dauerhaften Preisanstieg oder werde der Inflationsdruck mit einer Normalisierung der Lieferketten wieder abnehmen?

Nach Ansicht der Experten würden die Informationen aus den jüngsten Gewinnmitteilungen auf eine anhaltende Inflation hindeuten, die sich zumindest in den kommenden Quartalen noch fortsetzen werde. Im Rahmen der Berichterstattung zum zweiten Quartal 2021 hätten rund die Hälfte aller Unternehmen im S&P 500 auf einen gestiegenen Kostendruck verwiesen - dies sei der höchste Wert der letzten zehn Jahre.

Die Anzahl an Erörterungen zum Thema Inflation im Rahmen von Gewinnmitteilungen US-amerikanischer Unternehmen habe sich gegenüber dem vergangenen Jahr um fast 200 Prozent und im Vergleich zu 2019 vor Ausbruch der Pandemie um 73 Prozent erhöht. Viele Unternehmen hätten diesem Inflationsdruck bisher durch ein solides Umsatzwachstum und die Vermeidung von Kosten standhalten können. Angesichts der Normalisierung des BIP-Wachstums sowie nun nicht länger vermeidbarer Geschäftsausgaben könnte die Inflation jedoch künftige Gewinne schmälern.

Nach Einschätzung der Experten seien Technologieunternehmen mit omnipräsentem Programm- oder Serviceangebot in einer vorteilhaften Position, wenn es um Preissteigerungen gehe. So müssten etwa Zahlungsabwickler und Softwareanbieter, die ihre Tarife in letzter Zeit nicht erhöht hätten, bei Preisanpassungen kaum mit Gegenwind rechnen. Rund 75 Prozent aller Kredit- und Debitkartenzahlungen würden über die beiden weltweit bedeutendsten, als Technologieunternehmen klassifizierten Anbieter Visa und Mastercard abgewickelt - Tendenz steigend. Beide Anbieter hätten während der Pandemie auf Preiserhöhungen verzichtet. Für das Jahr 2022 seien jedoch bereits entsprechende Anpassungen angekündigt worden.

Ein zweiter Bereich mit dem Potenzial für Preissteigerungen sei die Transportbranche. Die durch die Lockdowns während der Pandemie unterbrochenen Lieferketten stünden derzeit vor der Herausforderung, eine steigende Nachfrage zu befriedigen. Die Häfen seien mit Containern überlastet und die Zahl an Lkw-Fahrern reiche nicht aus, um den vorhandenen Bedarf zu decken. Einige Transportunternehmen würden für sogenannte Premiumfracht drei- bis viermal höhere Preise als noch vor einem Jahr berechnen. Andere Spediteure würden Festpreisverträge kündigen, weil es ihnen der Markt erlaube, höhere Tarife anzusetzen. Ein großer Einzelhändler sei wegen der gestiegenen Kosten und Verzögerungen bei den Lieferketten bereits dazu übergegangen, Schiffe und Container direkt zu mieten, um seine Waren ohne Umweg über externe Frachtführer auf den Markt zu bringen.

Auf der anderen Seite gebe es auch Firmen, deren Umsätze unter Preiserhöhungen leiden könnten. Um nachteilige Entscheidungen in einem inflationären Umfeld zu vermeiden, sollten Anleger nicht nur die Gewinner dieser aktuellen Entwicklung kennen. Die Frage danach, welche Unternehmen zurückbleiben würden, sei möglicherweise genauso wichtig.

Die Fähigkeit zur Einschätzung der Preismacht eines Unternehmens - sei es aufgrund von Wettbewerbsvorteilen, einem herausragenden Angebot und Kundenerlebnis oder Kapazitätsengpässen - sei in den Augen der AB Experten James T. Tierney und Dev Chakrabarti maßgeblich für die Entwicklung fester Überzeugungen in Bezug auf bestimmte Aktien. (20.10.2021/alc/a/a)