Anleihen: Kommen jetzt Inflation und Zinsanstieg?


07.05.21 17:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Debatte über steigende Zinsen in den USA bricht nicht ab, so die Deutsche Börse AG.

Diese Woche habe eine Äußerung von Janet Yellen, der US-Finanzministerin und ehemaligen US-Notenbankchefin, für deutliche Unruhe gesorgt: Es könne durchaus sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssten, damit die Wirtschaft nicht überhitze, habe Yellen bei einer Online-Veranstaltung erklärt. Die Kurse von Staatsanleihen hätten kräftig nachgegeben, die Rendite sei gestiegen - auch hierzulande.

Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen habe minus 0,16 Prozent erreicht. "Das war so viel wie seit 2019 nicht mehr", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Zwar sei Yellen nach den deutlichen Marktreaktionen zurückgerudert. "Doch der Geist ist aus der Flasche."

Aktuell rentiere die zehnjährige Bundesanleihe wieder bei minus 0,22 Prozent. "Nach dem jüngsten Rückgang dürfte die Rendite nächste Woche aber wieder die Marke von minus 0,2 Prozent testen", meine Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Denn die Diskussion über einen Zinsanstieg in den USA rücke zunehmend in den Fokus. "Das macht zusammen mit höheren Inflationszahlen die Luft für Bundesanleihen und Treasuries dünner."

Dass Griechenland (ISIN GR0114032577) einmal Staatsanleihen mit Nullprozent-Kupon - wenn auch zu einem Ausgabekurs unter 100 Prozent - emittieren könnte, hätte vor einigen Jahren niemand geglaubt. Doch genau das sei dem Land diese Woche gelungen. "Die Nachfrage nach der neuen fünfjährigen Anleihe war richtig hoch", erkläre Brunner. Für die letzte fünfjährige Anleihe, begeben im Februar 2019, habe sich der Kupon noch auf 3,45 Prozent belaufen. Die Ausgaberendite des neuen Bonds habe nach Angaben des Finanzministeriums bei 0,2 Prozent gelegen.

Im Geschäft mit Corporate Bonds seien diese Woche Lufthansa-Anleihen gefragt, etwa die Hybridanleihe mit Fälligkeit 2075 (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) und das bis 2024 laufende Papier mit Kupon von 0,25 Prozent (ISIN XS2049726990 / WKN A2YNV6), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank melde. "Hintergrund ist, dass die Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung zugestimmt hat." Zudem hätten Anleger VW-Anleihen mit Minusrendite (ISIN XS1167644407 / WKN A1ZUTN) in solche mit positiver Rendite (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) getauscht. Sehr viel sei dem Händler zufolge weiter in der Ekosem Agrar-Anleihe umgegangen.

Sowohl Bonds von Singulus Technologies als auch Eyemaxx Real Estate (ISIN DE000A2GSSP3 / WKN A2GSSP; ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ; ISIN DE000A289PZ4 / WKN A289PZ) würden diese Woche von Beschlüssen der Gläubigerversammlungen profitieren, wie Karim Döring von Oddo BHF erkläre. "Die Laufzeit der Singulus-Anleihe wurde um fünf Jahre verlängert, die Verzinsung liegt jetzt bei 4,5 Prozent, die Rückzahlung wurde auf 105 Prozent erhöht." Im Fall von Eyemaxx seien die wichtigsten Änderungspunkte Sonderkündigungsrechte der Anleihegläubiger beim Unterschreiten bestimmter Eigenkapitalgrenzen gewesen.

Mittlerweile gut nachgefragt werde die seit Ende letzter Woche handelbare, bis 2026 laufende Anleihe (ISIN DE000A3H3JC5 / WKN A3H3JC) von Zeitfracht Logistik mit Kupon von 5 Prozent. "Der Deutsche Mittelstandsanleihenfonds hat die neue Anleihe ins Fondsportfolio aufgenommen", berichte Brunner.

Der Deutsche Mittelstandsanleihenfonds setze auf Schuldverschreibungen deutscher mittelständischer Unternehmen. Die müssten von einer Ratingagentur mit "Investment Grade" beurteilt sein oder den Zugangsvoraussetzungen eines Mittelstandssegments entsprechen, etwa den des Entry Standard der Börse Frankfurt. Seit Jahresanfang komme der Fonds Morningstar zufolge auf eine Rendite von 4 Prozent, in den letzten fünf Jahren seien es 3,4 Prozent im Jahr gewesen. Fondsschwergewichte seien derzeit Anleihen von R-Logitech, Metalcorp Group, Douglas, Securo Pro und Ekosem-Agrar.

Auf reges Käuferinteresse würden laut Brunner weiter Anleihen des Immobilienentwicklers UBM Development und der Beteiligungsgesellschaft Mutares stoßen. Die bis 2024 laufende Anleihe von Mutares mit Kupon von 6 Prozent werde mittlerweile zu 103,76 Prozent gehandelt. (07.05.2021/alc/a/a)





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