Die USA führen den Rückgang der Inflation an


21.11.22 11:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - In den USA ist ein erster Wendepunkt bei der Inflation zuerkennen und das sorgt für Zuversicht auch hier in Europa, sagt Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management.

Ein kleiner Inflationsrückgang markiere noch keinen Trend, trotzdem könne er bei Waren und Dienstleistungen insgesamt bereits beobachtet werden.

In seinem aktuellen Letter from the CIO erkläre Melman, warum man eine Inflationsentspannung erwarten könne und wie sich das auf die aktuellen Aktien-und Anleihenmärkte auswirke.

Aktuell würden Aktien- und Anleihemärkte wieder zulegen. Dabei sei die Frage nach der Umkehr der amerikanischen Inflation am wichtigsten. Im Hinblick auf eine Normalisierung der Rohstoffpreise, Frachtkosten und die Wiederherstellung von Lieferketten sei ein Rückgang der Preissteigerungen für Waren die logische Folge. Und angesichts rückläufiger Immobilienpreise und stagnierender Mieten für Neuverträge könne man im zweiten Halbjahr auch auf einen entspannteren Mietpreisindex hoffen.

Solange die Gehälter der Angestellten aber weiter um 5 Prozent steigen würden, werde es für die Inflation tendenziell jedoch eher schwierig, wieder auf Werte unter 4 Prozent zu sinken. Denn der Arbeitsmarkt bleibe sehr angespannt. Somit könne die FED in der aktuellen Situation zwar nicht nachlässig werden, aber eine Rückkehr der Inflation auf angemessenere Niveaus würde die Situation zumindest für den Moment verändern.

Für Melman würde sich somit die Volatilität auf den Anleihenmärkten beruhigen sowie das ständige Anheben des amerikanischen Leitzinses seitens der FED ein Ende haben.

Tatsächlich hätten sich die Aktienmärkte schon wieder gut erholt und angesichts einer verlangsamten Weltwirtschaft und schrumpfender Margen der Unternehmen sei auch das Rezessionsrisiko noch nicht gebannt. Derzeit würden die Aktienmärkte also nur einen eingeschränkten Ausblick bieten, allerdings wolle Melman eine Fortsetzung der guten Stimmung an den Aktienmärkten bis zum Jahresende auch nicht ausschließen, insbesondere dann nicht, wenn die Zeichen einer zurückgehenden Inflation weiter anhalten würden.

Das Investment-Team von Edmond de Rothschild Asset Management hebe die Gewichtung ihrer Aktienengagements schrittweise wieder in Richtung Neutralität. Der aktuelle Kontext veranlasse die Experten dazu, diese Positionen ein weniger länger zu halten, ohne dabei den taktischen Aspekt aufzugeben. Zudem würden die Engagements in Schwellenländer-Anleihen wieder hochgefahren. Diese dürften ebenso von der möglichen Zinswende in den USA und einer Stabilisierung des US-Dollar profitieren wie von einer Lockerung der Null-Covid-Politik in China. (21.11.2022/alc/m/a)