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Zinsmärkte stellen sich nach Bankenturbulenzen auf Rezession ein


04.04.23 09:15
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.anleihencheck.de) - Marian Heller, CFA, Senior Portfoliomanager von BKC Asset Management, kommentiert die aktuellen Entwicklungen an den Zinsmärkten.

Die aktuellen Verwerfungen im Bankensektor hätten die Erwartungen an die künftige Geldpolitik radikal verändert. Während die Terminbörsen den amerikanischen Leitzins zum Dezember 2023 vor wenigen Wochen noch auf 5,5% gepreist hätten, sähen sie die FED Funds Rate inzwischen bis zum Jahresende auf knapp über 4% zurückfallen. Auch für die Eurozone seien zwischenzeitlich rund 100 Basispunkte an bereits eingepreisten künftigen Zinsschritten wieder ausgepreist worden, inzwischen erwarte der Markt für den EZB Einlagensatz zum Dezember 2023 ein Niveau von etwa 3,4%.

Diese enormen Bewegungen würden einhergehen mit einer stark angestiegenen Volatilität der Rentenmärkte und damit die hohe Unsicherheit verdeutlichen, die die aktuelle Gemengelage kennzeichne.

Das Einpreisen von Zinssenkungen durch die Märkte stehe im Kontrast zu den Aussagen der FED, die auch nach Eskalation der Bankenkrise wiederholt beteuert habe, Zinssenkungen hätten 2023 nicht zum Basisszenario gehört.

Warum gebe es diese enorme Diskrepanz zwischen Marktpreisen und Zentralbankaussagen?

Offensichtlich würden die Zinsmärkte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einpreisen, dass Turbulenzen im Bankensektor zu einer größeren Kreditkontraktion führen und damit disinflationäre und konjunkturhemmende Impulse verstärken würden.

Auch die zahlreichen und teils erheblichen Inversionen wichtiger Zinsstrukturkurven würden die Sorge bestätigen, dass eine Rezession Notenbanken in absehbarer Zeit zwingen könnte, Zinssenkungen vorzunehmen.

Auf der Aktienseite sei nach Outperformance zyklischer Werte, wie z.B. Tourismus-, Automobil- oder Rohstoffunternehmen über die letzten Monate zuletzt wieder eine Rotation in defensivere, rezessionsrobustere Geschäftsmodelle wie Konsumgüter des täglichen Bedarfs, Versorger und Pharma zu beobachten.

Diese Warnsignale würden in Summe eine zurückhaltende Positionierung mit Blick auf offensivere Kredit- und Aktienrisiken ermutigen, wie. z.B. Hochzinsanleihen oder zyklische Werte, zumal sich die Gewinnmargen noch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau bewegen und damit das Risiko negativer Gewinnüberraschungen bestärken würden. (04.04.2023/alc/a/a)