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Türkische Notenbank will Zinssenkungen erst bei nachhaltig rückläufigen Inflationsraten vornehmen


24.09.21 10:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Das zumindest oberflächlich betrachtet sehr starke Wirtschaftswachstum in der Türkei dürfte seinen Zenit erreicht beziehungsweise überschritten haben, während der Inflationsdruck hoch bleibt, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Ausgabe des "emreport".

Die Notenbank habe den Leitzins abermals unverändert bei 19% belassen und bekräftigt, dass sie Zinssenkungen erst bei nachhaltig rückläufigen Inflationsraten vornehmen wolle, wenn das Ziel von rund 5% Inflation erreicht sei. Zweifel daran seien freilich angebracht, denn ein solcher Inflationsrückgang scheine kaum möglich ohne ein massiv geringeres Kredit- und Wirtschaftswachstum. Angesichts des bisherigen Agierens von Präsident Erdogan scheine es sehr unwahrscheinlich, dass dieser einen starken Wachstumsrückgang tolerieren würde, wenn in spätestens zwei Jahren die Präsidentschaftswahl anstehe.

Nach aktuellen Umfragen befinde sich Erdogans AKP im Umfragetief und käme derzeit möglicherweise nicht mal mehr mit dem Bündnispartner MHP auf eine Parlamentsmehrheit. Mehr noch, die strukturellen Gegebenheiten in der türkischen Volkswirtschaft könnten dazu führen, dass die Teuerung sogar trotz sinkender Kreditvergabe und niedrigerem Wachstum hartnäckig hoch bleibe. Die türkische Börse habe sich im August weiter erholt und um etwas mehr als 5% zugelegt. Sowohl die Türkische Lira als auch Aktien und Anleihen der Türkei könnten sich in den kommenden Monaten sogar überdurchschnittlich entwickeln. Angesichts der großen strukturellen Probleme scheine eine nachhaltige, längerfristige Outperformance aus heutiger Sicht aber recht unwahrscheinlich. (Ausgabe vom 17.09.2021) (24.09.2021/alc/a/a)