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Letzte EZB-Sitzung unter Draghi dürfte ruhig verlaufen


24.10.19 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Nachdem auf der letzten EZB-Sitzung im September ein ganzes Maßnahmenpaket verabschiedet wurde, um der schwächelnden Inflations- und Konjunkturdynamik in der Eurozone entgegenzutreten, dürfte die heutige Zinsentscheidung vergleichsweise ereignislos verlaufen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

So würden heute allgemein keine geldpolitischen Überraschungen erwartet. Im Mittelpunkt stehe vielmehr der Abschied von Mario Draghi als EZB-Präsident. Als erster EZB-Chef, der in seiner Ägide ausschließlich Leitzinssenkungen zu verantworten gehabt habe, werde der Name "Draghi" dabei mit einer Phase der ultralockeren geldpolitischen Ausrichtung verbunden sein. Neben der Bewertung seiner Amtszeit dürften Draghi auf der EZB-Pressekonferenz aber vor allem auch Fragen zur aktuellen Stimmung im EZB-Rat gestellt werden.

Hierbei hätten nicht zuletzt die jüngsten Äußerungen des neuen österreichischen EZB-Ratsmitglieds Robert Holzmann, der eine Richtungsänderung der EZB-Politik fordere, die derzeitige Zerrissenheit unter den EZB-Ratsmitgliedern aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund dürfte die Nachfolgerin Draghis, Christine Lagarde, zunächst vor der Aufgabe stehen, die Geschlossenheit innerhalb der EZB wieder herzustellen, bevor die Notenbank neue geldpolitische Impulse glaubwürdig werde setzen können.

Der offene Streit im EZB-Rat über die künftige Ausrichtung der Geldpolitik habe die Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer auf weitere Leitzinssenkungen in der Eurozone zuletzt merklich abkühlen lassen und damit sowohl den Staatsanleiherenditen als auch dem Euro spürbaren Auftrieb gegeben. Verfestige sich nach der Pressekonferenz dieser Eindruck, dürfte sich diese Tendenz weiter fortsetzen. (24.10.2019/alc/a/a)