Inflation 2024: Eine erneute Annäherung an die Ziele der Zentralbanken erwartet


05.12.23 11:00
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Was erwartet uns 2024? Versuchen wir einmal, das kommende Jahr aus der Perspektive des Konsenses zu betrachten, d.h. der Prognosen, die derzeit im Durchschnitt von Ökonomen und Finanzanalysten geäußert werden, und der Erwartungen, die in den Marktpreisen enthalten sind, so die Experten von Eurizon Asset Management in ihrem aktuellen Investmentausblick "The Globe"

Die Konsensabbildung sollte nicht als exakte Vorhersage interpretiert werden, sondern als eine nützliche Methode, um den Ausgangspunkt zu markieren, von dem aus sich die zukünftige Entwicklung vollziehe.

Makroökonomisch gesehen werde 2024 als ein Jahr mit positivem, aber moderatem Wachstum gesehen. In der Eurozone werde ein Wachstum von 0,7%, was knapp über den 0,5% liege, mit denen das Jahr 2023 enden dürfte. Für die USA lägen die Wachstumsprognosen für 2024 derzeit bei 1,2% und damit bei der Hälfte der 2,4% von 2023.

Was das Quartalsprofil betreffe, so werde die Wirtschaftstätigkeit in der ersten Jahreshälfte als schwach eingeschätzt, um sich in der zweiten Jahreshälfte allmählich zu beschleunigen. 0,7% für die Eurozone und 1,2% für die USA wären, wenn sie tatsächlich erreicht würden, die Hälfte des durchschnittlichen Jahreswachstums des Zyklus von vor der Corona-Krise: In den Jahren 2009 bis 2019 habe es in der Eurozone 1,5% und in den USA 2,4% betragen.

Was die Inflation betreffe, so werde für 2024 eine erneute Annäherung an die Ziele der Zentralbanken erwartet. Zur Erinnerung: Die Inflation habe in den USA im Juni 2022 mit 9,1% (jährliche Veränderung) ihren Höchststand erreicht und liege jetzt bei 3,2% (letzte verfügbare Zahl vom Oktober). In der Eurozone habe sie im Oktober 2022 einen Höchststand von 10,6% erreicht und sei jetzt auf 2,9% gesunken.

Von nun an wird die Talfahrt zwangsläufig langsamer verlaufen, weil die Disinflation bei den Rohstoffen nun hinter uns liegt, während die Stabilisierung der Kernkomponentenpreise länger dauern wird, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Die Konsenserwartungen würden jedoch kaum Zweifel daran lassen, dass die Inflation in die Nähe der 2% zurückkehren werde, die die Zentralbanken als Zielinflation angegeben hätten. Das würden im Schnitt auch die Prognosen der Marktökonomen besagen, die die Inflation in den USA und in der Eurozone Mitte 2024 bei 2,5% und Anfang 2025 bei 2% sähen. Gleiches würden die Inflationsmessungen der inflationsgebundenen Wertpapiere besagen, die seit einigen Monaten die durchschnittliche Inflation für die nächsten fünf bzw. zehn Jahre auf 2% bis 2,5% schätzen würden.

2024 dürfte nach den Erwartungen der Geldmarktfutures ein Jahr der Leitzinssenkungen sein. Was die EZB betreffe, so sehe der Markt die Zinssätze in der ersten Jahreshälfte auf dem derzeitigen Niveau von 4,0% verharren und dann langsam sinken, um sich Mitte 2025 unter 3% einzupendeln. Ähnlich verhalte es sich mit den Leitzinsen der FED, die von heute 5,5% zwischen Mitte 2024 und Mitte 2025 auf unter 4% fallen dürften.

Diese Erwartungen lägen der Annahme zugrunde, dass die Inflationsphase zu Ende gehe und sich der globale Wirtschaftszyklus fortsetze. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre dies ein ganz anderer Weg der Zinslockerung als in früheren Zyklen, in denen die Zinsen schnell und stark gesenkt worden seien, um dem Rezessionsrisiko zu begegnen. Stattdessen würden die Märkte derzeit von einer langsamen Normalisierung ausgehen, bei der die Inflation wieder stabil im Bereich von 2% bis 3% liegen werde, was keine Zinssätze von 4% in der Eurozone und 5,5% in den USA mehr erforderlich machen werde.

Was die Anleihemärkte angehe, so würden die Futures einen Blick in die Zukunft erlauben. Sie würden die zukünftigen Zinssätze angeben, die sich aus der aktuellen Form der Kurven ergeben würden. Die Euro-Kurve mit kurzfristigen Zinssätzen von 4% und langfristigen Zinssätzen (zehn Jahre) von 3% deute darauf hin, dass die Kurve in einem Jahr immer noch invertiert sei. Die kurzfristigen Zinssätze dürften dann jedoch niedriger sein als heute, nämlich unter 3,5%. Die langfristigen Zinssätze dürften sich indes kaum von den aktuellen Werten unterscheiden.

Ein ähnlicher Trend gelte für die US-Kurve. Heute lägen die Kurzfristzinsen über 5% und die Langfristzinsen im Bereich von 4,5%. In einem Jahr dürfte die Kurve über alle Laufzeiten hinweg flach verlaufen und im Bereich von 4,5% liegen.

Diese Indikatoren entsprächen genau den Erwartungen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums, der Inflation und der geldpolitischen Steuerung. Die Tatsache, dass die kurzfristigen Zinssätze in einem Jahr voraussichtlich niedriger sein würden, spiegele die Erwartung einer sinkenden Inflation und einer allmählichen Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken wider.

Die Tatsache hingegen, dass die langen Enden der Kurven nicht viel weiter fallen würden, spiegele die Erwartung eines anhaltenden Konjunkturzyklus wider, der auch 2024 eine Rezession verhindere. Das seien Erwartungen, die es den Anlegern ermöglichen würden, den Kuponfluss zu nutzen, den die Anleihemärkte jetzt bieten würden, und Kapitalgewinne aus sinkenden Zinsen für kurze und mittlere Laufzeiten zu erzielen.

Für die Aktienmärkte hänge die zukünftige Entwicklung der Indices von der Gesamtentwicklung der Gewinne und der Multiplikatoren (KGV) ab. Es gebe zwar keine Konsenserwartungen für die KGVs, aber die Analysten würden Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre erstellen.

In der Eurozone werde für den EURO STOXX-Index ein Gewinnwachstum von 6% im Jahr 2024 und 9,4% im Jahr 2025 erwartet. In den USA lägen die Erwartungen für den S&P 500-Index für die kommenden zwei Jahre bei +11,0% bzw. +11,9%. Auch dies stimme mit den makroökonomischen Erwartungen überein, die ein schnelleres Wachstum in den USA als in der Eurozone erwarten würden. Das Gewinnwachstum könne nicht als Ersatz für die erwartete Rendite der zugrunde liegenden Märkte angesehen werden, da es mit der KGV-Veränderung kombiniert werden müsse.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass steigende Gewinne die Aktienkurse begünstigen würden. Außerdem würde die Kombination aus sinkender Inflation, einem verlängerten Konjunkturzyklus und einer allmählichen Lockerung der Geldpolitik in dem vom Konsens angeführten Referenzszenario keinen Grund für die Annahme geben, dass die Multiplikatoren von ihren aktuellen Werten fallen würden. Ein solches Ereignis trete in der Regel ein, wenn sich Anleger mit einem Szenario zunehmender Unsicherheit konfrontiert sähen. (Ausgabe vom 29.11.2023) (05.12.2023/alc/a/a)