HVPI Eurozone: Vierfacher Wert des Inflationsziels - Zeit zum Handeln!


01.07.22 14:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat heute aktuelle Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise in der Eurozone veröffentlicht, so die Analysten der Nord LB.

Nach der Schnellschätzung seien die Preise innerhalb der Währungsunion weiter kräftig angestiegen. Der HVPI für Juni sei auf 8,6% Y/Y geklettert, während er im Mai noch bei 8,3% Y/Y gelegen habe. Für die Monatsrate ergebe sich dementsprechend ein Zuwachs um 0,5%. Dieser Anstieg stelle wieder eine negative Überraschung dar - Ökonomen hätten im Vorfeld mit einem niedrigeren Anstieg gerechnet.

Die zuvor bekannt gegebenen Inflationsdaten für Deutschland, Spanien und Frankreich hätten ein gemischtes Bild gezeichnet. Zwar sei die Inflationsrate in Deutschland auf 7,6% Y/Y zurückgegangen. Dies könne aber maßgeblich auf den so genannten "Tankrabatt" und die Einführung des 9-Euro-Tickets für deutsche Nahverkehrszüge ab dem 1. Juni 2022 zurückgeführt werden. Anfangs noch umstritten, habe sich jetzt ein maßgeblich dämpfender Effekt auf die Preisentwicklung gezeigt. Anders sei die Situation in Ländern gewesen, die nicht auf ein fiskalpolitisches Entlastungspaket zurückgegriffen hätten. In Spanien sei der HVPI von 8,5% Y/Y im Mai auf 10,0% Y/Y im Juni angestiegen. Auch Frankreich kämpfe mit wachsendem Inflationsdruck: für den Berichtsmonat Juni hätten sich Inflationsraten von 6,5% Y/Y und 0,7% M/M ergeben.

Preistreibend in der gesamten Eurozone seien für den Berichtsmonat Juni fast alle Komponenten des Index gewesen. So seien die Energiepreise um 41,9% Y/Y gegenüber 39,1% Y/Y im Mai gestiegen. Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak hätten sich auf Jahressicht um 8,9% Y/Y (zuvor 7,5%) erhöht. Für unverarbeitete Nahrungsmittel sei der Inflationsdruck um 11,1% Y/Y im Vergleich zu 9,0% im Mai gewachsen. Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak hingegen sei leicht zurückgegangen auf 3,7% Y/Y.

Vor dem Hintergrund dieser stark gestiegenen Inflation sehe sich die EZB abermals mit dem Dilemma der wachsenden Preise und rückläufiger Wirtschaftsentwicklung konfrontiert. Die drohende Gasknappheit mit der im Juli anstehenden Wartung der Pipeline Nord-Stream 1 werde die Energiekrise nur noch weiter verschlimmern. Auch die Lieferkettenengpässe durch Lockdowns in China würden vorerst bestehen bleiben, was den Preisdruck weiter hochhalte.

Auf dem Symposium, das diese Woche in Sintra (Portugal) stattgefunden habe, habe EZB-Präsidentin Lagarde die Bereitschaft der EZB bekräftigt, eine Fragmentierung der Renditespreads europäischer Staatsanleihen zu verhindern. Als Reaktion auf die gesunkene deutsche Inflationsrate habe sie betont, man wolle die Gesamtentwicklung des Preisniveaus in der Eurozone abwarten. Mit dem Monatswechsel würden die Anleihekäufe innerhalb des APP Programms enden. Die EZB habe jedoch auf ihrer Sondersitzung im Juni bekannt gegeben, ein neues Tool zur Anti-Fragmentierung europäischer Staatsanleihespreads zu entwickeln. Man wolle zudem die fällig werdenden Tilgungsraten aus Anleihekäufen des PEPP Programms nutzen, um der Fragmentierung entgegenzuwirken. Auf der Juni-Sitzung habe sie angekündigt, die Leitzinsen am 21.Juli um 25 Bp zu erhöhen und bei weiter steigendem Inflationsdruck im September sogar eine Anhebung um 50 Bp zu wagen. Ob dieser hohe Schritt nicht schon im Juli vorgezogen werde, scheine angesichts dieses Niveaus nicht unmöglich.

Die Inflationsrate in der Eurozone habe im Juni ein weiteres Rekordhoch erreicht. Der HVPI sei um 8,6% Y/Y (und 0,5% M/M) geklettert. Die Kerninflation liege bei 3,7%. Im Juni seien es neben den stark angestiegenen Energiepreisen (41,9% Y/Y) auch die restlichen Komponenten gewesen, die zu dem hohen Gesamtanstieg geführt hätten. Dies werde den Druck auf die EZB, die Zinswende zügig zu vollziehen und die Zinsen um mehr als 25bp anzuheben, weiter erhöhen. (01.07.2022/alc/a/a)





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