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EZB-Ratssitzung wirft Schatten voraus


23.10.19 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wir richten den Blick auf die am Donnerstag anstehende EZB-Entscheidung, so die Analysten der Helaba.

Die Europäische Zentralbank werde sich vermutlich in ihrem Lockerungsbias bestätigt sehen, eine Zinssenkung bei der letzten EZB-Ratssitzung unter der Ägide Mario Draghis würden die Analysten der Helaba jedoch nicht erwarten. Wohl aber sei dies angesichts der schwachen Stimmungsindikatoren und niedriger Inflationsraten im Verlauf der kommenden Monate nicht auszuschließen. Vor diesem Hintergrund würden die ersten Reden der zukünftigen EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu beachten sein. Auch habe die EZB bereits im September die Wiederaufnahme von Netto-Anleihekäufen ab November beschlossen. Die Verteilung des Volumens von 20 Mrd. Euro auf die Marktsegmente dürften in Anlehnungan die bisherigen QE-Aktivitäten erfolgen. Der überwiegende Teil falle also auf das PSPP (öffentlicher Sektor). Nach Beschlusslage sei das nun startende Aufstocken der Bestände zeitlich unbegrenzt.

Der Blick auf die bisherigen Käufe der nationalen Notenbanken offenbare aber, dass in einigen Ländern (allen voran Deutschland und Irland mit 30% und Niederlande und Finnland mit 29%) die von der EZB selbst gesteckten Obergrenzen von 33% je Gattung PSPP-fähiger Wertpapierefast erreicht seien. Ohne Änderungen der 33%-Grenze oder der Orientierung am EZB-Kapitalschlüssel werde das Material bei Bundesanleihen schon im Herbst 2020 knapp. Darüber hinaus starte das Staffelzinssystem bei der Einlagenverzinsung mit der Reserveperiode zum Ende des laufenden Monats. Noch sei unklar, wie die Auswirkungen auf die Geldmarktsätze sein würden. Einen latent steigernden Effekt würden die Analysten der Helaba für möglich halten. Es gebe daher genügend offene Fragen bezüglich der zukünftigen europäischen Geldpolitik, die zukünftig aber eher von Christine Lagarde beantwortet werden müssten.

Das leidige Thema "Brexit" beschäftige die Marktteilnehmer derweil weiter, wobei nicht abzusehen sei, wann endgültige Entscheidungen getroffen würden. Potenziell könnten einzelne Nachrichten und Kommentare dazu den Markt bewegen. Die Volatilität dürfte erhöht bleiben und so sei es ratsam, das Geschehen in London und Brüssel genauestens zu beobachten. Zurzeit gebe es wenig Ablenkung durch Datenveröffentlichungen, denn diese seien rar und eher der zweiten oder dritten Reihe zuzuordnen. Einen marktbewegenden Einfluss würden die Analysten der Helaba diesen nicht beimessen, dennoch sollte gerade das INSEE-Geschäftsklimain Frankreich nicht unbeachtet bleiben. Das Risiko, dass es gegenüber der Konsensschätzung zu einer Enttäuschung komme, sei angesichts des zuletzt schwächeren Geschäftsoptimismus der Bank von Frankreich hoch. (23.10.2019/alc/a/a)