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Draghis Geldpolitik: Es war nicht perfekt, aber es war das Beste, was wir hatten


23.10.19 12:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - An sein berühmtes "was auch immer nötig ist" wird man sich zweifellos noch lange erinnern. Mario Draghi sagte den Finanzmärkten 2012, dass die Eurozone nicht kurz vor dem Zusammenbruch stehe, so Jim Leaviss, Head of Fixed Interest für die Publikumsfonds von M&G.

Außerdem habe er deutlich gemacht, dass die EZB die Banken und Staaten am Rande Europas retten würde.

Doch wie sei Draghi überhaupt dazu gekommen, trotz heftiger Opposition - insbesondere aus Ländern wie Deutschland - die quantitative Lockerung (QE) und andere außergewöhnliche geldpolitische Maßnahmen durchzusetzen?

Wenn wir uns die Krise in der Eurozone ansehen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Euro-Währung damals erst etwas über zehn Jahre alt war, so die Experten von M&G Investments. Die ersten beiden EZB-Präsidenten, Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet, hätten die Glaubwürdigkeit des Währungsraums etabliert. Allerdings habe die EZB unter Trichet den größten politischen Fehler ihrer jungen Geschichte gemacht, indem sie die Leitzinsen mitten in der globalen Finanzkrise erhöht habe.

Als der Italiener Draghi die Führung übernommen habe, habe er bereits die Probleme erlebt, die aus einer zu Zinserhöhungen neigenden Politik entstehen könnten. Die Experten würden davon ausgehen, dass der Währungsblock aufgelöst worden wäre, wenn die Euro-Krise kurz nach 1999 stattgefunden hätte. Trichets Misserfolge hätten Draghi also experimentieren lassen. Und da es in den Ländern keine fiskalpolitische Koordinierung gegeben habe und überdies die Märkte verschwenderische Kreditnehmer bestraft hätten, habe die Geldpolitik die wirtschaftliche Schwerstarbeit alleine leisten müssen.

Die EZB und Draghi hätten also die Eurozone gerettet, aber zu welchem Preis? Heute gebe es zu viele zombieähnliche Banken und Unternehmen in Europa, die an billiges Geld gewöhnt seien. Das werde das zukünftige Wachstum dämpfen. Und die Experten würden auch wissen, dass die Vorteile der QE-Politik begrenzt seien und die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde feststellen werde, dass mehr Anleihenkäufe nicht mehr so viel bewirken würden wie früher.

Aber die Geschichtsschreibung werde Mario Draghi gegenüber freundlich sein, denn als Politiker sich geweigert hätten, die Eurozone durch fiskalische Umverteilung zu retten, habe er "alles, was nötig war" getan. Es war nicht perfekt, aber es war das Beste, was wir hatten, so die Experten von M&G Investments. (23.10.2019/alc/a/a)