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Diese fünf Megatrends bestimmen die globalen Märkte


29.10.18 10:30
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Makroökonomische Entwicklungen sind oftmals entscheidend, um die Veränderungen auf den Finanzmärkten zu verstehen und zu nutzen, so die Experten von UBS Asset Management (UBS AM).

UBS Asset Management (UBS-AM) sehe fünf Megatrends in den Bereichen Wirtschaftswachstum, Volatilität, Inflation und Anleiherenditen, Geopolitik und Protektionismus sowie Geldpolitik, die Einfluss auf die Finanzmärkte nehmen würden. Diese fünf Trends könnten Investoren nutzen; denn sie würden interessante Anlagemöglichkeiten eröffnen - vorausgesetzt, bestehende Handelskonflikte würden sich nicht unkontrolliert ausweiten.

Trend 1: Keine Rezession in Sicht - Globales Wachstum stabilisiere sich

"Wir sehen kaum strukturelle Ungleichgewichte, die einen scharfen Rückgang des Nachfragewachstums ankündigen könnten. Unsere eigenen Rechenmodelle zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten 18 Monaten gering ist. Angesichts einer insgesamt weiterhin expansiven Geldpolitik betrachten wir die jüngste Dämpfung nicht als Vorboten eines bedeutsamen Nachfragerückgangs", so Erin Browne, Head of Asset Allocation bei UBS-AM zur zukünftigen Wachstumsentwicklung.

"Ein Risiko besteht im Handelskonflikt zwischen den USA und China - und zwar genau dann, wenn vor dem Hintergrund politischer Unsicherheiten im Euroraum und in ausgewählten Schwellenländern der Konflikt über die jüngsten Ankündigungen hinaus deutlich eskaliert", so die Investmentexpertin von UBS-AM. Ein weiteres Risiko berge China. In dem Augenblick, wenn die US-Sanktionen greifen würden, müsse es dem Land gelingen, seine Wirtschaft komplett neu auszurichten sowie die Verschuldung und die Risiken im Finanzsektor deutlich zu reduzieren.

Eine dritte negative Bewegung erzeuge ein unerwartet schneller Anstieg von Inflation und Zinsen in den USA, was zu erschwerten Finanzierungsbedingungen führen und der Konjunktur schaden könnte.

Keines dieser Szenarien entspreche der Basisannahme von UBS Asset Management. "Wir erwarten, dass sich das globale Wachstum zumindest teilweise wieder synchronisiert, wenn sich die Nachfrage außerhalb der USA vom aktuell niedrigen Niveau erholt und die jüngsten Konjunkturmaßnahmen in China Wirkung zeigen", sage Erin Browne.

Trend 2: Höhere Volatilität

Die aktuelle US-Wachstumsperiode sei bereits die zweitlängste der Nachkriegszeit. Mit dem Voranschreiten des Zyklus vergrößere sich die Spannweite möglicher Wachstums-, Inflations- und Zinsentwicklungen, nachdem Investoren seit der Finanzkrise meist nur sehr enge Zielkorridore gewohnt gewesen seien. Auf einem sehr einfachen Niveau sollte diese Unsicherheit, auch wenn sie nur moderat zunehme, zu einem generellen Anstieg der Volatilität bei allen US-Anlageklassen führen.

Auch wenn die globale Notenbankliquidität aufgrund der anhaltenden quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan weiter zunehme - und Zinsanhebungen in beiden Regionen wohl noch auf sich warten lassen würden -, spiele das Handeln der US-Notenbank (FED) eine besonders große Rolle für Investoren. "Wir sind davon überzeugt, dass die FED die US-Geldpolitik nur schrittweise normalisieren wird, und nur dann, wenn die Datenlage solche Schritte erfordert", so Browne.

Gleichwohl entwickele sich die US-Geldpolitik - trotz realer Zinssätze um den Nullpunkt - allmählich weniger expansiv. Und da die Absicht und das Ergebnis der quantitativen Lockerung darin bestanden hätten, risikofreudiges Verhalten zu fördern und die Volatilität der Anlageklassen zu dämpfen, weise ihre teilweise Rücknahme darauf hin, dass der Risikoappetit der Investoren insgesamt moderat abnehmen und die Volatilität zunehmen dürfte.

Historisch führe der Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA mit einem zeitlichen Abstand von rund zweieinhalb Jahren zu erhöhter Aktienmarktvolatilität. Der Zusammenhang scheine sich auch in diesem Zyklus zu bestätigen. Die Sorgen der Anleger über die Folgen eines stärkeren US-Dollars mit entsprechend höheren Finanzierungskosten für die Schwellenländer seien seit Mitte des Jahres deutlich gestiegen, also zweieinhalb Jahre nachdem der US-Leitzins erstmals in diesem Zyklus im Dezember 2015 angehoben worden sei.

Trend 3: Moderat höhere Inflation und Anleiherenditen

Im Nachgang zur Finanzkrise habe das "Lower for longer"-Narrativ niedriger Inflation und niedriger Zinssätze, getrieben von strukturellen Faktoren wie Globalisierung, reichlich vorhandener Notenbankliquidität, Demografie und Technologie, das Umfeld für Investitionen lange Zeit beherrscht. Dieses weithin akzeptierte Narrativ habe zu anhaltendem Abwärtsdruck auf die nominalen Anleiherenditen und zu sehr niedrigen Volatilitätsniveaus in allen globalen Anlageklassen geführt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2016 werde dieses Narrativ jedoch zunehmend hinterfragt und angezweifelt. Die Renditen zehnjähriger nominaler Staatsanleihen aus wichtigen entwickelten Volkswirtschaften würden allgemein höher tendieren.

"Unserer Ansicht nach werden sowohl die globale Inflation als auch die Anleiherenditen im langfristigen historischen Vergleich niedrig bleiben. Sie dürften weiter ansteigen, wenn sich die Produktionslücken schließen, die Löhne aufgrund der sehr angespannten Arbeitsmärkte in den Industrienationen weiter steigen und die Notenbankliquidität nach Vorbild der USA schrittweise abgezogen wird", sage Erin Browne.

Trends 4: Geopolitik und Protektionismus

"Egal ob die vergangene Finanzkrise den Katalysator oder nur einen Meilenstein in einem langfristigen Trend darstellt, die Ablehnung der Globalisierungsvorteile und des orthodoxen politischen Mainstreams ist in den Industrienationen in den vergangenen Jahren immer offensichtlicher geworden", so Browne. Die wachsende Unterstützung für Außenseiterkandidaten und -parteien habe sich im britischen Brexit-Votum, in der US-Präsidentenwahl und in einer Anzahl europäischer Wahlen in jüngster Zeit gezeigt.

Trend 5: Geldpolitik - USA, Europa, Japan würden auseinanderdriften

Wenn synchronisiertes Wachstum das bestimmende Merkmal der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2017 und Anfang 2018 gewesen sei, würden jüngere Daten eine scharfe Trendwende zeigen. Die US-Wirtschaft zeige sich durch signifikante fiskalpolitische Anreize beflügelt. In Zeiten annähernder Vollbeschäftigung habe sich der Kontrast zwischen der anhaltenden Wirtschaftskraft und den Preissteigerungen in den USA und der wesentlich schwächeren Wachstums- und Inflationsdynamik in anderen wichtigen Volkswirtschaften verstärkt.

Vor diesem Hintergrund verfolge die US-Notenbank eine Normalisierung ihrer Politik und hebe die Zinsen an, während ihre europäischen und japanischen Pendants auf weitere überzeugende Belege für eine nachhaltig anziehende Kerninflation warten würden. "Wir gehen davon aus, dass, angesichts der relativ schwachen Daten aus den Industrieländern, außerhalb der USA die Geldpolitik sowohl im Euroraum als auch in Japan noch längere Zeit locker bleiben dürfte", sage Erin Browne.

Die Bank of Japan (BoJ) habe vor Kurzem ihre offizielle Politik der Zinskurvenkontrolle angepasst, indem sie die oberen und unteren Zinsgrenzen ausgeweitet habe, in denen sie weiterhin zehnjährige Staatsanleihen aufkaufe, um die Volkswirtschaft zu unterstützen. Jede Interpretation dieses Schrittes als geldpolitische Straffung müsse jedoch auch die Senkung der BoJ-Inflationserwartungen und die Einführung zukunftsgerichteter Hinweise mit dem Versprechen, die Renditen für längere Zeit niedrig zu halten, berücksichtigen. Die BoJ habe außerdem angedeutet, dass eine Anhebung der offiziellen kurzfristigen Leitzinsen vor der für 2019 geplanten Mehrwertsteuererhöhung in Japan unwahrscheinlich sei.

Die jüngste Rhetorik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei ähnlich zurückhaltend gewesen. Während sie das endgültige Auslaufen ihres Programms der quantitativen Lockerung zum Jahresende 2018 angekündigt habe, habe die EZB den Investoren zugleich versichert, dass Zinssteigerungen nicht vor Sommer 2019 erfolgen würden. Inzwischen setze die EZB die Wiederanlage der signifikanten Erlöse aus fälligen Anleihepositionen fort. In vielen anderen Volkswirtschaften der G10 werde eine Zinsanhebung der lokalen Notenbanken durch die hohe Schuldenbelastung der Privathaushalte erschwert. Insbesondere würden Sorgen über das hohe Niveau der Verbraucherverschuldung weiterhin Druck auf G10-Währungen wie den Australischen Dollar und den Neuseeland-Dollar gegenüber dem US-Dollar ausüben. (29.10.2018/alc/a/a)