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Deka-EZB-Kompass: Versöhnlicher Abschied


23.10.19 12:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Deka-EZB-Kompass ist im September weiter auf -22,5 Punkte gesunken, so die Analysten der DekaBank.

Die rückläufigen Werte der Konjunktur- und der Inflationssäule würden die Notwendigkeit einer stark stimulierenden Geldpolitik unterstreichen, während die steigende Finanzierungssäule zum Ausdruck bringe, dass der Kurs der EZB schon jetzt sehr expansiv sei. Diese widersprüchlichen Signale seien einer der Gründe dafür, dass die Kritik an den im September beschlossenen Maßnahmen nicht abreißen wolle.

Die unüberhörbaren Dissonanzen im EZB-Rat würden die Gefahr in sich bergen, dass die EZB handlungsunfähig erscheine. Dadurch könnte die wirtschaftliche Unsicherheit zunehmen und auch die Wirkung der expansiven Geldpolitik abgeschwächt werden. Bei seiner letzten Pressekonferenz als EZB-Präsident werde Mario Draghi nicht bestreiten können, dass es Meinungsverschiedenheiten unter den Ratsmitgliedern gebe. Er dürfte jedoch versuchen darzulegen, dass dies in einem so großen Gremium nichts Ungewöhnliches sei und die EZB nicht bei der Ausübung ihrer Aufgaben behindere. Er würde dadurch verhindern, dass seine Nachfolgerin Christine Lagarde die Hypothek eines zerstrittenen EZB-Rats übernehmen müsse.

Zu einem gewissen Grad beruhe die heftige Debatte über den angemessenen Kurs der EZB nicht nur auf einer unterschiedlichen Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch auf Grundsätzlichem. Die Ratsmitglieder seien uneins darüber, wie nach Jahren der Zielverfehlung nach unten das Ziel der Preisstabilität definiert werden solle und unter welchen Umständen Staatsanleihekäufe zum Instrumentarium der Zentralbank gehören sollten. Um den Konsens hierüber wiederherzustellen, sollte die zukünftige EZB-Präsidentin Lagarde möglichst bald eine umfassende Überprüfung des gesamten geldpolitischen Rahmens in die Wege leiten. (23.10.2019/alc/a/a)