Anleihen: Weiter steigende Renditen


26.02.21 15:08
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Staatsanleihen stehen weiterhin unter Abgabedruck, so die Deutsche Börse AG.

"Man kann schon fast von einem Ausverkauf sprechen", meine Arthur Brunner von der ICF-Bank. "Auch die Nachfrage nach einer neuen siebenjährigen US-Anleihe war so niedrig wie seit 2013 nicht mehr."

An den Finanzmärkten bestünde die Sorge, dass die US-Wirtschaft sich nach der Pandemie schneller erholen werde als gedacht und die Federal Reserve deshalb ihre Anleihekäufe im bisherigen Umfang nicht werde fortsetzen könnten. Zehnjährige US-Treasuries rentierten nach Berechnungen Brunners zwischenzeitlich um 1,6 Prozent, aktuell liege der Wert bei 1,45 Prozent.

Bonds der Euroländer hätten ebenfalls deutliche Kurseinbußen hinnehmen müssen. Der Euro-Bund-Future als Gradmesser für die künftige Zinsentwicklung sei auf Wochensicht von 174,18 auf etwas über 173 Punkte gesunken. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen habe mit minus 0,21 Prozent zeitweise den höchsten Wert seit März 2020 erreicht. Auf Talfahrt würden sich Brunner zufolge auch Staatsanleihen der Euro-Peripheriestaaten befinden. "Zehnjährige italienische Bonds bringen aktuell 0,78 Prozent."

Es gehe unter anderem um die künftige Inflationsentwicklung. Die verbale Versicherung der Hüter des Euro und US-Dollar, die Geldpolitik auf Jahre ultralocker zu halten, trage scheinbar kaum zur Entspannung bei. Dabei sei die Federal Reserve laut Folker Hellmeyer von Solvecon ungewöhnlich explizit bezüglich des erwarteten Preisauftriebs geworden. Zur Erreichung ihrer Inflationsziele brauche die US-Notenbank nach Auffassung von Jerome Powell mindestens drei Jahre. Bis zur Vollbeschäftigung sei es noch ein weiter Weg.

EZB-Verantwortliche hätten sich im Gleichschritt mit dem Chef der Federal Reserve bewegt. Einen Grund sehe Hellmeyer im Bemühen, der Eurostärke entgegen zu wirken. Eine verschärfte Gangart in der Zins- und Geldpolitik würde demnach eine deutlich höhere Bewertung der Gemeinschaftswährung zum US-Dollar und anderen Devisen mit sich bringen. EZB-Direktorin Schnabel habe zudem gestern öffentlich ausgeführt, dass ein zu abrupter Ausstieg aus der extrem lockeren Geld- und Fiskalpolitik die fraglos verbesserten globalen Wachstumsperspektiven gefährden könnte.

Im Handel mit Unternehmensanleihen sehe Brunner eine fünfjährige, mit jährlich 5,5 Prozent verzinste Eyemaxx Real Estate-Anleihe (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ) stark unter Verkaufsdruck. "Anleger waren über die hohen Verluste für 2020 schockiert." Seit Montag sei der Kurs des Papiers von 85 auf 73 Prozent regelrecht eingebrochen.

Rainer Petz von Oddo BHF berichte von deutlichen Abgaben einer bis 2024 laufenden Eyemaxx-Anleihe mit einem Kupon von 5,5 Prozent. Ebenso trennten sich Investoren von Bonds (ISIN DE000A19YDA9 / WKN A19YDA) der Corestate Capital. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr entgegen der eigenen Erwartungen einen Verlust eingefahren. Nach 92 Punkten zum Wochenstart notiere die Anleihe derzeit um 89 Prozent.

Laut einem Zwischenbericht von Mazars über Grenke hinsichtlich der Betrugsvorwürfe durch die Investorengruppe Viceroy Research habe sich der Geldwäsche-Tatbestand nicht bestätigt. Anleger hätten erleichtert reagiert und laut Händler wieder verstärkt zu Grenke-Anleihen gegriffen. Beispielhaft nenne Petz eine in 2024 fällige, mit 1,625 Prozent verzinste Schuldverschreibung (ISIN XS1956014531 / WKN A2RYDH) des Leasingspezialisten.

Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spreche von Erholungstendenzen aller Grenke-Bonds und nenne beispielhaft einen Wert (ISIN XS2078696866 / WKN A2R98B), der seit gestern um 10 auf 80 Punkte hochgeschnellt sei.

Brunner nenne Käufe eines mit 3,95 Prozent (ISIN XS2155486942 / WKN A28VXK) sowie 1,5 Prozent verzinsten Grenke-Papiers. "Die Geldwäschevorwürfe sind entkräftet, der Bericht listet aber auch Fehler."

Zu den Favoriten von Brunners Kunden gehöre ansonsten eine Mutares-Anleihe, die jährlich 6 Prozent Zinsen bringe. Ebenso lande ein bis Mai 2022 laufender Ferratum-Bond mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent verstärkt in den Depots.

Mägerle verbuche überwiegend Abgaben einer Glencore-Anleihe mit einem Kupon von 4,125 Prozent und einer Laufzeit bis 2023. Viele Käufe und Verkäufe gebe es in einem Ekosem Agrar-Wert, der jährlich 7,5 Prozent Zinsen zahle.

Seit Mittwoch bis voraussichtlich 10. März könne eine neue, fünfjährige, grüne Anleihe (ISIN DE000A287088 / WKN A28708) von Agri Resources mit einem Kupon von 8 Prozent an der Börse Frankfurt gezeichnet werden. Das Agrar-Unternehmen mit Aktivitäten in elf Ländern plane die Aufnahme von insgesamt 50 Millionen Euro. Das Kerngeschäft der Agri Resources Group umfasse den Anbau, die Beschaffung, die Verarbeitung und die Vermarktung von landwirtschaftlichen Gütern. (26.02.2021/alc/a/a)





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