Anleihen-Handel: Sicherheit hat Vorrang


27.05.19 10:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zollstreit, die Nachrichtenlage rund um den Brexit als auch die Europawahl beeinflussen derzeit das Geschehen an den Kapitalmärkten, so die Deutsche Börse AG.

Auf die jüngste Schwäche am Aktienmarkt hätten Anleger mit Käufen von Anleihen bonitätsstarker Länder wie Deutschland reagiert, was dem Euro-Bund-Future auf die Sprünge helfe. Am Freitagmorgen habe der Gradmesser für die langfristigen Zinserwartungen um 167,24 Prozent notiert. "Zehnjährige Papiere erreichen damit eine Rendite von minus 0,11 Prozent", beziffere Arthur Brunner von der ICF Bank.

An der Rendite-Entwicklung portugiesischer Staatsanleihen mache Brunner eine generelle Stabilisierung im Euroraum fest. "Erstmals seit der Finanzkrise rutschte der Wert für zehnjährige Papiere unter 1 Prozent." Das gelte auch für britische Gilts dieser Laufzeit.

Davon könne Griechenland nur träumen. Zehnjährige Bonds aus Athen kämen aktuell auf eine Rendite von 3,351 Prozent. In der Verabschiedung von 4 Milliarden Euro teuren Steuererleichterungen und Rentenerhöhungen noch vor der Europawahl sehe Fitch die Umsetzung der finanzpolitischen Ziele Griechenlands in Gefahr, wie Klaus Stopp von der Baader Bank feststelle. Im Vorfeld habe die Rating-Agentur bereits Tsipras aktuellen Haushalt mit den teilweise zurückgenommenen Reformen gerügt. Auch der Euro-Stabilitätsfonds ESM als größter Gläubiger des Landes sehe das vereinbarte Ziel eines Primärüberschusses von 3,5 Prozent bereits in diesem Jahr auf der Kippe. Bedenken hinsichtlich eines Aufweichens des Sparkurses seien zudem von der OECD, dem IWF sowie der EZB geäußert worden.

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Beate Mägerle größere Nachfrage nach einer 500 Millionen Euro schweren voestalpine-Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent. Die Händlerin von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank vermute einen Zusammenhang mit der geplanten Entwicklung von neuem Hochleistungsstahl. "Immerhin erzielt das Unternehmen derzeit Zweidrittel des Konzernumsatzes mit der Verarbeitung von Stahl."

Eine seit letzter Woche handelbare, bis 22. Mai 2026 laufende S IMMO-Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 1,875 Prozent werde Hägele zufolge ebenfalls gut angenommen. "Das Papier notiert mittlerweile um 101,75 Prozent."

Nach wie vor deutliche Abgaben mache Mägerle in einer Thomas Cook-Anleihe aus. Der bis Juni 2022 laufende Wert des britischen Touristikunternehmens mit einem Kupon von 6,25 Prozent habe seit Monatsbeginn von 76 auf unter 34 Prozent deutlich an Gewicht verloren. Anleihe-Besitzer hätten damit auf den Verfall der Aktie reagiert. Anteile des Reisekonzerns seien in der letzten Woche auf 0,14 Euro gefallen und hätten sich damit ebenfalls im Laufe des Monats halbiert. Nach gestrigen Meldungen über einen Private Equity-Interessenten für das Nordeuropa-Geschäft von Thomas Cook habe sich das Papier wieder etwas gefangen.

Eine neue fünfjährige TERRAGON-Anleihe finde nach Angaben von Rainer Petz viel Anklang. Der mit jährlich 6,5 Prozent Zinsen ausgestattete Wert des in München ansässigen Entwicklers von barrierefreien Senioren- und Pflegeimmobilien koste mittlerweile 102,59 Prozent.

Die Schwäche von europäischen Autoaktien gehe nach Ansicht von Brunner unter anderem auf das Konto Zollstreit. Darunter hätten naturgemäß auch die Bonds der Automobilindustrie gelitten. Unter anderem trennten sich Investoren tendenziell von einer Volkswagen-Hybridanleihe. Seit Mitte der Woche habe der Bond von gut 107 auf 105 Prozent eingebüßt.

Verkürzt werde die Zeichnung einer Anleihe der Hörmann Industries. Die Emission sei nur noch bis Montag, 8:30 Uhr, über die Frankfurter Börse erhältlich und nicht wie geplant bis zum 28. Mai. Laufzeit sei fünf Jahre, Kupon werde bei mindestens 4,5 Prozenten liegen.

Noch in der Zeichnung befinde sich eine fünfjährige Anleihe von Behrens. Der Hersteller von Befestigungstechnik für Holz ziele auf die Aufnahme von bis zu 15 Millionen Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro und biete Anlegern dafür einen Kupon von 6,25 Prozent. Die Aufnahme in den Handel sei für 18. Juni vorgesehen. (Ausgabe vom 24.05.2019) (27.05.2019/alc/a/a)





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