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Anleihen: Enteignungsgefahr


01.12.21 10:15
PARTNERS VermögensManagement

München (www.anleihencheck.de) - Nach neuesten Schätzungen hat das Geldvermögen der Bundesbürger auf den Rekordwert von 7.100 Milliarden Euro zugenommen, so die Experten von PARTNERS VermögensManagement.

Obwohl zahlreiche Anleger notgedrungen ihre bisher sehr konservative Anlagestrategie geändert hätten, würden sie noch große Teile ihres Vermögens auf Bank- und Festgeldkonten, auf Sparbüchern und in anderen liquiden Anlagen bunkern. Kurzum, in Anlagen, die von Negativzinsen betroffen seien. Diese müssten Geschäftsbanken unverändert an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen, wenn sie Geld dort parken würden. Diese Strafzinsen würden die Banken versuchen von ihren Kunden wieder hereinzuholen.

Das Vergleichsportal Biallo habe 525 Banken ermittelt, die mittlerweile Verwahrentgelte oder Guthabengebühren von ihren Kunden verlangen würden. Meistens nähmen die Institute jährlich 0,5 Prozent. Zwanzig Banken würden sogar Negativzinsen von bis zu 1 Prozent pro Jahr verlangen. Teilweise treffe das Anleger schon ab 25.000 Euro Guthaben.

Selbst das gute alte Sparbuch sei keine heilige Kuh mehr. Die Verbraucherzentrale Hamburg klage gerade gegen die Commerzbank, die eine Guthabengebühr für neue Sparkonten eingeführt habe.

Viele Anleger sähen es nicht mehr ein, für ihre Einlagen Zinsen zu bezahlen. Das sei klug. Denn der teuflische Negativzins und die noch teuflischere Inflation würden das Vermögen auf Spar- und Tagesgeldkonten immer schneller auffressen.

In Deutschland seien die Verbraucherpreise zuletzt um mehr als 5 Prozent gestiegen. Das sei der höchste Stand seit 29 Jahren gewesen. In den USA habe der Anstieg sogar über 6 Prozent betragen.

Die US-Notenbank FED gehe davon aus, dass die hohe Inflation nur vorübergehend sei, und führe sie auf Sondereffekte durch die Pandemie zurück. Die EZB halte die hohe Inflation ebenfalls für ein kurzfristiges Phänomen und sehe derzeit keinen Handlungsbedarf.

Allerdings hat sich in den letzten 30 Jahren die Kaufkraft unseres Geldes schon vor der Pandemie stark reduziert, so die Experten von PARTNERS VermögensManagement.

Durch den Corona-bedingten Basiseffekt würden sich voraussichtlich die Inflationsraten im kommenden Jahr wieder etwas normalisieren. Nach Berechnungen der EZB-Volkswirte dürfte die Inflationsrate im Euroraum in diesem Jahr auf 2,4 Prozent steigen, im nächsten aber auf 2,2 Prozent zurückgehen und im Jahr darauf auf 1,7 Prozent sinken. Dennoch würden immer mehr Volkswirte glauben, dass die niedrigen Inflationsraten, die vor Corona normal gewesen seien, der Vergangenheit angehören würden. Anleger sollten sich langfristig eher auf weiterhin negative Realzinsen einstellen.

Angesichts der gewachsenen Inflationsrisiken sollte jeder Anleger überprüfen, wie resistent sein Portfolio gegenüber steigenden Preisen und womöglich auch steigenden Zinsen aufgestellt sei.

Anleger hätten durchaus Möglichkeiten, sich vor Negativzinsen zu schützen und auf mittlere Frist einen Inflationsschutz ihres Vermögens zu erreichen.

Abgesehen von den liquiden Mitteln, die man kurzfristig für Zahlungen benötige, werde Geld auf Festgeldkonten nach Abzug der Inflation definitiv weniger wert. Selbst bei einer von der EZB angestrebten Inflationsrate von 2 Prozent bekämen Anleger mit diesen Konten bis auf weiteres keinen Inflationsausgleich. Denn der Zins werde noch geraume Zeit auf dem sehr niedrigen Niveau verharren.

Die Strategie, Festgeld in anderen Ländern anzulegen, um minimal höhere Zinssätze zu erzielen, sei nach Meinung der Experten von PARTNERS VermögensManagement viel zu risikoreich. Die Ereignisse um die isländische Kaupthing-Bank, die während der Lehman-Krise 2009 pleite gegangen sei, sollten jedem Anleger ein warnendes Beispiel sein. Damals hätten tausende deutsche Anleger um ihre Einlagen gezittert, die nur vom isländischen Einlagensicherungsfonds abgesichert gewesen seien.

Die Anlagewelt habe sich radikal geändert. Seien Anleihen früher ein sicherer Hafen gewesen, drohe nun die Enteignung der Anleger. Gemessen an einem der weltweit wichtigsten Rentenindices würden derzeit 30 Prozent der Papiere an den Anleihemärkten im negativen Bereich rentieren. Weitere 40 Prozent lägen zwischen 0 und 1 Prozent.

Abzüglich der Inflation würden Anleger auch hier Geld verlieren. Selbst klassische Unternehmensanleihen würden ein Portfolio nicht mehr schützen, wenn es ruppiger werde. Dies habe der Corona-Crash im März 2020 sehr deutlich demonstriert. Selbst Anleihen guter Bonität seien mit zweistelligen Kursverlusten - zumindest kurzfristig - unter die Räder gekommen.

Ob es auf absehbare Zeit höhere Zinsen für Anleihen geben werde, sei denkbar, aber unwahrscheinlich. Zwar rechne man damit, dass sich die internationalen Notenbanken aus den milliardenschweren Anleihekäufen zurückziehen würden. Diese Nachfragereduzierung sollte die Anleihekurse unter Druck bringen und die Zinsen steigen lassen. Bei steigenden Zinsen würden bei bestehenden Anleihen jedoch erhebliche Kursverluste drohen.

Zudem würden steigende Zinsen eine Verteuerung der bestehenden Rekordschulden der Euro-Länder bedeuten. Das würde die südeuropäischen Staaten wie Italien und Griechenland hart treffen. Doch auch in den USA würde jeder Prozentpunkt Zinsanstieg eine jährliche Zinsbelastung von über 600 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Hier stelle sich definitiv die Frage, welche Anpassungsmöglichkeiten die Notenbanken überhaupt hätten.

Eine höhere Preissteigerungsrate könne für diese Staaten sogar ein willkommenes Vehikel sein, um einen Teil der horrenden Schulden weg zu inflationieren.

Diese Entwicklungen seien wahrlich keine Basis, um ein Vermögen vor anziehenden Inflationsraten zu schützen. Für risikoaverse Investoren wie Stiftungen und viele Privatanleger rücke damit der Erhalt der Kaufkraft nach Steuern und Inflation in weite Ferne.

Eine Alternative seien allenfalls Anleihe-Spezialitäten wie inflationsindexierte Anleihen oder Wandelanleihen. Sie könnten einen gewissen Inflationsschutz bieten.

Sich mit Betongold gegen Inflationsgefahren schützen - dieser Gedanke herrsche in vielen Köpfen vor. Mit Recht. Immobilienpreise hätten in den letzten Jahren nur eine Richtung gekannt. Die Preise hätten stürmisch zugelegt, sogar stärker als die Mieten. Investoren würden also stärker auf Wertsteigerungen als auf Mieterträge setzen. Habe man als Vermieter zu der Wertentwicklung noch einen indexorientierten Mietvertrag, sei das der größtmögliche Inflationsschutz.

Allerdings gebe es auch hier einen Pferdefuß: Viele Experten würden vor einer Preisblase warnen, die bei steigenden Zinsen platzen dürfte. In der Vergangenheit habe es immer wieder Phasen gegeben, in denen die Immobilienpreise gefallen seien. Selbst solide Fundamentaldaten der Wirtschaft seien kein Garant gewesen, dass die Preise nicht nachgegeben hätten.

Selbst genutzte Immobilien würden langfristigen Inflationsschutz bieten. Durch den Sparzwang (Tilgung) seien sie eine aktive Vermögensbildung. Allerdings sei hierfür die Lage des Objektes von enormer Wichtigkeit. Nur in guten Lagen sei eine Wertbeständigkeit wahrscheinlich. Wer eine Immobilie selbst nutzen möchte, sollte bei den derzeit sehr attraktiven Baufinanzierungen auf eine lange Zinsbindung achten. Wer nicht direkt in eine Immobilie investieren möchte, finde bei offenen Immobilienfonds, Immobilienaktien und Reits gute Alternativen.

Ganz risikolos seien diese Anlagen nicht. Die meisten offenen Immobilienfonds hätten ihren Anlageschwerpunkt bei Büroobjekten und Einkaufszentren. Diese Immobilienklassen seien derzeit durch die langfristigen Auswirkungen der Coronapandemie wie weiter zunehmende Nutzung von E-Commerce und flexibleren Arbeitsplätzen in Form von Homeoffice und Remote-Arbeitsplätze unter Druck. Die weitere positive Preisentwicklung sei zumindest fraglich. Allerdings bestünden bei diesen Objekten oftmals inflationsindexierte Mietverträge, die eine Anpassung ansteigende Preise ermöglichen würden. Inflationsschutz sei hier also eingebaut.

Gold habe den Ruf, den Wert des Vermögens in Zeiten hoher Inflation zu erhalten. Auch deswegen scheinen die Bundesbürger das Edelmetall besonders zu schätzen, so die Experten von PARTNERS VermögensManagement. Die Bundesbank halte 3.300 Tonnen des Edelmetalls in ihren Beständen.

Eigentlich sollte man erwarten, dass der Goldpreis gerade von den zuletzt massiv gestiegenen Inflationsraten profitiere. Doch weit gefehlt. Die Feinunze Gold habe in diesem Jahr in US-Dollar rund 6 Prozent (Stand 29.11.2021) ihres Wertes verloren. Ein steigender Dollar sowie steigende Zinserwartungen hätten bisher auf den Preis gedrückt. Trotzdem bleibe Gold ein klassischer Schutz gegen eine stärkere Preisdynamik.

Bei Gold handle es sich um ein seit Jahrtausenden akzeptiertes Zahlungsmittel. Das unterscheide das Edelmetall von virtuellen Fluchtwährungen wie Bitcoin, die gerne mal als "neues Gold" bezeichnet würden.

Gold bleibe das Krisenmetall. Bei Verwerfungen an den Kapitalmärkten sei in den meisten Fällen das Interesse am Gold schlagartig gestiegen. Somit diene das Edelmetall auch als eine Art Versicherung für das restliche Vermögen.

Die Energiepreise würden in die Höhe schnellen. Öl sei zuletzt so teuer gewesen wie seit Jahren nicht mehr. Die Nachfrage nach Gas steige und stoße auf leere Lager und eingerostete Lieferketten. Dieser Anstieg sei wohl nicht allein durch die Nach-Corona-Wehen zu erklären. Vielmehr verfüge die Welt eine über nur begrenzte Menge an physischen Ressourcen. Hier würden sich langfristig orientierten Investoren interessante Anlagemöglichkeiten bieten. Allerdings entstünden erfahrungsgemäß bei konjunktursensiblen Rohstoffaktien hohe Marktschwankungen.

Zu den gestiegenen Rohstoffpreisen kämen aktuell Engpässe bei zahlreichen Vorprodukten in der Auto- und Konsumgüterindustrie. Computerchips seien Mangelware. Viele Unternehmen müssten ihre Produktion zurückfahren. Durch die Probleme seien die Großhandelspreise in Deutschland im Oktober 2021 um 15 Prozent gestiegen! Das sei der höchste Anstieg seit der Ölkrise vor 47 Jahren gewesen!

Schwäche sich in der Folge das Wachstum der Wirtschaft ab, drohe ein noch größeres Problem: Stagflation - eine inflationäre Entwicklung bei geringem Wirtschaftswachstum. Dies würde die Nachfrage nach Rohstoffen eher wieder abflauen lassen.

Vieles spreche dafür, dass sich Aktien inflationsresistenter Unternehmen mit Preismacht und starker Dividendenhistorie auch zukünftig überdurchschnittlich entwickeln würden. Diese Unternehmen, die meist über starke Marken verfügen würden, hätten eine gewisse Preissetzungsmacht und würden steigende Preise und Zinsen besser als andere Firmen verkraften. Voraussetzung hierfür seien solide Bilanzen, steigende Gewinne und attraktive Bewertungen.

Ob diese Aktien nun attraktiv oder überbewertet seien, sei derzeit ein sehr kompliziertes Thema. Die Experten von PARTNERS VermögensManagement würden meinen, dass durch die Geldschwemme der vergangenen Jahre die Bewertungskennziffern der meisten globalen Qualitätsaktien als ambitioniert zu bezeichnen seien. Nicht umsonst horte einer der erfolgreichsten Value-Investoren der Welt, Warren Buffett, in seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway seit geraumer Zeit eine rekordverdächtige Liquidität in Höhe von mehr als 140 Milliarden US-Dollar. Trotzdem würden Qualitätsaktien für langfristig orientierte Anleger eine hervorragende Anlagemöglichkeit bleiben, um die Kaufkraft des Vermögens zu erhalten.

Anleger sollten generell ihre Investitionen in verschiedene Anlageklassen streuen. Eine ordentliche Diversifikation des Vermögens könne vor größeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten schützen. Für Anleger, die bisher zu einseitig unterwegs seien, sei es wichtig darauf zu achten, langfristig mehr auf Sachwerte in Form von Immobilien, Aktien und Rohstoffe zu setzen.

Allerdings sollten sich Anleger nicht in eine Vermeidungsstrategie drängen lassen. Allein die Tatsache, dass eine Bank mit Verwahrentgelt und Negativzins drohe, heiße nicht, dass man umgehend in den Investitionsmodus umschalten müsse. Vielmehr sei es eine gute Idee, die Investitionen zu verschiedenen Zeitpunkten zu tätigen. Auch seien ETFs oftmals eine preiswerte und gute Alternative zu relativ teuren Fonds, die von den Banken zumeist empfohlen würden. Auf alle Fälle lohne sich ein ausführliches Gespräch mit einem unabhängigen Berater über Anlagealternativen in dem höllischen Umfeld steigender Inflationsraten. (Ausgabe 5/2021) (01.12.2021/alc/a/a)