Nach positiven US-Inflationszahlen Inflationsrückgang auch in Europa?


14.11.22 10:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die zweite Hälfte der letzten Woche brachte den Anlegern eine lang erwartete Erholung, nachdem der Bericht über die Verbraucherpreisinflation in den USA im Oktober eine deutliche Verlangsamung zeigte, so die Analysten von Postbank Research.

Die Inflation sei stärker zurückgegangen als erwartet (auf +7,7% ggü. Vj. / +8,2% ggü. Vj. im September) und habe den niedrigsten Stand seit Januar dieses Jahres erreicht. Die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie) sei von ihrem 40-Jahres-Hoch auf +6,3% ggü. Vj. gefallen. Aktien hätten kräftig angezogen (S&P 500 +5,9%), da die Märkte begonnen hätten, einen weniger aggressiven geldpolitischen Pfad der FED einzupreisen, was zu einem starken Rückgang der Renditen in allen Laufzeiten geführt habe (Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen -35 Basispunkte). Der Dollarindex (DXY) habe den stärksten Tagesrückgang seit 2015 gezeigt und die Woche mit -3,8% beendet.

Der erwartete Spitzenwert der FED Funds Rate sei unter 5% gefallen. Das positive Sentiment habe sich auch in Asien widergespiegelt, da China Quarantäneerfordernisse bei Auslandsreisen gelockert habe, die den Aktienmarkt gestützt hätten (HSI +7,1%). Andererseits seien Investoren von Kryptowährungen durch weitere Volatilität aufgeschreckt worden. In der US-Politik sei die erwartete "Rote Welle" ausgeblieben, und die Demokraten hätten in vielen Rennen überrascht. Auch wenn die Republikaner im Rennen um das Repräsentantenhaus noch vorne lägen, werde das Ergebnis enger als erwartet. Die Demokraten hätten es geschafft, den Senat für sich zu behaupten. Auch wenn der Markteinfluss der Ergebnisse insgesamt als gering eingeschätzt werde, dürfte es im Kongress schwieriger werden, wichtige Gesetzesvorhaben zu verabschieden.

Nach den positiven US-Inflationszahlen dürfte sich das Augenmerk in dieser Woche auf Europa richten, wo die Anleger ebenfalls auf einen gewissen Inflationsrückgang hoffen dürften. Im Vereinigten Königreich stehe am 17. November die Herbsterklärung vor dem Parlament an, die die Weichen für eine neue Haushaltspolitik stellen dürfte. Außerdem stünden eine Reihe von Reden von FED- und EZB-Vertretern an, und während die Währungshüter, einschließlich der EZB, das US-Inflationsergebnis sicherlich zu schätzen wissen würden (da der erstarkende EUR einen inländischen Inflationsdruck etwas mindern dürfte), dürften die Kommentare weiterhin aggressiv bleiben.

Neben den Zentralbankkommentaren könnten auch die Daten zum US-Wohnungsmarkt, den Erzeugerpreisen und den Frühindikatoren auf Erfolge zur Verlangsamung der Volkswirtschaft hindeuten. Unterdessen gehe die Berichtssaison in die Endphase, und der US-Einzelhandel dürfte Hinweise darauf geben, ob der Aufbau von Lagerbeständen auch den Kampf gegen Inflation unterstützen könnte. In China dürften Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze Aufschluss über das Tempo der Konjunkturerholung geben, nachdem die Einkaufsmanagerindices wieder in den kontraktiven Bereich gefallen seien. (14.11.2022/alc/a/a)