Die "hässliche" Seite der Inflation


19.01.23 08:53
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es sieht tatsächlich so aus, als habe die Inflation ihren Höhepunkt erreicht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

An den Finanzmärkten sei das Aufatmen nicht zu überhören. Das würde ja bedeuten, dass die Notenbanken ihre restriktivere Geldpolitik abbrechen oder zumindest verlangsamen könnten. Prompt hätten sich die langlaufenden Rentenrenditen wieder stabilisiert.

Im Dezember sei der Anstieg der Konsumentenpreise in den USA von 7,1% im November auf 6,5% gefallen. In der Eurozone habe der Harmonisierte Index der Konsumentenpreise und 10,1% auf 9,5% nachgegeben - in Deutschland von 10,0% auf 8,6%. Die Zentralbanken würden an ihrem Ziel von rund 2% festhalten. Die von den Volkswirten gefürchtete Lohn/Preisspirale sei bisher nicht eingetreten. Doch Vorsicht scheine weiter angebracht. In der Hoffnung auf weiter sinkende Inflationsraten würden noch zu viele Ungereimtheiten stecken.

Selbst sinkende Raten hätten eine "hässliche" Seite. Güter und Leistungen im Preisindex würden trotz sinkender Jahresraten bis auf wenige Ausnahmen täglich teurer. Wenn die Inflationsrate wieder auf 2% zurückfallen sollte, heiße das ja nicht, dass die Preise auch wieder auf das damalige Niveau sinken würden. Es bedeute nur, dass die Preise nicht mehr so schnell steigen würden. In Deutschland sei die Inflationsrate auch wegen der staatlichen Dezember-Soforthilfe (die einmalige Übernahme des Monatsabschlags für Gas und Wärme durch den Bund) gesunken. Die Rate insgesamt umfasse alle Kategorien. Doch die Kategorien könnten sich sehr unterschiedlich voneinander entwickeln. Lange Zeit seien die Energiekosten der maßgebliche Treiber der Inflation gewesen. Dies sei jetzt zurückgegangen. Dafür würden nun die Nahrungsmittel überproportional steigen.

Andererseits seien den Statistikern aber auch ständige Änderungen ihrer Berechnungsmethoden vorzuhalten. Die nächste werde in den USA und in Deutschland im Januar vorgenommen. Das Institut Shadow Government Statistics habe festgestellt, würde man die US Konsumentenpreise nach der Methode errechnen, die bis in die 1980er Jahre angewendet worden sei, habe sich der CPI-Anstieg auf knapp 15% gestellt. Stattdessen liege der vom Arbeitsministerium veröffentlichte Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei 6,5%. Zum Standardmaß für die Lebenshaltungskosten in den USA sei die "Kernrate" ermittelt. Sie liege bei 5,7%. Die "Core Rate" solle die wahre, zu Grunde liegende Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel widerspiegeln.

Doch welche Verbraucher seien das, die im Alltag ohne Energie und Nahrungsmittel auskämen? Es seien diejenigen Amerikaner, die nichts essen oder trinken, niemals Auto fahren oder fliegen und ihre Wohnungen weder heizen noch kühlen würden. Andere fragwürdige Rechenmethoden, die die Inflation niedrig ausfallen lassen würden, seien der hedonische Preisansatz mit dem technologische Fortschritte ein Produkt automatisch gegenüber dem Vorjahresprodukt preiswerter machen und die Teuerungsrate schönrechnen würden oder der Surrogat Ansatz, bei dem Produkte im Warenkorb mit starkem Preisanstieg gegen andere preisstabilere ersetzt würden.

Folgerung: Do erfreulich der Rückgang der Inflationsraten von ihrem Gipfel sei, so müsse doch bezweifelt werden, dass dies weiter so schnell gehe. Es könnte auch ganz anders kommen. Die Notenbanken seien gezwungen, ihre restriktivere Geldpolitik fortzuführen und die Leitzinsen zu erhöhen, vielleicht nicht mehr im gleichen Tempo, aber doch nachhaltig. Dies werde die Finanzmärkte entsprechend beeinflussen. (Ausgabe vom 18.01.2023) (19.01.2023/alc/a/a)






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