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Zinsstrukturkurve erneut auf Inversion zubewegt


20.06.22 16:55
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Märkte dürften weiter den Nachhall der Entwicklungen der letzten Woche spüren, die man durchaus als historisch bezeichnen kann, so die Analysten von Postbank Research.

Der S&P 500 sei um 5,8% gefallen, und die Anleiherenditen - insbesondere am kürzeren Ende der Kurve - seien ausgebrochen, da die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen auf über 3,1% angestiegen sei. Die viel diskutierte 2s/10s-Zinsstrukturkurve habe sich erneut auf eine Inversion zubewegt und Wachstumssorgen seien wieder aufgeflammt. Einerseits zeige die Tatsache, dass die EZB eine Sondersitzung außerhalb des regulären Zyklus einberufen habe, wie groß die Sorgen aufgrund steigender Risikoaufschläge seien, insbesondere bei italienischen Anleihen.

Andererseits habe die FED wie erwartet den Leitzins um 75 Basispunkte angehoben (die stärkste Zinserhöhung seit 1994). Da der Offenmarktausschuss (FOMC) in den eigenen Prognosen der FED auch Wachstumsprobleme andeute, dürften die Einkaufsmanager-Daten aus den USA, Europa und Japan in dieser Woche aufmerksam beobachtet werden, um Hinweise auf eine nachlassende Wirtschaftsdynamik zu finden. Auf der anderen Seite des Pazifiks habe die Chinesische Zentralbank (PBoC) bekannt gegeben, dass die Loan Prime Rate (LPR) in diesem Monat unverändert bleibe.

Natürlich würden die Analysten nicht argumentieren, dass die Talsohle bereits erreicht sei, obwohl dies die wichtigste Frage sein dürfte, die sich die Anleger stellen würden. Dennoch würden sie mögliche Faktoren beobachten, die den Abwärtstrend stoppen könnten. An erster Stelle stünden die Zentralbanken: Sie scheinen sich mit ihrer aggressiven Haltung immer noch gegenseitig übertrumpfen zu wollen. Erst wenn sich ein vorläufiges Ende von Zinsanhebungen abzeichne, könnten deutlich niedrigere Bewertungen am Aktienmarkt zu neuem Kaufinteresse führen.

Als zweites komme der Rentenmarkt: Da festverzinsliche Wertpapiere eine deutliche Neubewertung erfahren hätten, könnte bald wieder Nachfrage von institutionellen Anlegern zu verzeichnen sein. An dritter Stelle stehe China als Motor für das weltweite Wachstum und entscheidende Komponente der globalen Lieferketten: Aufgrund der Wieder-aufnahme der Produktion durch "optimierte" Lockdowns und Verbesserung der Logistik hätten die Exporte im Mai mit +16,9% weit über den Erwartungen gelegen. Lichtblicke seien in diesen Tagen schwer zu finden, aber chinesische Technologiewerte würden eindeutig dazu zählen, da der regulatorische Druck nachlasse. (20.06.2022/alc/a/a)