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Zinssenkungen geben 2024 konjunkturellen Impuls


12.02.24 10:53
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Anstieg der Zinsen in den letzten beiden Jahren hat die wirtschaftliche Entwicklung ausgebremst, so die Analysten der Helaba.

Dies sei der allseits bekannte Nebeneffekt der Inflationsbekämpfung. Im Gegensatz zu früheren Zinserhöhungszyklen habe sich die rezessive Wirkung jedoch in Grenzen gehalten. So sei die Eurozone trotz des Leitzinsanstiegs 2023 von Null auf 4,5% immerhin noch um schätzungsweise 0,5% gewachsen. Nur Deutschland habe nicht mithalten können und eine leichte Rezession von kalenderbereinigt -0,1% verzeichnet.

Die USA hätten sogar einen Anstieg des Leitzinses um 5,25 Prozentpunkte verzeichnet und das Jahr 2023 immerhin mit einer Wachstumsrate von 2,6% abgeschlossen. Noch beeindruckender sei die Entwicklung der Arbeitslosenquoten, die sich in dieser Schwächephase sehr stabil gehalten hätten - im Gegensatz zu früheren Zinserhöhungsphasen. Es scheine, als ob die Notenbanken das Kunststück hinbekommen würden, zu bremsen ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Trotzdem sei die Stimmung weltweit im Keller. Negativ falle dabei derzeit Deutschland auf. Aber nicht nur die Konjunktur verhagele die Stimmung. Vielmehr würden die strukturellen Schwächen belasten: Überbordende Bürokratie, schlechte Infrastruktur, hohe Steuern und Energiepreise. Hier gelte es, die Angebotsseite zu stärken. Dies sei in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen.

So habe sich der Glaube an Konjunkturprogramme als Wundermittel manifestiert. Bei strukturellen Problemen würden diese aber nicht helfen und selbst bei konjunkturellen Schwächen gebe es hier allerhand Risiken und Nebenwirkungen. Die Versuchung für eine Konjunkturpolitik sei am Tiefpunkt am stärksten. Allerdings würden solche Maßnahmen üblicherweise mit Verzögerung wirken. Erkenntnis-, Entscheidungs- und Durchführungsverzögerungen seien maßgeblich für die prozyklische Wirkung diskretionärer Maßnahmen. Damit werde der Konjunkturzyklus nicht geglättet, sondern noch verstärkt.

Auch die Geldpolitik unterliege den genannten "Lags", sodass sie zumeist ebenso prozyklisch wirke. Man erinnere sich nur an den sehr späten Beginn des Zinserhöhungszyklus der FED und der EZB. Während beispielsweise Polen, Tschechien und Ungarn bereits im Sommer 2021 ihren damaligen Zinserhöhungszyklus begonnen hätten, habe die US-Notenbank bis März 2022 und die EZB sogar bis Juli 2022 gezögert. Da seien die Inflationsraten diesseits und jenseits des Atlantiks bereits auf 8,9 und 8,4% gestiegen.

Während die Inflationsraten seit Ende 2022 zurückgehen würden, hätten die Notenbanken die Leitzinsen noch bis September 2023 angehoben. Die Lags seien somit offensichtlich. Nach vorne gerichtet bleibe nun zu hoffen, dass die Notenbanken etwas schneller reagieren würden. Die Rhetorik scheine sich zumindest in den letzten Wochen geändert zu haben. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe zwar darauf hingewiesen, dass die Zinssenkungserwartung der Finanzmärkte für das Frühjahr zu ambitioniert seien, aber im Sommer sei wohl mit ersten Schritten zu rechnen.

Die von Lagarde angesprochenen Markterwartungen hätten von Oktober bis Dezember zu einem massiven Rückgang der Kapitalmarktzinsen geführt und in dessen Folge der Kosten für Hypothekenkredite. Auch wenn sich der Rückgang der Zinsen am langen Ende nicht mit der gleichen Geschwindigkeit fortsetzen werde, sei damit doch ein starker konjunktureller Impuls verbunden. In Kombination mit den niedrigeren Inflationsraten und starken Lohnsteigerungen werde es zu einem Anstieg der Reallöhne kommen. Da diese Effekte für viele Länder in der Welt zu beobachten seien, werde sich die Weltkonjunktur ebenfalls erholen, sodass der internationale Handel wieder an Dynamik zulegen könne.

In diesem Umfeld werde auch Deutschland wieder Wachstum aufweisen. Von der aktuell schlechten Stimmung sollte man nicht auf die Entwicklung im gesamten Jahr 2024 schließen: Vor dem Morgengrauen sei die Nacht am dunkelsten. (Ausgabe vom 08.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)