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Zentralbanken werden die Märkte eher belasten als stützen


06.01.23 11:19
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Nach einem turbulenten Jahr 2022 besteht Hoffnung auf ein besseres 2023, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

In den vergangenen Wochen habe es Anzeichen dafür gegeben, dass die Wachstumsaussichten weiterhin relativ gut seien. Das Unternehmens- und das Verbrauchervertrauen hätten sich stabilisiert, die Arbeitsmarktdaten seien nach wie vor robust und die Rezessionsängste scheinen zumindest für eine gewisse Zeit in den Hintergrund gerückt zu sein.

Die Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft werde ebenfalls als wachstumsfördernd angesehen. Der Anstieg der Corona-Fälle seit dem Ende der Beschränkungen im vergangenen Monat bedeute jedoch, dass die kommenden Wochen für die politischen Entscheidungsträger in Peking schwierig werden könnten.

Die Gaspreise seien aufgrund des milden Winterwetters in Europa auf ein Niveau gesunken, das es zuletzt vor Beginn des Ukraine-Kriegs gegeben habe. In Kombination mit ebenfalls sinkenden Ölpreisen habe das dazu beigetragen, dass die Inflationsdaten nach unten überrascht hätten.

Insgesamt hätten diese Entwicklungen die Stimmung an den Finanzmärkten zu Jahresbeginn gestützt. Es stelle sich jedoch die Frage: Sei dies der Beginn eines Trends, der die Investment-Landschaft im kommenden Jahr prägen werde? Oder handle es sich lediglich um eine kurze Atempause inmitten eines geldpolitischen Straffungszyklus, der weiterhin einen erheblichen Gegenwind für die Bewertungen von Vermögenswerten darstelle?

Die Experten hätten den Eindruck, dass man sich in den kommenden Monaten dem Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus nähern könnte. Die Inflation dürfte sich im Laufe des Jahres auf beiden Seiten des Atlantiks weiter abschwächen. Angesichts der nach wie vor angespannten Lage auf den Arbeitsmärkten bestehe jedoch das Risiko, dass der Lohndruck auch in den kommenden Quartalen die Preise treiben könnte.

Selbst wenn die Nachrichten zur Gesamtinflation ermutigender aussehen würden: Die Kernraten würden darauf hindeuten, dass die Teuerung weiterhin deutlich über den geldpolitischen Zielen liege. Die Experten seien daher der Meinung, dass die Entscheidungsträger nur langsam zu einer lockereren Haltung übergehen könnten - solange keine stärkere Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit zu verzeichnen sei.

Darüber hinaus signalisiere die US-Notenbank Federal Reserve weiterhin Unbehagen bezüglich der Lockerung der finanziellen Bedingungen. Die Zinssätze könnten also noch einige Zeit im restriktiven Bereich bleiben, bis die Inflation stärker unter Kontrolle sei. Aus Sicht der Experten würden sich die Zentralbanker, die von der im Jahr 2022 nach oben schießenden Inflation überrascht worden seien, sich davor hüten, die Geldpolitik voreilig zu lockern und einen weiteren Preisanstieg zu riskieren.

Die Marktteilnehmer würden derzeit mit weiteren Zinserhöhungen bis zum Frühjahr rechnen. Die Experten seien aber skeptisch, ob die Zinssätze danach so schnell zurückgehen würden wie in den Terminkontrakten eingepreist.

Vor diesem Hintergrund würden die Federal Reserve und andere Zentralbanken in absehbarer Zeit aus Sicht der Experten eher eine Bedrohung als eine Unterstützung für die Märkte darstellen. Sie würden daher weiterhin zu einer kurzen Duration neigen.

Das Jahr werde sicherlich einige Überraschungen bereithalten. Anfang Januar sei es noch zu früh, das Ende des Winters auszurufen - das dürfte auch für die Finanzmärkte gelten. (06.01.2023/alc/a/a)