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Zeitenwende am Anleihenmarkt?


07.11.22 11:45
ODDO BHF Asset Management

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer der ODDO BHF SE, kommentiert wöchentlich, was die Märkte bewegt.

Nachdem FED und EZB die Leitzinsen in den vergangenen Wochen um 0,75% erhöht hätten, befasse er sich mit dem weiteren Zinstrend. Er gehe nicht davon aus, dass der Inflationsdruck in den kommenden Monaten aufgrund der erwarteten Wirtschaftsschwäche nachlasse, aus drei Gründen: Zum einen müssten die Leitzinsen nach der Taylor-Regel noch weiter steigen, um die Lücke zwischen Inflationsziel und tatsächlicher Inflation zu schließen, zum anderen würden sich die stark gestiegenen Erzeugerpreise noch nicht vollständig in den gestiegenen Verbraucherpreisen widerspiegeln und schließlich trete die EZB nicht mehr als Netto-Anleihekäufer auf, was die Renditen von Staatsanleihen steigen lassen dürfte.

Starke Arbeitsmarktzahlen sowie die Kommentare von FED-Chef Powell, dass man "noch einiges zu erledigen habe und das auch tun werde", würden darauf hindeuten, dass die Leitzinsen weiter steigen würden. Angesichts einer Verbraucherpreisinflation von 10,7% werde auch die EZB nicht darum herumkommen, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Die Experten würden erwarten, dass die EZB die Leitzinsen in mehreren Zinsschritten bis September 2023 weiter anheben werde…

Die Duration in unseren Anleiheportfolios bleibt weiter kurz, so die Experten von ODDO BHF Asset Management. Die Zeit, die Laufzeiten in den Anleiheportfolios zu verlängern, um von Kurssteigerungen bei wieder fallenden Zinsen zu profitieren, sei aus Sicht der Experten noch nicht gekommen, da die Zinsen weiter steigen würden. Angesichts des Zinsanstiegs seit Jahresanfang hätten sich die Renditen von Anleihen von Unternehmens- und Staatsanleihen deutlich erhöht.

Zudem seien die Zinsunterschiede von Investment Grade-Anleihen und Hochzinsanleihen relativ zu Staatsanleihen hoher Bonität auf attraktive Niveaus gestiegen. Aktuell erhalte man für Euro IG-Anleihen 4,2% und für Euro-Hochzinsanleihen 7,9% (Stand: 01.11.2022). In der Vergangenheit habe es sich als vorteilhaft erwiesen, das Kreditrisiko erst nach Beginn einer Rezession schrittweise zu erhöhen. Dafür sei es noch zu früh. Die Experten würden daher noch in Lauerstellung bleiben: Sie würden das Kreditrisiko vermutlich erst Anfang 2023 erhöhen, da sie weiterhin von steigenden Zinsen und Risikoaufschlägen ausgehen würden. (07.11.2022/alc/a/a)