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Wilder Ritt an den Finanzmärkten


02.09.22 12:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen stiegen in der vergangenen Woche weltweit weiter an, da die Märkte einen zunehmend restriktiveren Kurs der Geldpolitik einpreisen, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Da sich die US-Inflation nun auf einem Abwärtstrend befinde, entspreche dies nach Meinung der Experten weitgehend dem fairen Wert. Bis Ende 2022 könnte die Inflation unserer Ansicht nach auf 3,5% sinken, da Basiseffekte die Jahresrate nach unten drücken würden. Nach den fiskalischen und geldpolitischen Straffungen zu Beginn des Jahres würden ein starker Dollar, sinkende Ölpreise und eine Abkühlung der Nachfrage dazu beitragen, den Preisdruck zu dämpfen. Die FED werde jedoch wahrscheinlich weiterhin sehr aufmerksam auf sekundäre Inflationseffekte achten, insbesondere auf Anzeichen für einen Anstieg der Lohnkosten auf einem relativ angespannten Arbeitsmarkt.

Vor diesem Hintergrund würden die Aussichten ungewiss bleiben. Die Inflationsentwicklung werde ausschlaggebend dafür, wo und wann die US-Zinsen ihren Höchststand erreichen würden, was die FED in die Lage versetzen würde, wieder eine neutralere Haltung einzunehmen.

In Bezug auf die Renditen in Europa würden die Experten bei ihrer negativen Einschätzung bleiben. Steigende Gaspreise würden zu einer weiteren Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen führen. Da dieser Trend anhalte, würden die Sorgen der Zentralbanker in der Eurozone steigen, dass die Inflationserwartungen immer mehr zulegen würden.

In einer falkenhaften Rede in Jackson Hole habe dementsprechend EZB-Direktorin Isabel Schnabel argumentiert, dass die Geldpolitik aggressiv gestrafft werden müsse, um der Entwicklung voraus zu sein. Sie habe auch darauf hingewiesen, dass Marktakteure ihre Inflationserwartungen für die kommenden Quartale erhöht hätten. Darauf müsse die Zentralbank unbedingt reagieren, um die Preisstabilität zu wahren und den wirtschaftlichen Wohlstand mittelfristig zu maximieren.

Eine schwache Euro-Währung und weitere fiskalische Lockerungen würden zudem das Risiko bergen, dass die Inflation weiter ansteige. Da die Wirtschaft der Eurozone jedoch auf eine Rezession zusteuere, würden die "Tauben" der EZB wahrscheinlich konstatieren, dass die Konjunktur-Modelle der EZB zeigen würden, dass die Produktionslücke zunehme. In Verbindung mit sich umkehrenden Basiseffekten der Inflation könnte dies darauf hindeuten, dass die Inflation im zweijährigen Prognosezeitraum bereits unter ihrem 2%-Ziel liegen könnte.

Die Experten würden weiterhin Unsicherheit und Volatilität im makroökonomischen Umfeld als allgegenwärtige Themen sehen. Noch sei nicht klar, wie schnell die Inflation in den USA sinken oder wann und wo die Inflation in Europa ihren Höhepunkt erreichen werde. Das bedeute, dass die Experten weiterhin die Datenlage beobachten und zurückhaltend bleiben würden. Sie würden jedoch nach Fehlbewertungen und asymmetrischen Handelsmöglichkeiten Ausschau halten, um auf taktischer Basis Risiken einzugehen.

Die Märkte würden wahrscheinlich weiterhin in beide Richtungen überschießen. Die Experten würden hoffen, dass sie diese Volatilität aufgrund ihrer Expertise, Recherchen und Analysen ausnutzen könnten. Im Moment liege das Augenmerk jedoch auf der europäischen Inflation, die aktuell noch schneller zum Mond zu rasen scheine, als die Artemis-Rakete der NASA. Was nach oben gehe, könne auch wieder nach unten gehen, aber es scheine, als ob man sich auf einen ziemlich wilden Ritt gefasst machen müsse. (02.09.2022/alc/a/a)