Erweiterte Funktionen

Wer finanziert den Schuldendienst?


02.06.22 16:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Finanzmärkte stehen Mitte 2020 vor nicht sonderlich optimistischen Perspektiven, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Das liege nicht nur am Krieg in der Ukraine. Die gesamte Gemengenlage der volkswirtschaftlichen Daten mahne Investoren zur Vorsicht. Die Weltwirtschaft stehe nach der Erholung von der Pandemie vor einer Phase der Beruhigung. Sehr belastend sei die inflationäre Preisentwicklung. Sie drücke auf den privaten Konsum und im Großen und Ganzen auch auf die Unternehmensgewinne. Die angestrebte Umstellung von fossilen Energien auf erneuerbare koste Zeit und Geld. Die Zentralbanken würden sich entschlossen zeigen, den Inflationsgefahren mit ihrer Geldpolitik entgegenzutreten. Sie hätten bisher mit NIRP und ZIRP die pandemiebedingte Konjunkturschwäche unterstützt. Insbesondere die quantitativen Lockerungen mittels QE hätten wie ein Treibriemen auf die Finanzmärkte gewirkt. Das falle jetzt weg.

Umso lauter werde der Ruf nach Unterstützung durch die Fiskalpolitik. Mit Blick auf die nächsten Wahlen würden die Politiker umfangreiche Hilfen versprechen. Doch diese könnten nur mit zusätzlichen Schulden finanziert werden. Der Schuldenstand des Staates steige immer höher. Sogenannte "Sondervermögen" würden gebildet, als ob in irgendeiner Schublade noch umfangreiche Ersparnisse vorhanden wären, stattdessen seien sie ebenfalls kreditfinanziert. Der "Schuldendienst" (Soll-Zinsen und teurer werdende Tilgungen) gehe in den Staatshaushalt ein, wodurch in manchen Ländern die Handlungsunfähigkeit drohe. Darüber werde in der Öffentlichkeit nicht gesprochen. Der Schuldendienst werde die nachfolgenden Generationen belasten, die künftigen BIP-Wachstumsraten vermindern. Das seien die eigentlich Leidtragenden.

In der Eurozone betrage die öffentliche Verschuldung Ende 2021 bereits 97,7% des BIP. In den USA nähere sich die Staatsverschuldung der Marke von USD 30 Billionen (1 Billion = 1.012) und habe Ende 2021 laut FED bei 123,6% des US-BIP gelegen. Immer lauter würden gegenwärtig die Forderungen nach öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen zum Ausgleich der Inflation und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Die Mitglieder des Euroraumes hätten einen Stabilitäts- und Wachstumspakt geschlossen; die Maastrichter Stabilitätskriterien würden den Schuldenstand und die Neuverschuldung limitieren, doch dieser Pakt sei kurzfristig außer Kraft gesetzt. Die Aussetzung sei jetzt um ein Jahr verlängert worden. Der deutsche Finanzminister habe angekündigt, die Schuldenbremse ab 2023 wieder in Kraft zu setzen.

Der IWF schätze, dass 60% der Entwicklungsländer inzwischen einen Stand öffentlicher Schulden erreicht hätten, der auf die Dauer nicht tragbar ("sustainable") erscheine. Sie würden Hilfen benötigen, um ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren. Das bedeute aber zumindest teilweisen Forderungsverzicht.

Die OECD schätze, dass in den OECD-Ländern die Regierungsschulden inzwischen auf mehr als USD 50 Billionen oder mehr als 90% des BIP gestiegen seien. Die globale Verschuldung liege bei USD 253 Billionen oder 322% des Welt-BIP. (02.06.2022/alc/a/a)