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Weltbank schlägt Alarm: Stagflation wie in den 1970er Jahren


08.06.22 17:01
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die Inflation bleibt eine der größten Herausforderungen, so Markus Bußler vom Online-Anlegermagazin "Der Aktionär".

Nun schlage ausgerechnet die Weltbank Alarm und zeichnet ein düsteres Bild. Die Experten sähen Stagflationsrisiken und eine mögliche weit verbreitete Nahrungsmittelknappheit. Verschärft werde das Ganze durch den Krieg, den Russland in der Ukraine führe.

Die Weltbank habe ihre globale Wachstumsprognose für 2022 auf 2,9 Prozent gesenkt. In ihrer Januarprognose für 2022 sei sie noch von einem globalen Wachstum von 4,1 Prozent ausgegangen. "Der Krieg in der Ukraine, der Stillstand in China, die Unterbrechung der Lieferketten und das Risiko einer Stagflation belasten das Wachstum. Für viele Länder wird eine Rezession nur schwer zu vermeiden sein", habe David Malpass, Präsident der Weltbank gesagt. "Mehrere Jahre mit überdurchschnittlicher Inflation und unterdurchschnittlichem Wachstum sind nun wahrscheinlich, mit potenziell destabilisierenden Folgen für Volkswirtschaften mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dieses Phänomen - Stagflation - hat die Welt seit den 1970er Jahren nicht mehr erlebt." Die Weltwirtschaft stehe nun am Anfang einer Phase, die sich zu einer "langwierigen Periode schwachen Wachstums und hoher Inflation" entwickeln könnte, so die Weltbank.

Die Weltbank schließe eine Rückkehr zu den 1970er Jahren nicht aus, da das globale Wachstum mit den weitreichenden Folgen des russischen Krieges in der Ukraine, den COVID-19-Abschaltungen in China, anhaltenden Unterbrechungen der Versorgungskette und Stagflationsrisiken konfrontiert sei. "Die Gefahr einer Stagflation ist heute beträchtlich", habe Malpass geschrieben. "Aufgrund der schwachen Investitionen in den meisten Teilen der Welt wird das gedämpfte Wachstum wahrscheinlich das ganze Jahrzehnt über anhalten. Da sich die Inflation in vielen Ländern auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten befindet und ein langsames Wachstum des Angebots erwartet wird, besteht die Gefahr, dass die Inflation noch länger höher bleibt."

Ein weiteres großes Risiko für die Welt sei eine weit verbreitete Nahrungsmittelknappheit aufgrund von Störungen des Welthandels nach Russlands Einmarsch in der Ukraine. "Es besteht ein ernsthaftes Risiko der Unterernährung, der Verschärfung des Hungers und sogar der Hungersnot", heiße es in dem Bericht. Anhaltende Unterbrechungen der russischen und ukrainischen Weizenexporte würden die Ernährungsunsicherheit verschärfen und die Unterernährung in einigen Ländern, einschließlich vieler Länder mit niedrigem Einkommen, verstärken. (08.06.2022/alc/a/a)