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Welche Optionen hat die EZB?


17.06.22 17:14
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung ab, nachdem die europäischen Märkte für festverzinsliche Wertpapiere drei Mal in Folge sehr volatil waren, so die Experten von La Française AM.

Der Spread zwischen der 10-jährigen italienischen und der deutschen Bundesanleihe sei von 200 Basispunkten (Bp) auf 242 Bp gestiegen. Ähnliche Bewegungen habe es über die gesamte Breite des Marktes gegeben (2-jähriger BTP-Spread, griechischer Spread usw.). Die Experten hätten bei solchen Spread-Niveaus keine Reaktion der EZB erwartet, da sie insgesamt keinen signifikanten Druck darstellen würden, wie Frau Schnabel gestern betont habe.

Die Frage, die sich jeder stelle: Welche Optionen habe die EZB?

Die EZB müsse eine Lösung finden, um ihre drei Hauptziele zu erreichen:

1. Den Verfall des Euro aufhalten

2. Die Spreads innerhalb der EU auf einem angemessenen Niveau aufrechterhalten

3. Die Inflation bekämpfen

Darüber spekulieren die Marktteilnehmer nun schon seit Monaten, und wir haben noch keine überzeugende Lösung gesehen, so die Experten von La Française AM. Das habe die EZB auf ihrer Sitzung signalisiert:

- Die EZB werde bei der Reinvestition von PEPP-Rückzahlungen (Pandemic Emergency Purchase Program) flexibel vorgehen. Das sei bereits vorher der Fall gewesen, also nichts Neues. Allerdings könnte die EZB die "Flexibilität" in Zukunft noch stärker nutzen. In der Vergangenheit habe sie gezögert, erheblich vom Kapitalschlüssel abzuweichen (außer während der Covid-Krise für einen kurzen Zeitraum), aber sie könnte sich dazu entschließen. Langfristig könnte sich dies als schwierig erweisen (die EZB müsse den Kapitalschlüssel bis zum Ende eines jeden Kalenderjahres einhalten), kurzfristig könnte dies jedoch zur Stabilisierung der Märkte beitragen.

- Die EZB habe ihre Mitarbeiter damit beauftragt, neue Anti-Krisen-Instrumente zur Abstimmung vorzubereiten. Uns liegen zwar noch keine Einzelheiten vor, aber genau darauf hatten die Märkte letzte Woche gehofft, so die Experten von La Française AM. Es sei verfrüht, sich eine Meinung über den Plan zu bilden, und es sei noch nicht absehbar, wie viel Unterstützung der Plan bei den EZB-Mitgliedern finden werde.

Die Tatsache, dass die EZB eingreife, dürfte die Märkte kurzfristig beruhigen, vor allem angesichts des geringeren Exposures für die Peripherieländer. Doch müsse die EZB nun ihre neuen Instrumente zur Krisenbekämpfung einsetzen. Sollte es sich um ein neues Programm zur quantitativen Lockerung (QE) für die Peripherieländer handeln, dann seien die Experten eher zurückhaltend. Die Experten von La Française AM glauben nicht, dass dies ohne Bedingungen möglich wäre. Es könnte sich um einen neuen Plan handeln, der dem Outright Monetary Transactions (OMT)-Programm ähnle, aber flexibler und mit weniger Auflagen verbunden sei. Im Moment scheine dies das plausibelste Ergebnis zu sein. Werde es ausreichen, um eine Ausweitung der Spreads in der Peripherie zu verhindern? Die Experten seien sich da nicht sicher, zumindest nicht, solange die Inflation nicht zurückgehe. (17.06.2022/alc/a/a)