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Was lange währt, wird endlich gut - auch der nächste Zinsschritt der Bank of England?


02.11.22 12:48
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Diesen Donnerstag wird die Bank of England ihre nächste Leitzinsentscheidung bekannt geben, so Thilo Wolf, Deutschlandchef von BNY Mellon Investment Management.

Über den britischen Staatshaushalt würden inzwischen wieder Profis entscheiden. Das habe zur Wiederherstellung der Ordnung beigetragen. Die Renditen der Gilts, also britischer Staatsanleihen, seien aktuell sogar niedriger als unmittelbar vor der Ankündigung des "Mini-Budgets" von Liz Truss - und zwar am langen Ende deutlich.

Diese Entwicklung halte Wolf für übertrieben. Der Haushalts-Rückzieher des neuen Schatzkanzlers rechtfertige zwar einen gewissen Rückgang der langfristigen Renditeerwartungen, da damit auch geringere Wachstumserwartungen verbunden seien, doch die Entwicklung des Konsums bleibe unsicher. Selbst bei einer Straffung der Finanzpolitik habe der Leiter des Debt Management Office einen Rekord bei den Netto-Gilt-Emissionen in Aussicht gestellt, sofern die Bank of England ihre quantitative Straffung fortsetze. Die politische Instabilität möge zwar vorübergehend nachgelassen haben, aber sie sei nicht verschwunden. Eine höhere Risikoprämie auf Gilts wäre daher nach wie vor gerechtfertigt.

"In unseren Anleihefonds sind wir dieses Jahr, mit Ausnahme der Phase Ende September/Anfang Oktober, zumeist "short" gegenüber britischen Staatsanleihen positioniert gewesen. Wir haben nie daran geglaubt, dass die zum Zeitpunkt des Panik-Höhepunkts implizierte Zinserhöhung von 1,5% im November stattfinden würde, weil der Mini-Haushalt dann zwangsläufig neu hätte aufgestellt werden müssen", so Thilo Wolf. Besser wäre es, die Zinssätze um 0,75% zu erhöhen, um zu zeigen, dass man sich sowohl der Inflationsbekämpfung als auch der Haushaltsdisziplin verschrieben habe.

Sollte das Monetary Policy Committee der Bank of England aber einen lockeren geldpolitischen Kurs verfolgen und die Zinsankündigung auf den 17. November verschieben, bestehe die Gefahr, dass Anleger die Geduld verlieren würden. Das könnte zu neuer Volatilität führen, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie zuletzt. Am Markt scheine sich in den letzten Tagen eine Erwartung von 0,5% bis 0,75% einzupendeln. Doch wie auch immer das Votum ausfalle: Wolf bezweifle, dass es einstimmig sein werde. (02.11.2022/alc/a/a)