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Warum Anleger positiv auf 2023 blicken können


03.01.23 10:18
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Aus Sicht der Kapitalanleger wird 2022 als das Jahr der großen Zinswende in die Geschichte eingehen, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Damit schaffe es eine erste gute Voraussetzung für bessere Wertentwicklungen, da ein ähnlich drastischer Zinsanstieg vorerst nicht mehr zu erwarten sei. Die Notenbanken würden im ersten Quartal zumindest teilweise Leitzinserhöhungspausen einlegen, um die volle Wirkung der bisherigen geldpolitischen Straffung auf die Wirtschaftsdynamik und damit auf die Inflation abzuwarten. Bei längeren Laufzeiten würden die Renditen hingegen stärker von den Konjunktur- und Inflationserwartungen getrieben. Konjunkturell sei am Jahresanfang global mit einem schwachen Start und in vielen Volkswirtschaften mit einer Rezession zu rechnen, wodurch der ohnehin bereits nachlassende Inflationsdruck weiter gedämpft werde.

Selbst wenn eine Stabilisierung der Wachstumserwartungen ab dem Frühjahr realistisch sei, sollten Preis-Basiseffekte durch den Vergleich aktuell deutlich geringerer Rohstoffpreise mit den Höchstniveaus des Vorjahres bei der Inflationsberechnung im gesamten Jahresverlauf für sinkende Teuerungsraten sorgen. Trotz höherer oder wieder steigender Zinsen und gleichzeitig sinkender Inflationsraten, sei der Realkapitalerhalt - also der Ausgleich der Preisniveausteigerungen durch Kapitalerträge - mit verzinslichen Anlagen bester Bonität, wie Bundesanleihen oder Kontoguthaben, wohl nicht erreichbar. Dadurch werde die Nachfrage nach realen Anlagen, wie Aktien oder Rohstoffen grundsätzlich unterstützt. Mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Dynamik ab dem zweiten Quartal sei dann auch von Unternehmensseite wieder mit einer besseren Gewinnentwicklung und positiveren Ausblicken zu rechnen, sodass Aktiennotierungen weiteren Anschub erhalten dürften.

Europäische Aktien könnten zudem davon profitieren, dass Anlagekapital aus dem Ausland, das aufgrund der schwierigen Konstellation in Europa mit einer kriegerischen Auseinandersetzung, einer drohenden Energiemangellage und einem sehr schwachen Euro im vergangenen Jahr massiv abgezogen worden sei, zurückkehre. Es sei allerdings davon auszugehen, dass auch 2023 erhebliche Kursschwankungen immer wieder auftreten würden. Die beiden größten und nur schwer kalkulierbaren Risiken seien kurzfristig die ungewisse wirtschaftliche Entwicklung in China - vor dem Hintergrund der Aufgabe der Null-COVID-Strategie bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie - sowie die im Zuge des Ukrainekriegs bestehenden Unsicherheiten. (03.01.2023/alc/a/a)