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Veröffentlichung des FED-Protokolls steht an


21.11.22 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach datenarmen Tagen wird es in der Eurozone in dieser Woche spannend, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Mit den Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices würden die meistbeachteten Konjunkturfrühindikatoren für Europa veröffentlicht. Die Umfragewerte für den Industrie- und Dienstleistungsbereich würden seit längerem nach unten tendieren und seien klar auf einem Niveau angelangt, das mit einer rückläufigen Wirtschaftsaktivität einhergehe. Eine Rezession werde für die Eurozone allgemein erwartet, die Frage sei, wie tief und lange diese ausfallen werde. In Bezug auf die anstehenden PMI könne die Frage anders ausgedrückt werden: Seien diese Frühindikatoren bereits nahe ihrem Tief oder stünden weitere Rückgänge an und wie weit würden diese führen?

Zunächst falle auf, dass laut Einkaufsmanager die Neuaufträge deutlich zurückgegangen seien, während die Beschäftigung bis zuletzt ausgedehnt worden sei. Allerdings habe in der Industrie der Arbeitsrückstand deutlich abgenommen, sodass die Notwendigkeit zusätzlicher Arbeitskräfte eher früher als später ein Ende finden sollte. Weiterhin signalisiere das Verhältnis Neuaufträge zu Lagebestand keine Notwendigkeit die Produktion alsbald zu beleben. Zuletzt werde im Verarbeitenden Gewerbe der Gesamtindex nach wie vor aufgrund von Lieferverzögerungen von Vorleistungsgütern ein wenig nach oben verzerrt. Dieser Faktor verliere aber kontinuierlich an Einfluss.

In Summe würden die Umfragedetails vor allem im Industriebereich noch nicht darauf hindeuten, dass das Tief bereits erreicht worden sei, und so würden die Analysten bei den PMI für November einen Rückgang ansetzen. Ein wenig anders würden sich die Vorzeichen für andere anstehende Umfrageindikatoren präsentieren. Das Konsumentenvertrauen habe sich bereits weitaus stärker eingetrübt als etwa die PMI und präsentiere sich sogar negativer als zu früheren Krisen (Covid, Eurokrise). Die Luft für nochmalige Rückgänge sei somit dünn.

Zudem hätten sich nach Ansicht der Analysten die Abwärtsrisiken zuletzt etwas abgenommen (z.B.: Energieengpässe im Winter) und so würden die Analysten erwarten, dass die Einschätzung von Konsumenten im November weniger negativ ausfalle als zuvor. Bei der ifo Umfrage für Deutschland sollte der Umfragewert von einer Verbesserung der aktuell sehr pessimistischen Zukunftserwartungen nach oben gezogen werden.

An den Zinsmärkten sei vergangene Woche die Inversion der Bund-Kurve ins Auge gestochen. Die 10-jährige Rendite notiere das erste Mal seit 2008 unter dem 2-jährigen Renditeniveau. Die Inversion sei eine Begleiterscheinung sinkender Renditen am langen Ende der Kurve, da die 10-jährige Rendite erneut unter 2% notiere. Aufgrund von vergleichsweise stabilen Renditen am kurzen Ende der Kurve würden die Analysten die Inversion der Bund-Kurve nicht mit nochmaligen Anstiegen der EZB-Zinserwartungen auf Sicht der nächsten Monate verorten. Vielmehr würden sie die Bund-Bewegung am langen Ende der Kurve als getrieben von Entwicklungen auf den globalen Zinsmärkten erachten. Denn auch die US Treasury Kurve zeige ein ähnliches Muster.

In den USA habe die Inversion einen neuen Höchststand von über 0,6%-Punkte erreicht, was mit einer 10-jährigen Treasury Rendite von unter 4% einhergehe. Im Nachklang der letzten Inflations-Veröffentlichung preise der Markt über eine geringere Risikoprämie, dass Leitzinsen für eine sehr lange Zeit in einem restriktiven Bereich verharren müssten, um Preisstabilität wiederherzustellen. Auch wenn die Analysten damit übereinstimmen würden, dass Marktquotierungen langfristiger Treasury-Forwards (5YF5Y) von 4%, wie vor der Inflationsveröffentlichung, mittelfristig als zu hoch angesetzt seien, erscheine es den Analysten als verfrüht, Inflationssorgen bei Seite zu schieben.

Der Grund für die niedrigere Kern-Inflation im Oktober habe wohl vorwiegend bei Entspannungen der Angebotsengpässe und weniger bei einer deutlichen Eintrübung der Konsumnachfrage gelegen (wie auch starke Einzelhandelsumsätze bestätigen würden). Auch wenn die Anzeichen sinkender Inflation als begrüßenswert einzustufen seien, sollte man mit Rückschlüssen zur Persistenz der Kerninflation vorsichtig sein. Solange sich das kurze Ende aufgrund erhöhter Inflation als vergleichsweise stabil erweise, könnte die Rally längerer Laufzeiten eher kurze Beine haben.

Und die Veröffentlichung des FED-Protokolls diese Woche werde wohl eher ein klares Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung ausweisen und Zinssenkungsfantasien keinen weiteren Nährboden liefern. Das gleiche gelte für das EZB-Protokoll zur letzten Zinssitzung, welches zudem Informationen zum Meinungsbild der Entscheidungsträger in Bezug auf weiteres Zinsanhebungsausmaß und Abschmelzung der Anleihebestände (QT) beinhalten könnte. (Ausgabe vom 18.11.2022) (21.11.2022/alc/a/a)