Unterschätzen die Märkte die Auswirkungen der Inflation?


13.01.23 12:55
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2022 war für die Aktienmärkte katastrophal, so die Experten vom Online-Broker LYNX.

Rund 18 Billionen US-Dollar seien vernichtet worden und für US-Staatsanleihen sei es so schlecht wie nie gelaufen. Doch in diesem Jahr solle alles besser werden, zumindest wenn man sich die Entwicklung der sogenannten Inflationsswaps ansehe. Immer mehr Marktteilnehmer schienen für 2023 von einer deutlich sinkenden US-Inflation auszugehen, die sich langsam, aber sicher im Laufe des Jahres wieder an das zwei Prozent Ziel der FED annähere. Das würde dazu führen, dass die US-Zentralbank die Zinsen wieder senken könne, um aktiv einer drohenden Rezession entgegenzuwirken. Für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX sei dieses Szenario jedoch eher unwahrscheinlich. Er warne davor, die Auswirkungen und die Stärke der Inflation zu unterschätzen.

"Eine Inflation von rund 2,5 Prozent zum Ende des Jahres dürfte unrealistisch sein. Allein die weltweite Energiekrise könnte bereits für Preissteigerungen weit über diesem Level sorgen. Hinzu kommt der weiter halbwegs stabile Arbeitsmarkt, der auch nicht für Zinssenkungen in absehbarer Zeit spricht", fasse Sadowski zusammen und vergleiche die Situation mit den 1970er Jahren, als die US-Inflation zwei Mal in den zweistelligen Bereich gerutscht sei. "Auch damals waren die Energiekosten eine der Haupttriebfedern der Inflation. Die heutige Situation ist damit durchaus vergleichbar - und auch damals hat die FED eine Rezession in Kauf genommen, um die Inflation auf ein erträgliches Maß zu drücken."

Denjenigen, die nun auf ein baldiges Ende der Inflation und sinkende Zinsen setzen würden, könnte nach Meinung des Experten ein böses Erwachen bevorstehen. "Die Zentralbanken werden wohl kaum mit Lockerungen zur Rettung vor einer Rezession eilen, wenn sie diese durch ihre eigene Zinspolitik zumindest mitverursacht haben, um die Inflation zu senken. Sie werden allenfalls versuchen, die negativen Auswirkungen ihrer Politik durch kleinere Zinsschritte abzumildern. Doch man sollte sich darauf einstellen, dass es vorerst keine Rückkehr zur ultralockeren Geldpolitik der vergangenen Jahre geben wird."

Auch die letzten Äußerungen der FED-Politiker würden keinen Anlass geben, auf sinkende Zinsen zu hoffen. Nach Einschätzung von Sascha Sadowski werde sich die FED auch nicht mit lediglich sinkenden Inflationsraten zufriedengeben, solange diese sich nicht zumindest dem Zwei-Prozent-Ziel nähern würden. "Wir werden uns damit abfinden müssen, dass wir uns nun in einem völlig anderen Markt bewegen als in den letzten Jahren. Die FED - und auch andere Zentralbanken weltweit - müssen auf die gestiegenen Preise reagieren und gegensteuern. Was passieren kann, wenn das nicht geschieht wird in der Türkei und noch krasser in Venezuela deutlich - und das kann keiner wollen." (13.01.2023/alc/a/a)





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