US-Zwischenwahlen sind von Bedeutung - weniger bei 8% Inflation


11.11.22 10:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Während die Stimmen bei den diesjährigen US-Zwischenwahlen - die über das Kräfteverhältnis im Kongress entscheiden - noch ausgezählt werden, ist klar, dass sich die in den Tagen vor der Wahl prognostizierte "Welle" der Republikaner eher als Plätschern entpuppt hat, so Matt Peron, Director of Research, und Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income, bei Janus Henderson Investors.

Die Republikaner dürften die Kontrolle über das Repräsentantenhaus mit einer geringeren Mehrheit als erwartet erlangen, während erste Anzeichen darauf hindeuten würden, dass die Demokraten ihre Mehrheit im Senat halten könnten.

Die Aktienmärkte in den USA hätten am Morgen nach dem Wahltag nachgegeben, was teilweise an den noch offenen Wahlergebnissen gelegen habe. Grundsätzlich würden Aktien jedoch von einer geteilten Regierung in den USA - mit einer Machtverteilung zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress - profitieren, da diese Konstellation häufig den Umfang der politischen Veränderungen, mit denen die Märkte in den Folgejahren rechnen müssten, begrenze. Ebenso könnten US-Treasuries profitieren, sollte die Teilung der Regierungsmacht einen möglichen Anstieg der fiskalischen Maßnahmen verhindern, was die Renditen in die Höhe treiben und die Anleihekurse drücken könnte.

Natürlich werde die Finanzpolitik nicht ganz unproblematisch sein. Der Kongress werde irgendwann im Jahr 2023 die Schuldenobergrenze anheben müssen, und die Republikaner könnten Ausgabenkürzungen erzwingen oder ein parteiübergreifendes Vorgehen ablehnen, was zu Volatilität an den Märkten führen würde (2011 habe die Debatte über die Schuldenobergrenze unter den Republikanern im Repräsentantenhaus und den Demokraten im Senat zur volatilsten Handelswoche an den Finanzmärkten seit der globalen Finanzkrise von 2008 geführt.). Aber der Stillstand, der in den nächsten zwei Jahren in Washington herrschen dürfte, bedeute, dass die Variablen, die die Anleger in letzter Zeit umtreiben würden - von der extrem hohen Inflation und den rapide steigenden Zinsen bis hin zu den schrumpfenden Unternehmensgewinnen und den geopolitischen Spannungen -, wahrscheinlich weiterhin die kurzfristige Richtung der Märkte bestimmen würden.

Selbst wenn sich die Machtverhältnisse in Washington durch die Zwischenwahlen ändern sollten, bleibe das größte Problem für die Anleger die Inflation und die Frage, wie sich die Reaktion der FED auf das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne auswirken werde. Der Zielsatz der FED liege jetzt bei 4%, während er zu Jahresbeginn 2022 noch bei Null gelegen habe. Da die Inflation unverändert hoch sei, werde der Zinssatz nach Meinung der Experten mindestens bis Mitte 2023 weiter steigen. Eine derart rasche geldpolitische Straffung habe bereits dazu geführt, dass der S&P 500® Index in diesem Jahr um etwa 20% gefallen sei und der Bloomberg U.S. Aggregate Bond Index den schlimmsten Ausverkauf des Jahres verzeichnet habe. Auch die Unternehmensgewinne seien zurückgegangen, und immer mehr Firmen würden ihre Gewinnprognosen senken oder ihre Prognosen ganz zurücknehmen. Die Experten von Janus Henderson Investors bezweifeln, dass die Märkte ihren Kurs ändern werden, solange der Höhepunkt der Inflation nicht überschritten ist und der Endpunkt für Zinserhöhungen nicht feststeht - beides wird der neu gewählte Kongress nicht kontrollieren können.

Die wichtigste Erkenntnis der diesjährigen Zwischenwahlen könnte daher sein, dass die US-Aktien in den zwölf Monaten nach den Zwischenwahlen von ihrem historischen Muster abweichen könnten, Gewinne zu erzielen, und dass die Geldpolitik - und nicht die Finanzpolitik - die Performance der Finanzmärkte am stärksten beeinflussen werde.

US-Aktien hätten in der Vergangenheit nach den US-Zwischenwahlen Kursgewinne verzeichnet, aber dieses Muster könnte sich in diesem Jahr aufgrund der seit mehreren Jahrzehnten hohen Inflation ändern.

Anleihen würden sich weiterhin an der Geldpolitik orientieren. Für den Fall, dass die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat behalten würden, bestehe jedoch die Möglichkeit, dass zusätzliche Ausgaben getätigt würden, was - zumindest kurzfristig - Aufwärtsdruck auf Anleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten ausüben würde. (11.11.2022/alc/a/a)