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US-Zinsen könnten länger hoch bleiben als erwartet


26.09.22 09:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die globalen Renditen drängten vergangene Woche weiter aufwärts, nachdem die US-Notenbank FED den Leitzins um 75 Basispunkte angehoben hatte, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

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Im Grunde habe Notenbankchef Powell in dieser Woche wenig Neues gesagt. Doch je deutlicher werde, wie entschlossen die FED die Inflation mit den Mitteln der Rezession bekämpfen wolle, desto stärker verblasse auch die Hoffnung auf einen nur kurzzeitigen Zins-Peak bei 4,5 Prozent.
Diese hawkishe Haltung bedeute, dass weitere Zinsschritte um 125 Basispunkte vor dem Jahresende sowie zusätzliche Straffungen Anfang des nächsten Jahres eingepreist seien. Die FED brauche letztlich bessere Nachrichten von der Inflationsseite. BlueBay Asset Management hoffe zwar, dass diese Nachrichten kämen, doch es wäre verfrüht, über eine Ausrichtung auf lange Durationen nachzudenken.

Risikoanlagen seien infolge der Federal Open Market Committee (FOMC)-Sitzung unter Druck geraten und es erscheine unwahrscheinlich, dass der Gegenwind in näherer Zeit abflaue - schließlich müsse der Aktienmarkt die sinkenden Erträge verkraften, und auch der starke Dollar und die höheren Abzinsungssätze für Anlagen mit langer Laufzeit würden Sorgen bereiten.
Die europäischen Märkte hätten eine milde Rezession bereits eingepreist und sich daher besser behauptet. Auch die italienischen Anleihespreads würden trotz der kommenden Wahlen stabil bleiben. Insgesamt sei BlueBay Asset Management überzeugt, dass die Fratelli d'Italia sich nach einem Wahlsieg kurzfristig von ihrer besten Seite zeigen werde. Mittelfristig aber dürften die politischen Herausforderungen die Spreads erneut belasten.

Treffen mit Entscheidungsträgern der EU in dieser Woche würden darauf hindeuten, dass eine Art von wirtschaftlichem Realismus in Brüssel Einzug gehalten habe. Man sei sich darüber im Klaren, dass eine Rezession der Preis sei, den man zahlen müsse, wenn auf dem Kontinent Krieg herrsche. Nun stelle sich die Frage, wie schmerzhaft diese Rezession ausfallen werde. Dies werde davon abhängen, wie hartnäckig sich die Inflation halte, da steigende Preise das real verfügbare Einkommen deutlich schrumpfen lassen würden.

Derweil habe die Bank of Japan (BoJ) bekräftigt, die Zinskurve weiter nach oben hin begrenzen zu wollen. Die Inflation in Japan liege nun bei fast 3 Prozent und tendiere nach oben. Diese Entwicklung könnte durch einen schwachen Yen noch verstärkt werden. Daneben bestehe angesichts des auslaufenden Pandemiegeschehens in Japan die Chance, dass sich die Wirtschaftsleistung verbessern könnte, während sich das Wachstum anderer Volkswirtschaften verlangsame. Der Yen sei im Anschluss an die Entscheidung der BoJ auf ein neues Tief gerutscht, bevor er sich durch gezielte Interventionen am Devisenmarkt wieder stabilisiert habe.

BlueBay Asset Management rechne jedoch mit einer weiteren Abwertung des Yen, sollte die Geldpolitik der BoJ weiterhin derart stark von den Maßnahmen aller anderen globalen Zentralbanken abweichen, insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Inflation. Daher sehe BlueBay Asset Management Short-Positionen in japanischen Staatsanleihen in Erwartung steigender Renditen infolge eines Politikwechsels der BoJ in den kommenden Monaten weiter positiv.

Das Gesamtbild sei weiterhin diffus und bevor sich aus den Daten keine besseren Inflationsaussichten ableiten lassen würden, bleibe BlueBay Asset Management zurückhaltend. Derweil tendiere BlueBay Asset Management zu Titeln mit längerer Duration, sollten die Renditen weiter steigen, und sei bestrebt, sein Engagements in Risikoanlagen zu erhöhen, sollte es zu einem unerwartet schnellen Frieden in der Ukraine kommen. (Ausgabe vom 23.09.2022) (26.09.2022/alc/a/a)